Gremsdorf
Kostendruck

Windkraft-Flaute kostet 70 Jobs in Gremsdorf

Die Gremsdorfer Unternehmensgruppe IMO will einen Teil ihrer über 500 Arbeitsplätze abbauen. Die Konkurrenz aus China produziert billiger.
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Foto: Christian Bauriedel
Foto: Christian Bauriedel

Zu den verschiedenen Produkten, die bei der Firma IMO in Gremsdorf hergestellt werden, gehörten bisher auch einfache Blattlager für Windkraftanlagen. Die Windbranche steht seit Mitte 2017 weltweit unter einem extremen Kostendruck. Der hat inzwischen dazu geführt, dass eine kostendeckende Herstellung dieser einfachen Kugeldrehverbindungen in Gremsdorf nicht mehr möglich ist.

Wie IMO-Geschäftsführer Erich Ruß am Mittwoch auf Anfrage des FT erklärte, werde IMO in Gremsdorf die Produktion dieser Blattlager einstellen und sehe sich gezwungen, bis Ende dieses Jahres 70 der über 500 Arbeitsplätze abzubauen. Die Belegschaft sei dieser Tage informiert worden, jetzt werden Gespräche mit dem Betriebsrat geführt, kündigt Ruß an.

Die Chinesen produzieren diese Teile einfach billiger. IMO habe keine Chance, bei den Preisen mit in Deutschland produzierten Lagern mitzuhalten, muss Ruß eingestehen. Wie IMO in einer Pressemeldung verlauten lässt, sei der Kostendruck nicht nur in Deutschland und Europa zu spüren, sondern auch in den für das Gremsdorfer Unternehmen wichtigen Märkten China und Indien. Beispielsweise sei der Windenergie-Markt in Indien ein Dreivierteljahr tot gewesen, klagt Ruß.

IMO vermeldet aber auch Erfreulicheres. Während die Umsätze im Windbereich fallen, steigen sie in anderen Bereichen. Ruß will mit seiner Geschäftsführung das Unternehmen ein Stück weit aus dem schwankenden Windmarkt lösen und sich stärker auf Drehverbindungen für den Industriebereich und die im Gremsdorfer Gewerbegebiet produzierten Schwenktriebe fokussieren.

Durch den Ausbau dieser beiden Sparten könnten auch viele in der Windbranche wegfallenden Arbeitsplätze aufgefangen werden. Trotzdem fehle "für rund 70 Personen der Beschäftigungsbedarf". Davon sei hauptsächlich der Bereich Herstellung betroffen.

Die 1988 in Gremsdorf gegründete Unternehmensgruppe will sich laut Pressemitteilung bis Ende dieses Jahres neu ausrichten. Langfristig erwartet Ruß wieder eine Stabilisierung des Windumsatzes, allerdings auf "niedrigerem Niveau als bisher". In Gremsdorf sollen weiterhin Hauptlager, spezielle Blatt- und Turmlager, sowie Lager für den Ersatzteilbedarf hergestellt werden.

Branche vor dem Stillstand

Für Branchenkenner kommt die Nachricht aus dem Hause IMO nicht wirklich überraschend: "Wenn der Markt vom Gesetzgeber so eingeschränkt wird, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn Arbeitsplätze verloren gehen", sagt Stefan Paulus, Projektentwickler bei der Firma "Wust - Wind und Sonne" aus Markt Erlbach, die unter anderem für die Betriebsführung der Windparks in Mühlhausen und Lonnerstadt zuständig ist.

Es seien kaum noch Flächen verfügbar, um überhaupt Windkraftanlagen zu errichten. Ein Grund sei die "10H-Regelung", laut der neue Windkraftanlagen einen Abstand von mindestens dem Zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden haben müssen. Ausnahmen müssten im Bebauungsplan verankert werden - und das mache keiner: "Sobald es da ein bisschen Gegenwind aus der Bevölkerung gibt, sagen die Verantwortlichen in den Gemeinden: ,Dann lieber nicht.'" Aus der Politik fehle eine Art Schulterklopfen dafür, wenn eine Gemeinde sich doch dazu entschließt, denn negative Konsequenzen gebe es keine: "Wenn sie nichts machen, dann passiert ihnen auch nichts", sagt Paulus.

Wenn doch mal ein Projekt in die nächste Phase gehe, dann kämen neue Probleme: "Der Artenschutz wird gegen die erneuerbaren Energien ausgespielt und viel zu streng ausgelegt." Statt Lösungen für eine gemeinsame Existenz von Windrädern und geschützten Vogelarten zu suchen, würden Projekte abgesagt. So gehe aktuell nichts mehr vorwärts.

Tatsächlich wurden in Bayern 2018 im ersten Halbjahr 91 Prozent weniger Windkraftanlagen gebaut als im vergleichbaren Zeitraum 2017, teilte der Bundesverband Windenergie (BWE) kürzlich mit.



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