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Herzogenaurach
Aufführung

Willkommen, Bienvenue, Welcome!

Der Fränkische Theatersommer brillierte im Herzogenauracher Schlosshof mit dem Musical "Cabaret".
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Mit dem legendären "Willkommen, Bienvenue, Welcome" des Conferenciers verbindet man automatisch den Gedanken ans Musical "Cabaret"
Mit dem legendären "Willkommen, Bienvenue, Welcome" des Conferenciers verbindet man automatisch den Gedanken ans Musical "Cabaret"
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Mit "Cabaret" brachte die Fränkische Freilichtbühne das Lebensgefühl der 1920er Jahre in den Herzogenauracher Schlosshof und versetzte die Besucher zurück in die "Goldenen Zwanziger".

Auch in diesem Jahr gastierte der "Fränkische Theatersommer - Landesbühne Oberfranken" an zwei Abenden in Herzogenaurach. Das Musical faszinierte scheinbar auch die Störche auf dem Schlossdach und sie klapperten erst in der Pause munter drauflos.

Gespielt wurde der Musical-Welterfolg "Cabaret" von John Kander und Fred Ebb. Die Nächte sind lang im Berlin der zu Ende gehenden "Goldenen Zwanziger", als Cliff Bradshaw (Johannes Leichtmann), ein junger erfolgloser Schriftsteller in die deutsche Hauptstadt reist, um in Berlin einen Roman zu schreiben. Er bezieht auf Vermittlung von Herrn Ludwig (Martin Rosenberg) Quartier in der Pension des ältlichen Fräulein Schneider (Melanie Day).

Dort knüpft er Kontakte und lernt unter anderem auch die englische Sängerin Sally Bowles (Stefanie Rüdell) kennen, die in einem Nachtclub als Star einer Varieté-Show auftritt. Kariere oder Familie, Sally kann sich nicht so richtig entscheiden, lebt in den Tag hinein und wechselt die Männer öfter als ihr enges Oberteil.



Kontakte

Über Ludwig lernt Cliff auch den angesagten Nachtclub "Cit-Cat-Club" kennen, der zum zentralen Schauplatz des Stücks wird. Dem internationalen Publikum entsprechend begrüßt auch der Conférencier (David Caravaggio) allabendlich seine Gäste mit "Willkommen! Bienvenue! Welcome!"

Trotz der Wirtschaftskrise und des aufkeimenden Nationalismus werden im "Cit-Cat-Club" rauschende Feste zelebriert, es wird getanzt und gefeiert. Der Champagner fließt in Strömen als gäbe es kein Morgen mehr. Der Berliner Club ist mit seinen hübschen und aufreizenden Tänzerinnen und seinen frechen bis frivolen Shows der Hit des Berliner Nachtlebens. In diese Halbwelt, in der schneller Sex mit den Tänzerinnen nach dem Auftritt für fünf Reichsmark zu haben ist, stolpert Cliff.


Lebenslust und Enttäuschung

"Life Is a Cabaret" singt dann auch die kapriziöse Sängerin Sally Bowles, in die sich Cliff verliebt, als Star der Varieté-Show. Die lebenslustige Sally träumt von einer großen Karriere, muss aber ihre Entlassung hinnehmen. Cliff nimmt sie in sein Pensionszimmer auf und beide werden ein Paar. Auch einem anderen Pensionsbesucher begegnet das Glück: Obsthändler Schulz wirbt erfolgreich um die etwas reifere und zurückhaltende Pensionsbesitzerin. Die beiden planen die Verlobung.

Doch die Atmosphäre Berlins verändert sich rasant unter den Stiefeltritten der neuen Machthaber, und der beginnende Nationalsozialismus hinterlässt nicht nur im politischen, sondern auch im privaten Bereich seine Spuren. Nachdem kurz nach der wunderschönen Verlobungsfeier bekannt wird, dass Schultz Jude ist, fordert der Nationalsozialist Ludwig Fräulein Schneider auf, die Verlobung mit Schultz zu lösen. Obwohl sie sich so gut mit dem Obsthändler verstand, trennt sie sich aus Angst vor Repressionen im Hinblick auf ihr Gewerbe als Pensionsbetreiberin.

Nach diesem Vorfall mit Herrn Ludwig will Cliff Deutschland verlassen und Sally mit nach Amerika nehmen, aber sie träumt weiter von einer großen Karriere als Nachtclub-Sängerin in Berlin und treibt sogar das gemeinsame Kind ab.

Das Musical "Cabaret" beinhaltet nicht nur eine Folge von eingängigen Revuenummern, sondern es ist auch gleichzeitig von einer tiefgründig melancholischen Stimmung geprägt, die den Epochenwechsel zu der schlimmen Zeit des Nationalsozialismus symbolisiert. Alle Schauspieler des Fränkischen Theatersommers überzeugten mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen, wobei besonders die vielen akrobatischen bis aufreizenden Tanzvorführungen der Show-Girls und die vorgetragenen Lieder von Sally, wie "Mein Herr", "Money Makes the World Go Round" oder "Maybe this Time" hervorzuheben sind.

So wurden auch viele Lieder von "Cabaret" zu Evergreens so "Willkommen, ...", "Two Ladies", "If You Could See Her Through My Eyes" sowie "Tomorrow Belongs to Me". Das begeisterte Publikum belohnte das gesamte Ensemble mit viel Beifall.

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