Herzogenaurach
Ehrenamt

Willi Mehler 40 Jahre Wetterbeobachter in Herzogenaurach

Seit dem 1. August 1978 misst der inzwischen 80-jährige Herzogenauracher die Niederschlagsmengen. Morgen bekommt er die Bundesverdienstmedaille.
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Am Mittwoch gab's leichten Schneeregen. Von 7 Uhr morgens bis zur Mittagsstunde kamen 0,3 Liter zusammen.
Am Mittwoch gab's leichten Schneeregen. Von 7 Uhr morgens bis zur Mittagsstunde kamen 0,3 Liter zusammen.
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So wie in diesen Tagen könnte es öfters regnen. Etwas länger und ruhiger, aber bitte kein Wolkenbruch nach der Dürre. Da hat der Regen die Chance, in den Boden zu dringen. Und für Wetterfrosch Willi Mehler "rentiert" sich der Gang zur Messstation in seinem Garten. Denn in diesen Tagen gibt es immer etwas abzulesen und einzutragen.

Das war in diesem Sommer nicht immer so, oder um es drastischer auszudrücken: An den weitaus meisten Tagen fand sich kein einziger Tropfen Nass im Messbecher. Da blieb nur die Fehlanzeige im Wetter-Tagebuch, und eine Null für den Zustand des Bodens. Will heißen: Staubtrocken! Eine ähnlich lange Dürre hat der Wetterbeobachter noch nicht erlebt.

Und das will was bedeuten, denn seit 40 Jahren ist Willi Mehler ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes. Seither misst er einmal am Tag exakt die Niederschlagsmenge und trägt sie akribisch in sein Büchlein ein. Die Übermittlung an die Regionale Wetternetzgruppe in München erfolgt inzwischen nicht mehr nur monatlich. Denn seit zwei Jahren benutzt er eine App auf seinem Tablet dafür. So ist der Wetterdienst täglich informiert.

Für diese ehrenamtliche Tätigkeit muss der 80-Jährige zeitig raus, was dem Frühaufsteher aber nicht allzu schwer fällt. Im Winter muss um 6.30 Uhr, im Sommer eine Stunde später gemessen werden. Und das jeden Tag, bei jedem Wetter, buchstäblich. Insgesamt sind da mehr als 14 700 Mal in all den Jahren zusammengekommen. Und Willi will weiter machen. Auch wenn er inzwischen schon bereit wäre, einen Nachfolger anzulernen.

Jetzt hat der bekannte Herzogenauracher, der viele Jahre für die SPD im Stadtrat saß, für seine lange ehrenamtliche Tätigkeit einen Dankesbrief von Bundesverkehrsminister Scheuer bekommen. Und vom Bundespräsidenten gibt es die Bundesverdienstmedaille. Die wird Mehler am Donnerstagvormittag im Rathaus überreicht.

Klimawandel

In so einer langen Zeit kommen manch außergewöhnliche Wetterereignisse zusammen. Es gab schon Trockenzeiten und Hochwasser, es gab Gewitterregen und Unwetter. Willi Mehler erinnert sich an manche Eintragung, doch eine Feststellung kann er auch ohne Überprüfung der Daten treffen. Die betrifft den viel beschriebenen Klimawandel. "Der spielt schon eine Rolle", formuliert Mehler vorsichtig. Und ist sich sicher: "Die Natur lässt sich nicht mehr alles gefallen."

Das Jahr 2018 hatte wenig Niederschlag. Seit Juni war der Sommer trocken, nur gelegentlich fand sich ein Eintrag ins Buch. Im August hat es an zwei Tagen etwas geregnet, einmal waren es 3,3 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Ein "normaler" Monat hat 20 bis 30 Liter.

Das freilich wird heute, und wurde es auch schon früher, von plötzlichem Starkregen übertrumpft. Das Tief "Fabienne" im September blieb da mit 20 Litern an einem Tag zwar noch relativ harmlos, aber am 11. Juni öffnete der Himmel seine Schleusen. Mehler erinnert sich gut: Nicht nur aus Eimern habe es geschüttet, es waren schon Badewannen. Das Ergebnis dieser halben Stunde: 42 Liter pro Quadratmeter.

Gegen das Rekordereignis seiner vier Jahrzehnte war das freilich nichts. Damals wurden, allerdings in gut einer Stunde, 99,7 Liter gemessen. Es war die Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1992. Dieses Unwetter forderte in Herzogenaurach damals drei Todesopfer.

Solche schnellen Katastrophen waren bislang aber die Ausnahme. Hochwasser gab es allerdings immer wieder mal. So wie zuletzt im März 2002. Da summierten sich die jeweils relativ niedrigen Tagesmengen, weil es unaufhörlich regnete. Die Aurach lief über, der Großparkplatz an der Schütt war überflutet.

Willi Mehler hat vor 40 Jahren an der alten Herzogenauracher Kläranlage mit den Aufzeichnungen begonnen. Es war der 1. August 1978. Sechs Jahre lang gab es diese Tätigkeit zu dieser Zeit bereits, sein Vorgänger war der ehemalige E-Werk-Meister Baptist Willert. 1980 baute Mehler ein Haus in der von-Weber-Straße und zog mit der Wetterstation dorthin um.

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