Lonnerstadt
Büttenreden

Wie lustig ist eigentlich Fasching?

An der Faschingszeit scheiden sich die Geister. "Spaß muss es machen", sagen zwei, die es wissen müssen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Verena Haberkamm besticht in der Bütt nicht nur durch ihr freches Mundwerk. Fotos: privat
Verena Haberkamm besticht in der Bütt nicht nur durch ihr freches Mundwerk. Fotos: privat
+1 Bild

Fasching, Fastnacht, Karneval - für die einen die schönste Jahreszeit, für die anderen verordnete Fröhlichkeit und aufgesetzter Humor. "Aufgesetzt ist es nur, wenn man das machen muss - aber wir wollen ja!" Das sagt Verena Haberkamm, 23 Jahre jung und Büttenrednerin. "Und wer nicht kommen will, muss ja nicht."

Verena ist trotz ihrer jungen Jahre schon ein alter Hase in der Bütt bei der Lonnerstadter Faschingsgaudi: Mit elf Jahren stand sie zum ersten Mal vor Publikum. "Damals hat mir meine Oma die Rede geschrieben und mich dazu motiviert, das überhaupt zu machen." Heute ist Oma Hilde immer noch erste Korrektur-Instanz. Denn es ist gar nicht so einfach, mit einer Rede - oder einem Zwiegespräch wie bei Verena mit ihrem Bütt-Partner Felix - Leute zum Lachen zu bringen. "Man muss das schon gut rüber bringen. Das geht nur, wenn man selbst Spaß daran hat. Alles andere merken die Leute."

Dienstältester Redenschreiber

Das sagt auch Hans-Jürgen Raber. Mit seinen 54 Jahren ist er heuer in seiner 19. Session dabei und damit der dienstälteste Redenschreiber beim TSV Lonnerstadt. "Man muss auch das ganze Jahr über offene Augen und Ohren haben, damit man die Themen findet."

So sammelt jeder fleißig Ortsgeschehen, Politik, lustige Begebenheiten, Witze und Anekdoten bis sich das TSV-Faschingsteam zusammen setzt und alles sichtet. "Wir sind drei bis vier Schreiber für das ganze Ensemble und wollen natürlich nicht, dass wir uns wiederholen", so Hans-Jürgen. Die heiße Phase beginnt etwa zwei Monate vor den Veranstaltungen. Dann glühen die Federn und es wird geprobt. "Bei mir macht es in der Regel einfach irgendwann ,klick' und ich schreibe alles in einem Fluss runter", erzählt der erfahrene Redenschreiber, der selbst gar nicht immer auf der Bühne in Erscheinung tritt. Das könne mitten in der Nacht sein, beim Essen oder unter der Dusche: "Ich lasse dann alles stehen und liegen und schreibe."

Oma Hilde als Korrektur-Instanz

Verena und Felix erarbeiten sich ihr Gespräch gemeinsam und lassen es dann von Oma Hilde oder auch von Hans-Jürgen gegenlesen. Meist geht es um altersspezifische Dinge. Also Ausbildung, Studium, Paarbeziehungen, Vereinsleben. Manchmal passiert auch etwas Unvorhergesehenes - wie Verenas Knie-OP im vergangenen Jahr - das dann als Aufhänger dient. "Und wenn noch etwas Aktuelles dazukommt, das mit rein muss, hängen wir es meistens einfach hinten dran."

Bei den Proben gibt es den Feinschliff durch die Kollegen: Betonungen, Gesten, Auftreten - das Gesamtpaket muss stimmig sein. "Lustig ist, was man selber lustig findet", sagt Verena. Jedem könne man es ohnehin nicht Recht machen. Wobei manchmal die Reaktionen des Publikums verunsichern können. "Es ist ein Unterschied für die Leute auf der Bühne, ob der Saal brüllt, oder ob sich die Leute eher ruhig amüsieren", erklärt Hans-Jürgen. Hinterher bekomme man in der Regel positives Feedback. Aber bei einem zurückhaltenden Publikum wisse man eben oft nicht, wie gut etwas wirklich ankommt. "Denn aufgeregt ist man immer - egal, wie oft man oben steht. Ich würde sogar sagen, dass es ein Zeichen wäre aufzuhören, wenn plötzlich die Nervosität fehlt", meint Hans-Jürgen. Denn durch die Anspannung sei man auch höchst konzentriert und voll da.

Bestätigung ist der Lohn

Der Lohn für all die Mühe und den Zeitaufwand ist die Bestätigung, die man erfährt: "Wenn es den Leuten gefällt, das Publikum mitgeht, ist das einfach super", so der 54-Jährige. Außerdem der Zusammenhalt der Truppe, die gute Integration im Ort. All das sind Pluspunkte, findet Verena. Wer Fasching an sich nicht mag, ist natürlich verkehrt. "Es wird niemand gezwungen mitzumachen - aber wenn man dabei sein will, dann zu 100 Prozent."

Und was ist mit dem Vorwurf des "gezwungenen Humors"? Den können Verena und Hans-Jürgen nicht verstehen. Es gehe um Unterhaltung, es müsse Spaß machen, auf der Bühne und unten. Verkleidung sei keine Pflicht, die Leute sollen sich wohl fühlen. "Wer einen lustigen Abend verbringen will, der ist richtig bei uns." Wer damit nichts anfangen kann, darf ruhig draußen bleiben.

Termine der Prunksitzung

Auf geht's zur 33. Original Loschedder Faschingsgaudi des TSV Lonnerstadt am Samstag, 23. Februar, Freitag, 1. März, Samstag, 2. März, und Montag, 4. März im Sonnensaal in Lonnerstadt. Beginn ist jeweils um 19.33 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro. Restkarten sind erhältlich jeden Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 18 Uhr im Gasthaus zur Sonne. Weitere Infos unter 09193/3491 (Gasthaus zur Sonne) oder 0176/617 713 67 (Frank Hasslauer).

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren