Höchstadt a. d. Aisch
Tiere

Wetter macht Bienen in Höchstadt zu schaffen

Wegen des langen Winters kommen die Bienenvölker auch in Höchstadt an die Grenzen ihres Nahrungsvorrates.
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Mit der Bienenpfeife beruhigt Imker Hannes Neumeier die Tiere, denn die sind - ob der dreisten Störung - etwas sauer. Fotos: Martin Kreklau
Mit der Bienenpfeife beruhigt Imker Hannes Neumeier die Tiere, denn die sind - ob der dreisten Störung - etwas sauer. Fotos: Martin Kreklau
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Derzeit hat Hannes Neumeier, Vorsitzender des Imkervereins Höchstadt, nur bedingt Freude, wenn er zu seinen Bienen fährt. Der lange Winter macht den Tieren zu schaffen und kann die Ursache dafür sein, dass ganze Völker sterben.

"Wenn die Wetterlage so bleibt, dann verzögert sich die gesamte Entwicklung", sagt Neumeier. Und das hat weitreichende Folgen: "Der Nachwuchs bleibt aus und es sind zu wenig Bienen für den Außendienst vorhanden, wenn im Frühjahr alles aufblüht. Die Bestäubungsleistung ist zu gering." Das kann unter anderem dazu führen, dass der Obstertrag geringer ausfällt.

Bei Bienen sind sogenannte Winterausfälle von bis zu zehn Prozent durchaus normal. Es kommt zum Beispiel vor, dass eine Königin stirbt - was das Ende ihres ganzen Volkes zur Folge hat - oder das die Tiere von der Varoa-Milbe befallen werden und deshalb eingehen.
Doch wenn im März oder April Bienenvölker sterben, dann meist, weil sie verhungern.

Ihre biologische Uhr sagt den Bienen ab Februar, dass es Zeit ist, zu brüten. "Sie fahren dann ihre Temperatur von 25 auf 35 Grad hoch und legen Brutflächen an", erklärt Neumeier. Diese liegen in der Mitte der Wabe und müssen im Inneren eine konstante Temperatur von 35 Grad haben. Die Wärme erzeugen die Tiere durch Muskelzittern.

Da es draußen immer noch kalt ist, ist der Nachschub an Nahrung unterbrochen - die Bienen können ihren Stock ja kaum verlassen. Für ihre Brut stellen die Tiere einen Brei aus Wasser, Pollen und Honig her. Der Nahrungsverbrauch steigt mit der Brut von etwa einem Kilo pro Monat auf bis zu drei Kilo - klar, dass die Vorräte im Frühjahr so schnell zur Neige gehen. "Ist die Nahrung aufgebraucht, dann stirbt ein Volk kollektiv innerhalb von einem Tag", sagt Neumeier.

Regelmäßig Futter nachlegen

Er selbst hat zwölf Völker eingewintert - davon leben alle noch. "Da ich im Ruhestand bin, habe ich genug Zeit, mich um meine Bienen zu kümmern. Andere haben diesen Luxus nicht, da ist es dann natürlich schwieriger", erklärt der Imker. Er muss jetzt regelmäßig Futter nachlegen, damit seine Tiere genug zu fressen bekommen. Dazu geht Neumeier ein wenig vor wie Robin Hood: Er nimmt Futterwaben von reicheren Bienenvölkern und gibt sie denen, deren Vorräte schon fast aufgebraucht sind.

Selbst können die Tiere bei diesen Temperaturen kaum für Nachschub sorgen: "Unter zehn Grad fliegen die Bienen eigentlich nicht aus." Zu groß ist die Gefahr, dass sie wegen der Kälte erstarren. Oft kommt es auch vor, dass sie bei der dringend notwendigen Wasserbeschaffung von einem Windstoß in ein Gewässer geweht werden und ertrinken. Wie hoch die Verluste in diesem Jahr durchschnittlich sein werden, könne man zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sagen, so Neumeier.

Manchmal verhungern auch Völker, deren Vorratskammern noch gefüllt sind. Das hat eine kuriose Ursache: "Bienen können keine Waben überwinden wenn es frostig ist. Der Weg ist zu weit, sie würden erstarren", erklärt Neumeier. Schon zehn Zentimeter würden die Tiere nicht schaffen. Ihnen fehle für das Zurücklegen der Strecke von der Biologie her die nötige Technik und das Know-How. "Deshalb erleiden einige dieses unglaubliche Schicksal", sagt Neumeier.

Wenn das Wetter endlich besser wird, dann steht für die Imker zunächst eine Bestandsaufnahme an. "Wir prüfen, wie viele Bienen den Winter überstanden haben." Doch so lange es noch kalt ist, geht das nicht: "Wenn es draußen unter zehn Grad hat, dann sollte man den Bienenstock nicht öffnen, denn sonst geht die mühsam erzeugte Wärme wieder verloren", erklärt Neumeier.

Trotz allem ist der Vorsitzende des Höchstadter Imkervereins zuversichtlich: "Wenn man die Völker gut versorgt hat, dann ist alles kein Problem. Lange Winter hat es schon viele gegeben." Die Entwicklung sei zwar verzögert, könne sich aber im Laufe des Frühjahrs wieder normalisieren.
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