Herzogenaurach
Irritation

Werbeplakate am Praktiker sind "nur ein Irrläufer"

Zwei Transparente am leer stehenden Praktikermarkt im Stadtnorden warfen Fragen auf. Ein Drogeriemarkt wäre an dem Standort aber nicht zulässig
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Die Werbung am Praktiker-Zaun muss wieder weg: Hier darf kein Drogeriemarkt entstehen.  Fotos: Bernhard Panzer
Die Werbung am Praktiker-Zaun muss wieder weg: Hier darf kein Drogeriemarkt entstehen. Fotos: Bernhard Panzer
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Für Verwirrung sorgen seit mehreren Tagen im Gewerbegebiet Nord zwei Plakate des dm-Drogeriemarkts. Der wirbt damit, dass hier ein neuer Drogeriemarkt entsteht. Und zwar auf dem Gelände des stillgelegten Praktiker-Baumarkts. Genau dort ist das aber doch gar nicht zulässig, erinnern sich kritische Betrachter. Oder doch?

Die Skeptiker haben Recht damit: Das dortige Sondergebiet ist für einen Bau- und Heimwerkermarkt reserviert. Und zwar ausschließlich. Eine andere Nutzung sei rechtlich nicht zulässig, sagte Susanne Strater vom Planungsamt der Stadt auf Anfrage des FT. Also auch kein Einzelhandel.

Der Praktikermarkt steht seit Jahren leer. Denn Ende November 2013 musste nach der Insolvenz des Unternehmens auch der Herzogenauracher Markt schließen. Seither hält sich der Wunsch in Herzogenaurach nach einem neuen Baumarkt. Doch die Eigentümer der Immobilie haben bislang noch keinen Nachfolger präsentiert.

Die Stadt ist bereit, den Besitzern entgegenzukommen, bestätigte Bürgermeister German Hacker. Man könne sich vorstellen, dass das Gebäude dort erweitert werden könnte. Oder ein größerer sprich höherer Neubau genehmigt würde, sagte er. Aber es müsse zwingend ein Markt mit solcher Nutzung sein. "Eine andere Fläche haben wir hierfür in der Stadt nicht", sagt Hacker. Ein Baumarkt müsste genau dort einziehen.

Jetzt aber wurde den Passanten plakativ eine ganz andere Nutzung präsentiert: "Hier entsteht ihr neuer dm-drogeriemarkt", heißt es auf zwei Transparenten an einer Baustellenabtrennung. Und: "Ihr dm-drogeriemarkt freut sich auf Sie". Was mag da dahinterstecken?

Diese Frage konnte Susanne Strater vom Planungsamt der Stadt zwar auch nicht beantworten. Aber sie stellte fest: "Die Plakate müssen definitiv weg." Offensichtlich sei die angebrachte Werbung nur ein Irrläufer.

Im umliegenden Gewerbegebiet, einem der ältesten der Stadt, wäre ein Drogeriemarkt erlaubt. Es befinden sich dort ja unter anderem auch Aldi, Lidl und Rewe. Bis zu 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, so erklärt Strater, wäre das generell zulässig. Freilich seien solche geringen Größen heutzutage eher nicht mehr interessant. Für den Rossmann-Markt in den Klingenwiesen waren zum Beispiel bis zu 660 Quadratmeter als erlaubt festgeschrieben. Auch für den Fall, dass die Fläche 300 Quadratmeter übersteigt, gibt es eine Regelung. Zulässig ist das für den Einzelhandel, wenn es sich um Zweigstellen von ansässigen Betrieben oder Auslagerungen handelt. Für andere Interessenten könnte im Einzelfall darüber hinaus ebenfalls eine Genehmigung erteilt werden.

Innenstadt-Relevanz

Die Innenstadt-Relevanz, wie sie beim jüngsten Gewerbegebiet an der Nordumgehung zum Tragen kommt, hatte in dem älteren Gebiet planungsrechtlich zwar noch keine Rolle gespielt. Allerdings dürfte eine große Konkurrenz für die Läden in der Innenstadt - in der Hauptstraße gibt es ja den Drogeriemarkt Müller - es politisch im Stadtrat schwer haben, sich durchzusetzen. Falls es ohnehin entsprechende freien Fläche gäbe.

Hinsichtlich der dm-Plakate jedenfalls scheint es keine derartigen Ideen gegeben zu haben. Susanne Strater und German Hacker sprechen von einem Irrläufer - nicht mehr und nicht weniger.

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