Herzogenaurach
Initiative

Wer Angehörige pflegt, soll sich in einer Gruppe treffen können

Für pflegende Angehörige soll eine Art Selbsthilfegruppe gegründet werden. Die Menschen sollen einen Ort finden, um ihre Erfahrungen auszutauschen.
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Friedrich Speth (links) und Hans Münck möchten eine Gruppe gründen, in der sich pflegende Angehörige austauschen können.  Foto: Bernhard Panzer
Friedrich Speth (links) und Hans Münck möchten eine Gruppe gründen, in der sich pflegende Angehörige austauschen können. Foto: Bernhard Panzer

Menschen, die zuhause ihre Angehörige pflegen, wissen: Viel Zeit für anderes oder gar Hobbys bleibt da nicht. "Selbst beim Einkaufen wird's schon schwierig", beschreibt Hans Münck diesen "24-Stunden-Job".

"Man ist zu 100 Prozent eingespannt", sagt Münck, der für das Herzogenauracher Seniorenbüro als Betreuer aktiv ist und viel Erfahrung vor allem mit an Demenz erkrankten Menschen hat. Friedrich Speth kann das bestätigen. Auch er sieht für die Pflegenden kaum mehr die zeitliche Möglichkeit, einen Kontakt nach außen zu knüpfen.

Speth war früher Leiter des Seniorenbüros und war für die Einrichtung zuletzt in der Gruppe "Gedächtnistraining" aktiv. Der 69-Jährige hat persönliche Erfahrungen in der eigenen Familie: Er pflegte seinen an Demenz erkrankten Schwiegervater.

Beide Betreuer haben sich jetzt entschlossen, aktiv zu werden. Vor allem auch, nachdem es bei Beratungen immer mehr Nachfragen gegeben hat, ob es denn eine Möglichkeit gibt, sich auszutauschen. Und wo man sich treffen kann, um über die gemeinsame Mammutaufgabe Pflege zu sprechen.

Genau das wollen Speth und Münck nun umsetzen. Geplant ist eine Art Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige. Eine Gruppe, die den gemeinsamen Gedankenaustausch ermöglicht und damit hilft, die Alltagsprobleme besser zu bewältigen. "Einfach reden, gibt mir Kraft", hat ein Mitglied einer solchen Angehörigengruppe in einer anderen Stadt gesagt. Denn solche Gruppen gibt es in Mittelfranken bereits mehrere, wie Hans Münck berichtet.

Er hat mit schon mit mehreren Stellen telefoniert, die das anbieten. Auch mit Rosi Schmitt von der Fachstelle für pflegende Angehörige im Landkreis. Auch sie unterstütze das Vorhaben, sagt der 79-Jährige. Denn "solche Gruppen sollte es in jedem Ort geben."

Die Selbsthilfegruppe könnte auch als Gesprächskreis gestaltet werden, oder als lockere Runde. Das "Wie" werde sich dann herausstellen, sagt Friedrich Speth. Wichtig ist jetzt erst einmal, dass sich Interessenten finden.

In der Gruppe soll die Voraussetzung geschaffen werden, "dass für Wünsche, Sorgen und Probleme der Angehörigen ein ruhiger, angemessener Zeitraum zur Verfügung steht", heißt es in der Beschreibung des Vorhabens. Sie soll der Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten der pflegebedürftigen Personen dienen. Und sie soll ein Ort werden, an dem Angehörige ihre Sorgen schildern können, andere Angehörige treffen und von deren Erfahrungen und Wissen profitieren können. Ein Ort, an dem man seine Sorgen mitteilt und teilt.

Erfahrungsaustausch

"Viele Probleme sind ähnlich gelagert und können durch Informationsaustausch besser bewältigt werden", wissen Speth und Münck. "Ich kann mich aussprechen und weiß, dass es Anderen ähnlich geht" - wie oft haben sie das gehört. "Der Austausch von Erfahrungen ist das Wichtigste", sagt Speth. Und voneinander zu lernen.

Dabei ist jeder kranke Mensch anders. "Sie reagieren ganz unterschiedlich", erzählt Münck. "Manche sind lieb, andere werden sogar bösartig". Vor allem bei an Demenz erkrankten Menschen verlangt die Pflege alles ab. Und das ohne Pause. "Mein Schwiegervater hat plötzlich wichtige Akten durch den Schredder gejagt", berichtet Friedrich Speth. "Die Menschen werden in der Krankheit unberechenbar", ergänzt Hans Münck. Viele behaupten auch, ihr Geld sei gestohlen worden. "Die Pflege von Demenzkranken ist eine der schwierigsten Aufgabe überhaupt", ist sich Münck deshalb sicher. Und wenn es sich um ein Familienmitglied handelt, dann wird die Aufgabe emotional noch einmal viel schwieriger.

Eventuell zwei Gruppen

Interessierte werden gebeten, sich im Seniorenbüro zu melden. Der Aufruf richtet sich dabei nicht ausschließlich an Angehörige von Demenzkranken, sondern an alle Pflegenden, auch wenn es sich um körperliche oder seelische Beeinträchtigungen handelt. Man könne bei entsprechender Nachfrage ja auch eine zweite Gruppe bilden, sagen die Initiatoren.

Gruppe für pflegende Angehörige

Anmeldungen Interessierte Personen werden gebeten, sich im Seniorenbüro unter der Rufnummer 09132 737169 zu melden. Öffnungszeiten sind dienstags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Hans Münck hat zusätzlich an beiden Tagen von 9 bis 11 Uhr Beratungsstunden.

Zielgruppe Alle pflegenden Angehörigen, die sich mit ihren Sorgen untereinander austauschen möchten, auch um voneinander und den Erfahrungen anderer Pflegenden zu lernen.

Stichworte Die Gruppe soll unter anderem folgende Hilfestellungen erfahren: Rauskommen aus der Isolation, Wiederherstellung von emotionaler Stabilität, Erwerb von Handlungskompetenz, Erkennen und Akzeptieren der eigenen Grenzen, Hilfen und Unterstützung annehmen lernen.

Nebeneffekt Die Angehörigen können sich eine Atempause vom Pflegealltag gönnen.

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