Teichwirtschaft

Wenn die Idylle der Teichlandschaft trügt

Sogar Spaziergängern ist es am Wochenende aufgefallen: In einem Karpfenweiher in Weingartsgreuth waren Fische verendet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Aischgrund von oben lässt die Konflikte an den Weihern zunächst nicht vermuten. Ronald Rinklef
Der Aischgrund von oben lässt die Konflikte an den Weihern zunächst nicht vermuten. Ronald Rinklef
Mit einem blauen Auge sei er diesmal davon gekommen, sagt Teichwirt Walter Jakob. "Aber so was kann auch zu einem Totalausfall führen - mit einem Schaden von 4000 bis 5000 Euro pro Hektar, je nach Größe und Besatz."

Der Fischzüchter aus Mühlhausen meint das Umkippen eines Weihers und das damit einhergehende Fischsterben. Zig Fische musste er am vergangenen Wochenende tot aus einem seiner Weiher bei Weingartsgreuth holen. Auf dem Schaden bleibt er sitzen.
Mitschuldig an dieser Misere sieht er die Landwirtschaft, wobei er betont, nicht alle Landwirte über einen Kamm scheren zu wollen. "Es gibt viele, die ordnungsgemäß arbeiten und sogar mehr zum Schutz der Weiher tun, als vorgeschrieben." Zum Beispiel seien ihm heuer schon viele Blühstreifen neben den Gewässern aufgefallen. "Es gibt aber eben auch die, die nicht so sauber ans Werk gehen." Und dann könne es passieren, dass Düngemittel - Phosphat, Nitrat, Stickstoff - ins Wasser gelangen oder zu viel Erde eingeschwemmt wird.


Was zu viel ist, ist zu viel

Neben Schadtieren - wie Otter und Kormoran - sind Sediment- und Nährstoffeinträge das größte Problem der Teichwirtschaft, bestätigt Martin Oberle, selbst Teichwirt im Aischgrund und Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft des Landwirtschaftsministeriums. "Teiche brauchen Nährstoffe. Wenn nötig düngen Teichwirte sogar aktiv", erklärt der Fachmann. Es soll sich Naturnahrung für die Fische bilden, damit wenig zugefüttert werden muss. "Das ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale: Weltweit muss in der Fischzucht Fischmehl zugefüttert werden. Bei uns nicht."

Aber: Was zu viel ist, ist zu viel. Und das, was über das Oberflächenwasser eingeschwemmt wird, kann der Teichwirt nicht steuern. Zu viele Nährstoffe bedeuten ein vermehrtes Pflanzenwachstum, dadurch schwinde Lebensraum und steige der pH-Wert des Wassers. "Und dann leiden die Fische." Sterben die Pflanzen ab, bindet ihre Zersetzung zusätzlich Sauerstoff. Die Folge: Die Fische ersticken.

Auch Gülle kann ein großes Problem sein, wenn sie zu nah am Weiher ausgebracht wird - oder ein Starkregen, der kurz nach der Düngung niedergeht. "Wenn da zu viel bei uns ankommt, ist das eine Katastrophe", so Oberle.

Walter Jakob hat gerade in Weingartsgreuth immer wieder Probleme: Mit Gülle, mit Drainagen, mit Überdüngung. "Klar, wenn ein Unwetter viel reinschwemmt, kann der Landwirt auch nichts dafür. Aber oft passiert das schleichend, über's Jahr hinweg." Wenn man die Algenblüte dann zu spät erkennt, kippt der Weiher. "Mit Belüftungstechnik kann man gegensteuern, wenn man rechtzeitig dran ist. Aber die Ursache liegt woanders." Derzeit sein einziger Ausweg: Das Oberflächenwasser am Weiher vorbeizuführen, obwohl er das Wasser dringend bräuchte. "Hier gibt es nur die Wahl zwischen schlecht und sehr schlecht."


Umkippen hat mehrere Ursachen

Ganz so will das Robert Ort, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, nicht stehen lassen. "Ich habe selber Teiche und man kann den Sedimenteintrag nicht auf null stellen."
Auch das Umkippen eines Gewässers habe immer mehrere Ursachen: Gerade die derzeit sehr hohen Temperaturen über Monate hinweg würden das begünstigen. "Wir haben insgesamt zu wenig Niederschlag - nur stellenweise zu viel auf einmal." Die Fische würden in dem warmen Wasser "wachsen wie die Pfifferlinge", was ebenfalls zu Sauerstoffmangel führe.


Düngen kostet Geld

Zum Thema Überdüngung meint Ort, dass "es immer einzelne geben wird, die aus Unwissenheit handeln oder unbelehrbar sind". Eigentlich sei es jedoch nie im Sinne des Landwirts, zu viel Düngemittel auszubringen: "Das kostet schlicht und einfach Geld."
Dasselbe sagt er über die Sedimentabschwemmung: Jeder vernünftige Landwirt tue alles dafür, seine hart erarbeitete Humusschicht auf seinen Feldern zu halten. "Man will die Nährstoffe darin ja für seine Pflanzen!"

Außerdem müssten Landwirte, je nach Düngung, Hangneigung und so weiter, gewisse Abstandsflächen zu Gewässern einhalten. "Wer dort dann noch einen Blühstreifen anpflanzt, hat einen guten Puffer und zusätzlich eine förderwürdige Maßnahme umgesetzt." Mit speziellem Dünger, Hightech-Bearbeitung, Blühstreifen und vielem mehr können Landwirte also einiges tun, um nicht mit Teichwirten in Konflikt zu geraten - und dabei selbst profitieren.
Auch Oberle sieht das Bemühen der Landwirtschaft auf einem guten Weg, "der jetzt aber auch weitergegangen werden muss".


Fachbehörden einschalten

Wenn es jedoch immer wieder Probleme mit einem bestimmten Nachbarn gibt, rät Ort zunächst zum persönlichen Gespräch. "Denn der benachbarte Teichwirt hat das Nachsehen", weiß auch der BBV-Mann. Notfalls müsse man sich an die Fachbehörden wenden: Im Landwirtschaftsamt gibt es Wasser- und Anbauberater, mit denen gemeinsam man Lösungen finden könne.

Da sieht Jakob für den Weiher in Weingartsgreuth jedoch schwarz: Einem speziellen Landwirt kann er die Verunreinigungen nicht zuordnen. "Und ohne Nachweis sind mir die Hände gebunden." Aber die Hoffnung auf eine künftig bessere Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft gibt er nicht auf. "Es gibt schließlich auch viele Vernünftige."


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren