Uehlfeld
Prüfung

Wenn der Grabstein wackelt

Fällt ein zentnerschwerer Grabstein um, kann das böse ausgehen. Darum müssen die Male auf ihre Standfestigkeit überprüft werden. So wie in Uehlfeld.
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Dieser Stein wurde schon im zweiten Jahr beanstandet — nun muss die Friedhofsverwaltung selbst tätig werden.  Fotos: Karina Brock
Dieser Stein wurde schon im zweiten Jahr beanstandet — nun muss die Friedhofsverwaltung selbst tätig werden. Fotos: Karina Brock
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Daniela Seren ist gespannt: "Zum ersten Mal lassen wir unseren Friedhof heuer sozusagen maschinell überprüfen. Mal schauen, was rauskommt." Bisher wurde die jährliche Grabsteinprüfung manuell ausgeführt. "Wir haben halt dagegen gedrückt", so die Dame aus dem Uehlfelder Kirchenvorstand. Da aber aus der Bevölkerung immer wieder Vorhaltungen gekommen seien, man habe die Steine dadurch erst locker gemacht, sollte diesmal ein Fachmann ran. "Wir wollen unserer Pflicht sachgerecht genüge tun", so Seren.
Torsten Köster ist von Haus aus Maurermeister und kam vor rund 20 Jahren per Zufall in diese Branche. "Als ich das erste Mal von solchen Grabprüfungen gehört habe, habe ich gelacht." Aber das Interesse war geweckt. Heute führt er ein "Sachkundigenbüro für die Prüfung von Grabanlagen".


Exakt 500 Newton

Köster geht von Stein zu Stein und drückt mit einem Kraftaufwand von exakt 500 Newton dagegen. "Von der Statik her muss ein solcher Stein eigentlich sogar 750 Newton aushalten." Ein von ihm speziell dafür entwickeltes Gerät sagt ihm, wann der Wert erreicht ist. "Der Kraftaufbau darf nämlich nicht weniger als zwei Sekunden dauern", erläutert der Fachmann. Also mal eben kurz dagegen treten ist nicht angesagt. Genauso wenig wie die Rüttelprobe. "Die ist schon lange verboten, weil sie den Stein beschädigen kann." Ein Tonsignal kündigt an, ob der Stein lose ist. Wenn ja, werden sämtliche Daten - Größe, Grabnummer, Lage - ermittelt gespeichert und der Stein mit einem Warn-Aufkleber versehen.
Diese Dokumentation geht dann an die Kirchengemeinde, die wiederum die Eigentümer verständigen muss. Eine Frist von vier Wochen muss genügen, um den Mangel zu beseitigen. "Das hat bisher auch immer geklappt", so Seren.
Fast immer. Denn Köster findet einen Stein, an dem noch der gelbe "Vorsicht Unfallgefahr"-Aufkleber aus dem letzten Jahr prangt - und klebt einen grünen mit der erneuten Beanstandung daneben. "Ja, da finden wir keinen Verantwortlichen mehr. Die Pfarrsekretärin hat alles probiert", erklärt Seren. "Das wird dann wohl an uns hängen bleiben."
Genauso ist es, bestätigt der Fachmann. Bei der ersten Beanstandung geht die Haftung an den Nutzungsberechtigten - wie der Grabeigentümer im Fachjargon heißt. "Ist der nicht auffindbar oder selbst verstorben, geht die Haftung im zweiten Jahr an die Friedhofsverwaltung über." Diese Regelung komme aus der Verkehrssicherheitspflicht: Der Betreiber des Friedhofs lässt auf seinem Grund öffentlichen Verkehr zu und muss daher dort auch für die Sicherheit sorgen.


Fünf Jahre Garantie

Es sind nicht unbedingt immer die ältesten Steine, die wackeln. Querbeet klebt Köster die Hinweise an Male aus dem Jahr 1945 bis 2014. "Na, da ist ja sogar noch Garantie drauf", meint er bei der Datenaufnahme des "jüngsten Wacklers". "Steinmetzarbeiten haben immer fünf Jahre Garantie."
Im Großen und Ganzen gibt es in Uehlfeld aber nicht viel zu bemängeln. "Das zeugt von einer guten Arbeit der Steinmetze und zeigt, dass es früher schon regelmäßig Überprüfungen gab - wenn auch per Hand", lobt der Sachkundige. Das sei durchaus nicht überall so. Und es sei angenehm, dass man an sämtliche Grabsteine von hinten rankomme. "Wir wollen natürlich nicht auf den Gräbern rumtrampeln - aber manchmal geht es nicht anders."
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