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Weisendorf: Gemeinderäte diskutieren über Badweiher-Gestaltung

Die Neugestaltung des Weisendorfer Badweihers war zum wiederholten Mal Thema im Gemeinderat. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, was zu tun ist.
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Der Badweiher liegt mitten in Weisendorf und soll neu gestaltet werden. Foto: Richard Sänger
Der Badweiher liegt mitten in Weisendorf und soll neu gestaltet werden. Foto: Richard Sänger
Der Badweiher in Weisendorf hat nicht nur eine wichtige Bedeutung für die Regionalplanung, sondern auch für das Orts- und Landschaftsbild sowie für die Wasserwirtschaft und für den Natur- und Umweltschutz. Im Zuge der Ortskernsanierung soll der Badweiher neu gestaltet werden, aber die Gemeinderäte können sich nicht auf ein Konzept einigen.

"Der Badweiher soll Fischweiher, aber trotzdem noch naturnah bleiben", erklärte Bürgermeister Heinrich Süß (UWG), als es am Montagabend im Gemeinderat erneut um die Neugestaltung ging. Deren Ziel sei ist es, den Weiher besser zu erschließen und zumindest in Teilbereichen für die Bürger nutzbar zu machen. Der Badweiher soll weiterhin für die Teichwirtschaft genutzt werden können, aber auch den zugewanderten und teils seltenen Tier-, Vogel- und Pflanzenarten eine Heimat bieten.

Keine leichte Aufgabe für die Gemeinde und die ins Boot geholten Planer. Im November des vergangenen Jahres stellte das Planungsbüro Topos-Team aus Nürnberg bereits eine Planung zur Neugestaltung vor, und die Gemeinderäte brachten eine Reihe von Anregungen ein. In jedem Fall müssen die Insel neu gefasst und der schmale Gehweg entlang der Staatsstraße erneuert und verbreitert werden. Auch eine Entlandung ist erforderlich, und die ausgespülten Ufer im Süden und Norden benötigen eine Befestigung. Bei allen Maßnahmen müssen aber auch die Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden.


Buchten als Rückzugsgebiet

Georg Schreiber vom Büro Valentin Maier Bauingenieure und Landschaftsarchitektin Kathrin Nißlein stellten dem Gremium in der Sitzung eine Planskizze und ihre Ideen vor. Wie schon im November gab es wieder eine über einstündige Diskussion um Gestaltung und Nutzung des Weihers.

"Der Badweiher hat eine große ökologische Bedeutung, kann aber trotzdem erlebbar gestaltet werden, ohne zu sehr in den Naturraum einzugreifen", schickte Nißlein den Vorschlägen der Planer voraus. Die Landschaftsarchitektin kann sich vorstellen, an geeigneten Stellen im Uferbereich auch Buchten als Rückzugsgebiet für Tiere und Laichplätze anzulegen. Ebenso sollen im Norden die Verlandung und das Flachwasser sowie ein Großteil des Schilfgürtels für die zahlreichen Wasservögel erhalten bleiben.


Eine Beobachtungsplattform

Auch der Vorschlag, einen Steg in den Weiher zu bauen, der am Ende eine Plattform zur Beobachtung der Wasservögel erhält, stieß auf keinen Widerspruch. Gegen die von den Planern vorgeschlagenen Fontänen sprach sich Stefan Süß aus: "Es braucht keine technischen Spielereien, wir müssen den Spagat schaffen zwischen Natur und Nutzung", so die Forderung des CSU-Marktgemeinderates. Einem Wasserspiel zeigte sich Bürgermeister und Weiherbesitzer Heinrich Süß nicht abgeneigt, denn bei einem Sauerstoffeintrag hätten in den letzten Tagen viele Karpfen überlebt.

Die Vertreter von Bündnis '90/Die Grünen sprachen sich gegen einen Weg auf der Südseite aus, denn gerade dort sind Wiesenbrüter beheimatet und würden dann durch Spaziergänger, Jogger und Hunde vertrieben. Die Landschaftsplanerin erklärte, dass keine Straße geplant sei, sondern ein "wenig einladender" Wirtschaftsweg, denn das Ufer und die westliche Seite müssten für den Pächter und zu Pflegearbeiten mit Fahrzeugen erreichbar sein. Allerdings sollte mit dem Pächter über die Nutzungszeiten gesprochen werden, denn während der Brutzeiten sollte der Weg tabu bleiben.

Gegen ein "Reservat" mitten in Weisendorf sprach sich Karl-Heinz Hertlein (CSU) aus, denn der Weiher sollte auch für die Bürger da sein und bewirtschaftet werden können. Für den CSU-Gemeinderat Hans Kreiner dauert die Diskussion schon viel zu lange. "Wir diskutieren seit 2016, da sollte der Weiher schon ausgebaggert werden, aber passiert ist seitdem nichts mehr", schimpfte Kreiner.


BN will Schilfgürtel schützen

Dem Marktgemeinderat lag auch ein Schreiben von der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) vor, in dem Vorsitzender Christian Wosegien beklagt, dass der Schilfgürtel durch die Intensivierung der Teichwirtschaft erheblich reduziert wurde. "Um so wertvoller ist jeder einzelne Halm am Badweiher, denn eintönige Wasserflächen sind keine Basis für die Artenvielfalt", schreibt der Vorsitzende. So seien unterschiedliche Strukturen erforderlich, die den Anforderungen der verschiedenen Spezies genügen.

Außerdem wünscht sich der BN ein "vorsichtiges" Ausbaggern und an der Süd-, West- und Nordseite ein sehr flach abfallendes Ufer. Wosegien weist wegen der Forderung nach einem Naturerlebnis und Erholungswert auch darauf hin, dass der Mensch in Deutschland bereits weit über 90 Prozent der Landfläche beanspruche. Die Bevölkerung habe genügend Möglichkeiten, die Natur zu erleben und für die Erholung zu nutzen.

Deswegen brauche es auch keinen Weg am Südufer, und Flussbausteine zur Uferbefestigung würden die Teiche zu unnatürlichen Karpfenbadewannen machen, die im Aisch- und Seebachgrund tausendfach vorkommen. "Hoffentlich bleibt dem Weisendorfer Badweiher dieses Schicksal erspart", meint Wosegien.

Nach der ausführlichen Diskussion verzichtete der Bürgermeister auf einem Beschluss zur Vergabe der Planungs- und Ingenieurleistungen. Die Planer werden die Vorschläge einarbeiten und bei der nächsten Sitzung wieder vorlegen.
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