Herzogenaurach

Weil es um die Zukunft geht

Nach der Gründung von Schaeffler in Herzogenaurach begannen bei der noch jungen Industrie GmbH 1947 die ersten Lehrlinge.
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Die Lehrwerkstatt bei Schaeffler in Herzogenaurach um 1960 Foto: privat
Die Lehrwerkstatt bei Schaeffler in Herzogenaurach um 1960 Foto: privat
Die beste Möglichkeit, qualifizierte Fachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen, ist die eigene betriebliche Ausbildung. Das erkannten bereits 1947 die Firmengründer Georg und Wilhelm Schaeffler und begannen, in ihrem jungen Unternehmen die ersten Lehrlinge auszubilden.

Das geschah zu Anfang noch unter sehr improvisierten Bedingungen. Ganze sieben Maschinen standen in der etwa 60 Quadratmeter großen "Lehrecke". Von den acht Lehrlingen, die um die Jahreswende 1949/1950 in Herzogenaurach die ersten Nadelkäfige fertigten, waren bis Mitte der 1990er Jahre noch vier im Unternehmen tätig.

1960 konnten die Lehrlinge in die neu eingerichtete Lehrwerkstatt umziehen, das "Herzstück" der Ausbildung bei Schaeffler in Herzogenaurach. Diese war mit der damals neuesten Technik ausgestattet - vom Schraubstock über eine eigene Werkzeugausgabe bis zur hochwertigsten Universal-Fräsmaschine.


Modernste Lehrwerkstatt

Die Lehrwerkstatt bot Raum für 100 gewerbliche Lehrlinge, die einen Metallberuf wie Mechaniker oder Werkzeugmacher erlernten. Auch Büro- und Industriekaufleute wurden in den 1960er Jahren schon ausgebildet. 1995 zog die Lehrwerkstatt in technisch hochmodern ausgestattete und noch großzügigere Räumlichkeiten auf rund 5000 Quadratmetern.

Heute ist das Ausbildungszentrum mit inzwischen 450 Ausbildungsplätzen für gewerblich-technische und kaufmännische Berufe sowie diverse Studiengänge der größte Ausbildungsstandort in der Schaeffler Gruppe und gehört zu den größten in Nordbayern.

Verantwortlich für die Ausbildung am Standort Herzogenaurach ist seit 2016 Simone Christine Baumann. Sie folgte auf Bernhard Schwab, der auf eine 50-jährige Firmenzugehörigkeit bei Schaeffler zurückblicken kann und nun im Vorruhestand ist. Er hat die Ausbildung in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt.

"Den Lehrlingen schenken wir unsere größte Aufmerksamkeit, denn sie sind der junge Stamm, der unter unserer Obhut nachwächst und dem Werk von morgen Gesicht und Inhalt verleihen wird", war in der Mitarbeiterzeitung von 1961 anlässlich des 15-jährigen Bestehens von Schaeffler zu lesen. Dies gilt auch heute noch.

Heute ist die Welt digital und vernetzt - auch die Arbeitswelt. Die digitale Transformation von Produkten und Dienstleistungen wird die aktuellen Berufsbilder verändern. "Besonders fachübergreifende Kompetenzen wie die Fähigkeit, sich zu vernetzen, interdisziplinär zusammenzuarbeiten oder offen für Veränderung zu sein werden auf allen Qualifizierungsebenen verstärkt gefordert sein", sagt Paul Seren, verantwortlich für die Ausbildung in Deutschland.

Ein aktuelles Projekt, an dem Auszubildende deutschlandweit arbeiten, ist der selbstständige Aufbau eines 3D-Druckers. Dabei sollen die Azubis neue Technologien kennenlernen sowie berufs- und standortübergreifend zusammenarbeiten.

Um diesen sich verändernden Anforderungen in der Ausbildungspraxis gerecht zu werden, hat Schaeffler das Projekt "Ausbildung der Zukunft" ins Leben gerufen. Die Ausbilder qualifizieren sich in modernen Lehrmethoden weiter. Darüber hinaus werden zukunftsorientierte Ausbildungsmittel eingeführt, wie beispielsweise das virtuelle Schweißgerät. Derzeit sind bei Schaeffler in Deutschland 70 und in Herzogenaurach 20 Ausbilder tätig.


Berufsbilder ändern sich

In den Anfangsjahren bildete Schaeffler zunächst nur in Metallberufen aus. Schnell kamen weitere Berufsbilder hinzu, wie die Ausbildung zum Werkstoffprüfer oder zum Chemielaborant. Eine der größten Veränderungen hat sicherlich der Beruf zum Technischen Zeichner beziehungsweise Technischen Produktdesigner gebracht, wie der Beruf heute heißt: Arbeitete er einst am Zeichenbrett, so steht heute der Computer im Mittelpunkt. Der Produktdesigner erstellt 3D-CAD-Modelle und berücksichtigt dabei die Grundlagen der Steuerungs- und Elektrotechnik.


Ausbildung in Zahlen

Deutschland
Heute erlernen 1500 Jugendliche an 21 Standorten einen der 20 gewerblich-technischen oder kaufmännischen Berufe oder absolvieren ein duales Studium.

Welt
Weltweit durchlaufen circa 3000 junge Menschen an 36 Standorten in 15 Ländern ihre Ausbildung bei Schaeffler.

Vergütung
Im Jahr 1955 betrug die Lehrlingsbeihilfe, wie die Ausbildungsvergütung damals hieß, im ersten Lehrjahr 57,50 Deutsche Mark. Im Jahr 1966 waren es bereits 107,06 Deutsche Mark. Heute verdient ein Azubi bei Schaeffler im ersten Lehrjahr je nach Bundesland rund 1000 Euro.

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