Torsten Dürrbeck steht im Wasserwerk Höchstadt und kommt nicht mehr aus dem Kopfschütteln raus: "Die Qualität des Wassers wird mit Sicherheit sinken und sei es nur, weil das Wasser stark gechlort wird." Das ist das Szenario, das Dürrbeck kommen sieht, sollten private Unternehmen die Wasserversorgung der Kommunen übernehmen.

Der Wassermeister steht im Büro und schüttelt den Kopf, weil er die Entscheidungen der Europäischen Union nicht verstehen kann. Die will den Markt der Wasserversorgung liberalisieren. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, die gerade eine entsprechende Richtlinie auf den Weg bringt, könnten Kommunen bald das Problem haben, dass sie die Konzession für Wasser öffentlich ausschreiben müssen - das bedeutet: Nach dem Vergaberecht müssten sie dann den wirtschaftlichsten Anbieter wählen.


Sorge um die Qualität

Was dann folgen könnte, ahnt Torsten Dürrbeck nur: "Privatwirtschaftliche Unternehmen sind gewinnorientiert." Er sieht kommen, dass die Rohrnetze verwahrlosen - das "Herz der Versorgung" wie er es nennt. "Wenn man nicht investiert und ständig kontrolliert, hat man hohe Wasserverluste." Momentan verliert die Höchstadter Wasserversorgung fünf Prozent im Mittel. Das sei minimal, weil man eben ständig die Rohre prüfe. Dürrbeck und auch Betriebsleiter Christof Himpel, der mit im Büro steht, betonen, dass es ihnen in erster Linie gar nicht um ihren Job geht. Vielmehr machen sie sich Sorgen um die Wasserversorgung an sich.

Genau wie ihre Kollegen im Landkreis. Am Mittwoch haben sich die Trinkwasserversorger bei der Tagung der Wasserwerksnachbarschaft bei den Stadtwerken in Erlangen getroffen. Dürrbeck, der die Nachbarschaft leitet, hat das Treffen der Wasserfachleute aus Erlangen-Höchstadt und Fürth organisiert. Die Tagung findet regelmäßig statt.

Diesmal jedoch war die Aufregung groß. "Das ist eine Sauerei", schimpft Wolfgang Geus, Vorstandsvorsitzender der Erlanger Stadtwerke. Wasser aus dem Hahn sei billiger als jedes Wasser aus der Flasche, das müsse sich jeder klar machen. Für die Qualität stünden die kommunalen Versorger ebenso wie für den günstigen Preis. Das sei durch die leichtfertigen Forderungen der EU bedroht.

Öffentlichkeit mobilisieren

"Die kommunale Daseinsvorsorge der Trinkwasserversorgung gehört in kommunale Hand", fordert deshalb auch Landrat Eberhard Irlinger (SPD) auf der Tagung. Und der Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) stößt ins selbe Horn - keine Privatisierung!

Man müsse jetzt handeln und die Öffentlichkeit mobilisieren, schwört Geus, der Chef der Stadtwerke Erlangen, die Fachleute auf der Tagung ein. Die sind froh, eine Handlungsanweisung zu bekommen.

"Die Lage ist angespannt, man weiß nicht, in welche Richtung es geht", sagt Torsten Dürrbeck am Tag danach im Höchstadter Wasserwerk. Das weiß wohl wirklich keiner momentan. "Die Wasserqualität ist einfach gut in Deutschland", sagt der Wassermeister.

Auf einem Plakat im Werk steht, dass 1000 Liter Trinkwasser in Höchstadt 1,04 Euro kosten. Ein Euro für 1000 Liter! Dürrbeck grübelt: Warum nur will die EU etwas ändern, was funktioniert? Er hält sich an die Worte von Wolfgang Geus und will weiter kämpfen. Dürrbeck fordert deshalb die Bürger auf, sich zu informieren - und sich in die Liste im Internet auf www.right2water.eu einzutragen. Denn: "Wasser muss öffentlich bleiben!"

Höchstadter Wasser

Die Höchstadter Wasserversorgung ist zuständig für rund 18 000 Einwohner. Sie versorgt neben Höchstadt und seinen Stadtteilen auch die Gemeinden Gremsdorf und Wachenroth, die Raststätte Steigerwald-Nord und -Süd sowie Ortsteile des Marktes Weisendorf. Der Preis pro 1000 Liter Wasser liegt in Höchstadt bei 1,04 Euro. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt am Tag in etwa bei 120 Liter. Der Jahresverbrauch liegt bei etwa 1 Million Kubikmeter Wasser.