Herzogenaurach
Tierwelt

Warmer Winter verwirrt Bienen

Imker Klaus Becker sorgt sich. Offenbar haben sich die Bienen von den milden Temperaturen zu mehr Futteraufnahme verleiten lassen.
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Klaus Becker an einem Bienenstock. In diesem Winter hat die Nachschau negative Überraaschungen gebracht.  Foto: Archiv
Klaus Becker an einem Bienenstock. In diesem Winter hat die Nachschau negative Überraaschungen gebracht. Foto: Archiv
Imker Klaus Becker ist besorgt. Der warme Winter hat den Bienen offenbar alles andere als gut getan. Offensichtlich fühlten seine Tiere anders als sonst, sie blieben aktiv und zogen sich nicht in eine Traube zurück. Das aber hatte wohl die Folge, dass das Winterfutter nicht ausreichte. Für Becker eine ernst zu nehmende Situation, wie er in einem Schreiben an die Imker rund um Herzogenaurach mitteilt.

Der Herzogenauracher bittet daher seine Kollegen und gleichsam Mitglieder im Imkerverein Herzogenaurach und Umgebung, die Jahreshauptversammlung am kommenden Sonntag nicht zu verpassen. Da will er nähere Informationen bekanntgeben.

In einem Schreiben bittet er "das liebe Imkervolk", unbedingt die Bienenvölker zu prüfen und für ausreichend Futter zu sorgen.
Man müsse sich kümmern, dass die Bienen im Frühjahr noch da sind und für eine ausreichende Blütenbestäubung sorgen können.

Seit 1978, so schreibt der Herzogenauracher, habe er seine Bienenvölker jeweils bis Mitte September mit neun bis zehn Kilogramm Zucker, aufgelöst in kaltem Wasser, pro Bienenvolk eingefüttert. Becker: "Die Bienen hatten dann ausreichend Futter und konnten damit bis Ende April ihren Wintersitz auch bei größer Kälte heizen, ohne dass ich als Imker dabei eingreifen musste". Meist blieb ein kleiner verdeckelter Futtervorrat übrig, wobei er dann je nach Witterung etwa Anfang Mai die Verdeckelung öffnete, zum Beispiel mit einer Gabel. Damit hätten die Bienen den Rest an Winterfutter zur Aufzucht der Bienenbrut verbrauchen können, während frischer Nektar und Pollen aus der Natur eingetragen wurden.

Was alles nach einem perfekten Plan aussieht, galt jetzt aber offenbar nicht mehr. Denn: "In diesem Winter ist alles anders!", betont Klaus Becker in dem Schreiben. Am Mittwoch habe er die Bienenbeuten im Zeidlerhaus geöffnet und sich die Bienenvölker von oben angeschaut. "Wir zogen dabei ein bis zwei Bienenwaben nahe dem Wintersitz der Bienenvölker, um zu prüfen, ob ausreichend Futter vorhanden ist", ergänzt er. Und dann: "So etwas hatte ich noch nie erlebt! Zirka 60 Prozent meiner Bienenvölker hatten kaum noch Futter!" Um entgegenzuwirken, habe er ihnen deshalb eine Mischung aus aufgewärmtem Abschöpfhonig und Zucker als Futter gegeben. Als Tipp an die Imker fügt er an, dass das auch mit gekauftem Futterteig möglich wäre.

Becker vermutet nun, dass die Bienenvölker wegen der milden Witterung zum Teil auch im Winter viel Brut pflegten, was bei starker Kälte sonst nicht gemacht wird. Außerdem hätten sie wohl keinen Grund gefühlt, sich wie sonst ganz eng zur Wintertraube zusammenzuziehen, um wenig Energie zu Heizen zu verbrauchen. "Dadurch", so berichtet der Vorsitzende des Imkervereins, "wurde wesentlich mehr Winterfutter als sonst üblich verbraucht". Das aber könne bis zum Ausfall der Bienenvölker führen, mit der Folge, dass sie wegen Futtermangel verhungern.
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