Herzogenaurach
Bandendiebstahl

VW-Knacker in Erlangen-Höchstadt auf Tour

Im ganzen Landkreis Erlangen-Höchstadt verschwinden VW- Busse. Das war letztes Jahr im Winter so und heuer sind schon wieder neun Stück weg. Die Polizei vermutet osteuropäische Banden als Täter.
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Auf dem Wunschzettel der Diebesbanden im Landkreis Erlangen-Höchstadt stehen ganz oben VW-Busse. Seit September sind schon neun Stück geklaut worden. Die Polizei hofft auf Zeugenhinweise unter Tel. 110. Foto: Manuela Cranz
Auf dem Wunschzettel der Diebesbanden im Landkreis Erlangen-Höchstadt stehen ganz oben VW-Busse. Seit September sind schon neun Stück geklaut worden. Die Polizei hofft auf Zeugenhinweise unter Tel. 110. Foto: Manuela Cranz
VW-Busse verschwinden nicht so leicht wie der Nightbus bei Zauberlehrling Harry Potter. Ein leichtes Wackeln mit dem Zauberstab - und die Karre ist weg. Praktisch genauso schnell und mit ganz modernen "Zauberstäben" lassen professionelle Autoknackerbanden VW-Busse im Landkreis Erlangen-Höchstadt verschwinden. Die Täter gehören international agierenden Autoschieber-Ringen an.

Das erbrachte die Nachfrage bei der Herzogenauracher Polizei: "Die Täter agieren landes- und bundesweit." Damit ist das Polizeipräsidium Mittelfranken für die Auskunft zuständig. Zum Thema VW-Bus-Knacker kann Simone Wiesenberg von der Pressestelle des Polizeipräsidiums so einiges berichten. Zum Beispiel, dass ihnen der Landkreis Erlangen-Höchstadt so gut gefällt, dass sie schon die zweite "Saison" hier unterwegs sind. Es sei auffällig, dass bereits letztes Jahr von September bis Dezember zehn VW-Busse verschwanden: unter anderem zwei in Erlangen, einer in Höchstadt und gleich zwei in Herzogenaurach. "Das ist eine Auffälligkeit der Täter, dass sie oft sogar in einer Nacht mehrfach zuschlagen."

Keine Einzeltäter


Die Ermittler gehen davon aus, so Wiesenberg, dass es keine Einzeltäter seien. Sie kommen wahrscheinlich zu mehreren mit dem Auto zu vorher ausgekundschafteten VW-Bussen.
Im Gepäck haben die Verbrecher HighTech-Ausrüstung, mit der sie auch die ausgeklügeltsten technischen Sicherungen der ausgespähten Fahrzeuge umgehen können.

Das bestätigt Harald Lödel, Serviceberater bei einem Herzogenauracher VW-Händler: "Wenn das echte Profis sind, knacken die jede technische Sicherung - einschließlich elektronischer Wegfahrsperren und anderer Codes - in nullkommanix." Die Sicherheitstechnik werde bei den Fahrzeugherstellern zwar permanent verbessert, aber die Diebe zögen mit. "Die haben ihre Spezialgeräte und damit ist das Auto in unter einer Minute auf. Da wirft keiner mehr mit Steinen die Scheibe ein und beschädigt das Fahrzeug; das läuft alles über sekundenschnell elektronisch geknackte Codes." Das macht es den Ermittlern zusätzlich schwer, die Spur der Täter aufzunehmen.

Keine Täter gefasst


Die Polizei vermutet zwar, dass die Banden aus dem osteuropäischen Raum stammen, bislang ging aber noch kein VW-Knacker ins Fahndungsnetz. Bayern sei besonders stark betroffen von dieser Art Diebstähle und hier konkret Mittelfranken. Der Landkreis Erlangen-Höchstadt nehme dabei eine Spitzenstellung ein, bestätigt Wiesenberg. Hierbei werden die guten Autobahnanbindungen zum Verhängnis und in ganz Bayern außerdem die Nähe zu Grenzübergängen in den Osten.

Die Banden räubern zwar großflächig, sie sind kreis- und regierungsbezirkübergreifend tätig, aber immer ist ihre Vorgehensweise gleich: blitzschnell zuschlagen und dann noch schneller abhauen. Daher sind die guten Verkehrsanbindungen des Landkreises so verlockend für die Gauner. Das zähle zu Mustern, die den Tätern durchaus zugeordnet werden könnten, erklärt Simone Wiesenberg. Auch das beschränkt für die Polizeibeamten die Zugriffmöglichkeiten. Zeugen sollten sofort die Polizei verständigen, die die Diebe dann festnehmen kann. Falls die Polizei erst benachrichtigt wird, wenn der Diebstahl entdeckt wird, sind die Ganoven längst über alle Berge.

Man sehe auch, dass Banden nach einer Zeit weiterziehen. Aber, wo es schön war, geht der Mensch gern wieder hin - auch der VW-Knacker. Das zeigt sich daran, dass er heuer pünktlich seit September wieder im Landkreis Erlangen-Höchstadt zugange ist. Aber er ist fleißiger geworden, denn bis jetzt hat er schon neun VW-Busse und ähnliches Fortbewegungsmaterial "verschwinden" lassen. Den letzten raubten sie in der Nacht auf Montag in der Erlanger Hertleinstraße.

Vermutlich tauchen die Fahrzeuge frühestens in Transsylvanien wieder auf. Das ist dann doch wieder ungefähr so wie beim Nightbus des Zauberlehrlings Harry Potter...
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