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Vorschlag der Grünen: Erlangen soll zu einer "essbaren Stadt" werden

Die Grünen wollen aus Erlangen eine "essbare Stadt" machen. Selbst in der eigenen Fraktion findet man den Vorschlag kurios, öffentliche Plätze in Kleingärten mit essbaren Pflanzen zu verwandeln.
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Symbolbild Foto: dpa
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Erlangen soll "essbar" werden, fordern zumindest die Grünen in der Hugenottenstadt in einem aktuellen Antrag. Stadträtin Bianca Fuchs will die "Grünanlagen in essbare Landschaften" verwandeln. Die grüne Fraktionssprecherin für Natur und Umweltschutz will, dass die Stadtverwaltung Vorschläge für die "Umgestaltung von öffentlichen Plätzen und Grünanlagen im Sinne einer essbare Stadt" erarbeitet.

Vorbild für ihren Vorschlag sei die Kleinstadt Todmorden im Nordwesten Großbritanniens, schreibt Fuchs in ihrem Antrag an Oberbürgermeister Florian Janik (SPD). Dort sei man im Jahr 2008 auf die Idee mit der "edible city" (essbaren Stadt) gekommen. Auf der Insel würden seitdem neben Obst und Gemüse auch essbare Blumen im öffentlichen Raum angepflanzt. Clou der Idee sei, dass sich die Bürger in den "essbaren Stadt" wie im Garten Eden selbst bedienen können. "Alle sollen sich nehmen dürfen, was sie brauchen, ohne dafür bezahlen zu müssen", findet Bianca Fuchs.

In der Praxis erinnert der Vorschlag der Grünen an den berühmten Vorspann der Kult-Sendung "Löwenzahn". Nicht nur in Parks sondern auch auf vielen Plätzen soll das essbare Grünzeug nach den Plänen der Grünen in Erlangen gedeihen können. "Ist es beispielsweise am Bohlenplatz oder an anderen Plätzen in der Innenstadt möglich, entsprechende Beete anzulegen?", fragt Fuchs die Stadtverwaltung in ihrem Antrag. Konkret im Visier für ihre Idee hat die grüne Stadträtin sogar den Theaterplatz, auf dem bislang noch Autos parken dürfen. Auch auf anderen "versiegelten Plätzen" wie dem Altstädter Kirchplatz könnte sich die grüne Fraktionssprecherin für Natur und Umweltschutz entsprechende Pflanzkübel und Blumentöpfe vorstellen.


"Ich fürchte, dieser Antrag schadet uns ebenfalls"

In der britischen Kleinstadt erntet man derweil offensichtlich schon die Früchte der Idee einer essbaren Stadt. Die örtliche Lokalzeitung "Todmodern News" hat kürzlich darüber berichtet, dass man ernsthaft über den Bau eines neuen Hotels nachdenke, um die Besucher in der essbaren Stadt unterbringen zu können, die neuerdings in die "Gartenstadt" pilgern. Derzeit hat "Todmodern" nur ein einziges Hotel mit zehn Betten.

In Erlangen hat Bianca Fuchs selbst die eigene Fraktion mit ihrem Vorschlag offensichtlich überrascht. "Das ist keine Idee der gesamten Fraktion. Über diesen Vorschlag haben wir niemals gesprochen", kritisiert Pierrette Herzberger-Fofana, grüne Fraktionssprecherin für Schule, Bildung, SeniorInnen, Asyl, Willkommenskultur, Migration und Integration, die Kollegin aus den eigenen Reihen am Montag auf Anfrage. Alleingänge seien nicht hilfreich, so Herzberger-Fofana. "Wenn jeder mit einer Idee glänzen will, dann ist das ein Problem." Außerdem finde sie diesen Vorschlag mehr als als kurios. Zudem erinnere sie die Idee der Kollegin an den verhängnisvollen Vorschlag des "Veggie-Days", der den Grünen im letzten Bundestagswahlkampf reichlich Kritik und Spott eingebracht hatte. "Man soll nicht zwei Mal den gleichen Fehler machen", findet Herzberger-Fofana. "Ich fürchte, dieser Antrag schadet uns ebenfalls."

Bianca Fuchs fordert freilich nicht, dass die Erlanger zukünftig alle Blumen essen müssen, die in den Parkanlagen und auf den Plätzen gedeihen sollen. Vielmehr erhofft sie sich einen pädagogischen Effekt. Die öffentlichen Nutzpflanzen könnten zeigen, wie man sich gesund ernährt. Außerdem, so Fuchs, würde die Wertschätzung für regionale Lebensmittel steigen, wenn essbare Pflanzen in der Stadt gedeihen.


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