Erlangen
Wirtschaft

Von der Erlanger Firma Frör kommen Bierkästen zu den Höchstadter Brauereien

Ebenso regional wie das fränkische Bier ist dessen Verpackung, der Bierkasten. Von der Erlanger Firma Frör Kunststofftechnik kommen Kästen nach Höchstadt.
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Joachim Lehmann, Senior-Chef der Erlanger Firma Frör Kunststofftechnik, kennt sich mit den Bierkästen der fränkischen Brauereien bestens aus. FOTOS: Barbara Herbst
Joachim Lehmann, Senior-Chef der Erlanger Firma Frör Kunststofftechnik, kennt sich mit den Bierkästen der fränkischen Brauereien bestens aus. FOTOS: Barbara Herbst
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Vor der großen Produktionshalle an der Schallershofer Straße wird ein Lkw vollgeladen, ein anderer fährt an das Eingangstor heran. "Hier ist immer was los", sagt Joachim Lehmann, Senior-Chef und Geschäftsführer der Erlanger Firma Frör Kunststofftechnik. Von der Produktionshalle geht es für die Getränkekisten auf die Reise zu den Brauereien.

Einen langen Weg haben die meisten Kästen nicht. Hauptsächlich Kunden in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg beliefere die Firma. "Sonst sind die Frachtkosten zu hoch", sagt der Senior-Chef. Den weitesten Weg hatten Bierkästen, die nach Grönland geschifft wurden.

In der Region bleiben die Bierkästen, die zum Blauen Löwen und zum Brauhaus nach Höchstadt gefahren werden. "Wir sind schon ewig Kunde bei der Firma", sagt Baptist Ackermann, Seniorchef vom Brauhaus. Vor allem durch die Regionalität und die damit verbundenen kurzen Wege könne die Kunststofffirma punkten. Werden die Kästen zu alt, gibt das Brauhaus diese bei der Firma in Erlangen ab. Die abgegebenen Kästen werden gutgeschrieben, so Ackermann.

Erst am vergangenen Dienstag habe die Brauerei rund 1000 neuer Kästen bekommen. Bald gibt es auf diesen ein neues Logo: Die Stadtansicht von Höchstadt. "Das ist schon was Ausgefallenes, wenn das Bild von Höchstadt auf dem Kasten drauf ist", sagt Lehmann über die Kreation.

Doch wie lässt sich die Produktion von Bierkästen erklären, in Zeiten, in denen Kunststoff in Verruf gerät, jede Tüte aus dem Supermarkt schief angesehen wird? "Das Problem ist, dass die Leute nicht vernünftig mit der Ressource Kunststoff umgehen", betont Lehmann. Man habe bereits mit neuen Materialien experimentiert. Etwa mit einem Granulat bestehend aus 60 Prozent Grasfaser. Doch die Nachteile haben letztlich überwogen: fehlende Festigkeit, zu teuer, zu schwierig. "Es hat tagelang in der Halle nach Gras gestunken", sagt Lehmann.

Die Bierkästen sollen lange halten, 20 Lebensjahre habe so ein Kasten bestimmt vor sich. Außerdem wird das Produkt recycled: Gebrauchte Bierkästen werden in der Firma zu Granulat gemahlen, neue Kästen entstehen (siehe unten). "Das ist das Schöne: Ein Bierkasten hat mehrere Leben."

Der Weg vom gebrauchten Bierkasten zum neuen Kasten
? Granulatmühle: Die alten Kästen werden zu Granulat eingemahlen. Aus der Mühle kommt das geschredderte Granulat, das in großen Mischsilos gut homogenisiert wird.

? Einfärberei: Dann wird die Farbe zum Granulat gegeben. Dunkler färben ist immer möglich, beispielsweise hellblau in dunkelblau. Umgekehrt funktioniere das nicht.

? Spritzgußmaschine: Über ein langes Rohrsystem kommen die Granulate in der Spritzgußmaschine an. Das Material wird aufgeheizt, der Kunststoff flüssig.

Eine Schnecke im Zylinder presst den Kunststoff mit hohem Druck in die Hohlform eines Bierkastenwerkzeuges. Das Material wird in seine Form gebracht.

? Druckerei: Im letzten Schritt wird es heiß: Der Kasten bekommt sein Logo mittels Siebdruckverfahren. Das Polyethylen wird angeflammt und bedruckt.

Geschichte der Bierkästen
Die Frör Group 1951 gründet Werner Frör die Firma Werner Frör, ein Dentallabor. 1960 kommt eine Kunststoffspritzerei dazu. 1964 laufen die ersten Getränkekästen vom Band. 1974 wird die Firma Kunststoff Frör mit den Kernkompetenzen Medizin- und Verpackungstechnik gegründet, 1984 die Firma FVT GmbH (Verpackungen und Transportsysteme) und 1994 die Firma Plaho. Heute führt Joachim Lehmann das Unternehmen mit Sohn Johannes Lehmann in 3. Generation.

Kunden Zu den Kunden gehören unter anderem Leikeim, Arcobräu, Krug Bräu und Maisel. Vor allem zählt die Firma auf die regionalen Brauereien. Kleinere Brauereien sind ebenso unter den Kunden.

Weitere Hersteller In Bayern werden zum Beispiel in Amberg und Eckersmühlen Getränkekästen produziert. fr


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