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Erlangen
Berggeschichte

Vom Pfingstmarkt zum globalen Kirchweihfest

Bei all der Feierei, dem Massentrubel und der Vergnügungssucht, sollte die Geschichte des Berges nicht ganz vergessen werden. Ein interessantes, ein prägendes Stück Geschichte der Stadt Erlangen.
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Der Henninger-Keller begrüßt noch heute die Besucher des Bergs gleich gegenüber der Aufgangsstraße, nur die Fassade hat sich etwas verändert. Aber die strömenden Massen zu seinen Füßen waren schon typisch, als dieses historische Foto aufgenommen wurde. Repro: FT
Der Henninger-Keller begrüßt noch heute die Besucher des Bergs gleich gegenüber der Aufgangsstraße, nur die Fassade hat sich etwas verändert. Aber die strömenden Massen zu seinen Füßen waren schon typisch, als dieses historische Foto aufgenommen wurde. Repro: FT
Am 21. April 1755 beschloss der Erlanger Stadtrat, den Altstädter Jahrmarkt wiederzubeleben und ab Pfingstdienstag für drei Tage am Altstädter Schießhaus abzuhalten, wo gleichzeitig das Vogelschießen der Erlanger Schützen stattfand. Damals konnten die Räte kaum ahnen, welch bedeutsame Entscheidung sie da getroffen hatten. Dieser Beschluss wurde zum Geburtstag der Erlanger Bergkirchweih, Frankens größtem und schönstem Volksfest, das nunmehr seit 257 Jahren immer um Pfingsten zwölf Tage auf dem Erlanger Burgberg gefeiert wird.

Der Name Bergkirchweih zeugt vom Ursprung des Festes, nämlich der Feier einer Kirchweih auf dem Erlanger Burgberg. Gefeiert wird das Patrozinium der Altstädter Dreifaltigkeitskirche. Das Fest selber ist somit deutlich älter, denn es gab zuvor den Erlanger Pfingstmarkt, der in der Altstadt abgehalten wurde.

Zu einer Attraktion wurden sehr schnell die Felsenkeller am Burgberg, an denen kühles Bier ausgeschenkt wurde. In diesen Kellergewölben wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein Bier zum Reifen gelagert, da dort das ganze Jahr über konstant kühle Temperaturen herrschten. Einzelne Gewölbe erstrecken sich bis zu 500 Meter in den Berg hinein und hindurch, sodass von Teichen auf der gegenüberliegenden Seite des Berges Eis zum Kühlen des Bieres gebrochen werden konnte. Diese Stollen sind jedoch teilweise eingestürzt und nicht mehr durchgängig.


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Wird heute über die Probleme am Berg geschimpft, sollte sich in Erinnerung gerufen werden, dass dies keine Probleme des 21. Jahrhunderts sind. Die Logistik der Veranstaltung setzte die Festwirte und Schausteller immer wieder vor scheinbar unlösbare Aufgaben, die kulturgeschichtliche Entwicklung etwa im Hinblick auf die Musik und den Charakter, den die Kirchweih zu bestimmten Zeiten hatte, waren immer von Bedeutung. Statt Radio, Tageszeitung und Fernsehen dienten ehemals Berg-Postkarten und Plakate als Werbemittel um auf die von Jahr zu Jahr wachsende Veranstaltung hinzuweisen.

Da die älteste Darstellung der Bergkirchweih von 1852 stammt, also eigentlich ihrem 100. Jubiläum, fehlen der Stadt und den verantwortlichen Archivaren vor allem Fotos und Abbildungen der 100 Jahre vorher für eine umfassende Chronik.

Showtime: Im 19. Jahrhundert wurde während der Bergkirchweih die Anatomische Sammlung des Anatomischen Instituts zur Volksbelustigung geöffnet.

Studententrubel: Früher gab es an der Erlanger Universität zur "Berg-Zeit" einwöchige Ferien ("Bergferien"), weil mit betrunkenen Studenten ein geordneter Universitätsbetrieb nicht möglich war. Diese Ferien wurden jedoch 1999 offiziell abgeschafft - übrig blieb nur der vorlesungsfreie Dienstag in der Pfingstwoche, an dem die Angehörigen vieler Uni-Lehrstühle und Institute geschlossen zum Berg marschieren.

Zahlenspiele: 257 Jahre gibt es die Bergkrichweih. Stattgefunden hat sie aber nur 245-mal. In fünf Jahren kann demnach ein Jubiläum gefeiert werden. Der Grund ist einfach: Wegen Kriegswirren und der Pest ist die Feier ab und zu ausgefallen. Daher existieren zwei Werte. Das ist gut, somit können öfters Jubiläen gefeiert werden.

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