Erlangen
Geschäftsaufgabe

Vom Niedergang der Erlanger Altstadt

Erlangen war einst eine Hochburg der Handschuhmacher. Mit "Pfeiffer Leder & Mode" macht nun der letzte dicht.
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Am Samstag ist der letzte Verkaufstag bei "Pfeiffer Leder & Mode".     Foto: Pascale Ferry
Am Samstag ist der letzte Verkaufstag bei "Pfeiffer Leder & Mode". Foto: Pascale Ferry
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Das Handwerk der Handschuh-Herstellung hat eine lange Tradition in Erlangen. Der letzte aktive Erlanger Handschuhmachermeister Jürgen Pfeiffer übergab 2011 mit 70 Jahren sein Geschäft "Pfeiffer Leder & Mode" in der Hauptstraße 52 an Schwiegertochter Annette. Ende der Woche schließt nun das Geschäft für immer. "Die Altstadt blutet aus", resümiert der Senior-Chef wehmütig. Und Annette Pfeiffer ergänzt: "Seit dem Wegzug des Landratsamts und des Drogeriemarkts haben wir 30 Prozent weniger Einnahmen."

In der Tat bietet die Hauptstraße in der Erlanger Altstadt einen eher traurigen Anblick. An der Hausnummer 48, ehemals ein Zeitschriften- und Kunsthandwerkladen, läuft seit Jahren das Kondenswasser an den zugeklebten Schaufensterscheiben herunter. Das ehemalige Sanitätshaus Büchner-Kleinknecht, Hausnummer 63, steht bereits lange leer. Auch im Altstadtmarkt und in der Dreikönigstraße warten Geschäftsräume auf neue Inhaber.

Dabei blickt Familie Pfeiffer auf eine lange und erfolgreiche Firmengeschichte zurück. 1876 gründete Valentin Fürsattel, der Urgroßvater von Jürgen Pfeiffer, eine Handschuhmanufaktur in der Goethestraße. In den 1950er Jahren, als es in Erlangen noch 13 Handschuhmacher gab, wurden die Pfeiffer'schen Waren in Bayern, dem Rheinland und in Norddeutschland vertrieben. Damals hatte der Betrieb 60 Mitarbeiter und Pfeiffer führte ein kleines Imperium mit Geschäften unter anderem in Nürnberg, Konstanz, Fürth, Regensburg und im Neuen Markt in Erlangen. Mit der billigeren italienischen Konkurrenz begann dann aber der Niedergang.

Auswirkung der Arcaden?

Wie bereits bei ihrem Bau 2007 prophezeit, wirkten sich auch die Erlanger Arcaden aus, meinen die Pfeiffers. Der Einkaufsschwerpunkt der Kunden verlagerte sich nach Süden. Die milden Winter waren ebenfalls nicht gut für das Geschäft. Und Annette Pfeiffer bedauert, dass Kunden heutzutage qualitativ hochwertige Ware, die bei guter Pflege jahrelang halte und zudem in Deutschland gefertigt werde, oft zu teuer ist, obwohl Nachhaltigkeit in aller Munde ist. Für das Geschäftshaus gibt es noch keine konkreten Pläne. Annette Pfeiffer kehrt wahrscheinlich in ihren Beruf als PTA zurück. Die langjährigen Mitarbeiterinnen gehen entweder in den Ruhestand oder haben bereits neue Anstellungen gefunden. Immerhin bleibt Erlangen die Erinnerung an das einstige Traditions-Handwerk erhalten: Die Handschuh-Werkstatt wird in die Sammlung des Stadtmuseums integriert.

Der nächste Schlag für die Geschäftswelt steht im kommenden Frühjahr an und könnte dann auch die Arcaden treffen. Siemens verlagert Tausende Mitarbeiter rund drei Kilometer nach Süden auf den Campus. Ob etliche von diesen ihre Mittagspause nach wie vor rund um den Neuen Markt verbringen werden, ist fraglich.

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