Heßdorf
Feuerwehr

Vier Minuten auf die A 3

Der FT-Bericht über neu geregelte Autobahneinsätze der Feuerwehren hat vor allem in Heßdorf Wellen geschlagen.
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Die Heßdorfer Feuerwehr bei einem Einsatz auf der Autobahn.  Foto: Christian Bauriedel
Die Heßdorfer Feuerwehr bei einem Einsatz auf der Autobahn. Foto: Christian Bauriedel

Seit diesem Jahr gilt in ganz Bayern ein neuer Alarmierungsplan für Autobahneinsätze der Feuerwehren. Nun müssen auch kleinere Feuerwehren zu Unfällen raus, wenn die Ausfahrt auf ihrem Gemeindegebiet liegt. Das Credo: Die nächstgelegene Feuerwehr rückt aus, auch wenn unter Umständen spezielle Ausrüstung wie Rettungsschere oder Spreizer gar nicht vorhanden sind. Betroffen sind etwa Mühlhausen oder Weingartsgreuth.

Der FT-Bericht zu diesem Thema in der Ausgabe vom 6. September wurde in mancher Feuerwehr kontrovers diskutiert. Vor allem in Heßdorf hat sich Kommandant Peter Bock gewundert. Denn in seinem Ort sei das etwas anders.

Seit 1994 fahren die Heßdorfer auf die Autobahn, sagt Bock. Eine klassische "Autobahnfeuerwehr" also, ausgerüstet mit der nötigen Ausrüstung, speziell geschult. Doch seit einigen Jahren gebe es Diskussionen um Zuständigkeiten, was Einsätze auf der A 3 angeht. Der Grund, so Kommandant Bock: Die Erlanger Feuerwehr habe die Zuständigkeit für die A 3 an sich gerissen.

Die Gemeinde Heßdorf habe über die Jahre viel Geld in ihre Feuerwehr gesteckt. Der Landkreis habe einen seiner Verkehrssicherungsanhänger extra in Heßdorf stationiert, weil der Ort ja direkt an der Autobahn liegt, sagt Bock.

Es gilt der Alarmplan aus Erlangen

Jedoch sieht die Erlanger Alarmplanung vor, dass auf dem Teilstück der A 3 nur noch die Erlanger zuständig sein sollen. Und das, so Bock, obwohl aus der Stadt ein viel längerer Anfahrtsweg zurückgelegt werden muss. "Deren Anfahrtszeit liegt bei etwa zwölf Minuten. Unsere vielleicht bei vier Minuten", sagt der Heßdorfer Kommandant. Es gehe doch schließlich darum, dass schnell Hilfe an den Einsatzort kommt. Nun gelte mit der neuen Alarmierungsrichtlinie ja ausdrücklich noch das Gebot, dass die schnellstverfügbare Wehr alarmiert wird. Doch in Erlangen, so Bock, ignoriere man das. Er sieht eine Verletzung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes.

Bei der Regierung von Mittelfranken und dem Landkreis habe er gekämpft, dass seine Feuerwehr auch weiterhin auf die A 3 gerufen wird, wenn es einen Unfall gibt. Seit 2017 wird Heßdorf wieder dann alarmiert, wenn der Einsatz auf der Strecke zwischen Erlangen-West und Höchstadt Ost liegt.

Unfälle zwischen Erlangen-West in Richtung Frauenaurach seien jedoch weiterhin im Zuständigkeitsbereich der Erlanger Wehr. Der Grund: Dieser Abschnitt liegt mehrheitlich auf Erlanger Stadtgebiet, weshalb die Alarmierungspläne auch in Erlangen entstehen. Trotzdem könne man nicht wegdiskutieren: "Die nächstgelegene Feuerwehr wäre Heßdorf", sagt Bock.

Zwischen Erlangen-West und Frauenaurach werde die Heßdorfer Wehr mittlerweile ausschließlich gerufen, wenn es Verletzte gibt und die Rettungsschere benötigt wird. Bock kann dieses Kleinklein bei der Unterscheidung von Einsätzen nicht verstehen. Schließlich wisse man nicht bei jeder Alarmierung vorher, ob der kleinere Unfall sich vor Ort nicht als schlimmer herausstellt.

Er erinnert daran, dass alle Wehren an der A 3, auch die größeren wie Höchstadt, rein ehrenamtlich getragene Feuerwehren sind. Seine Theorie: Die Erlanger wollen aus ihrer Ständigen Wache eine echte Berufsfeuerwehr machen und würden dafür höhere Einsatzzahlen benötigen.

Kreisbrandrat verteidigt Plan

Davon könne absolut keine Rede sein, sagt Matthias Rocca, Kreisbrandrat von Erlangen-Höchstadt, auf FT-Anfrage. Erlangen könne, wenn es wollte, jederzeit eine Berufsfeuerwehr schaffen. Unabhängig von Einsatzzahlen. "Heßdorf ist im Alarmplan in allen Richtungen mit drin", verteidigt Rocca die geltende Regelung. Dass Heßdorf in Richtung Frauenaurach lediglich bei "zeitkritischen Einsätzen", also bei Personenschaden, Feuer oder Gefahrstoffen, ausrückt, mache Sinn. Bei Auffahrunfällen mit Ölspur reiche auch die Anfahrtszeit der Erlanger, die durch ihre Ständige Wache, in der die Einsatzkräfte quasi fertig in Montur sitzen, einen Zeitvorsprung hätten.

Bei Einsätzen, bei denen die Rettungsschere benötigt wird, werde Heßdorf nach wie vor alarmiert. Insofern werde die gesetzliche Alarmierungsregel eingehalten.

Kommentar von Christian Bauriedel

Zündstoff Alarmplan

Sicher, niemand bei der Feuerwehr fährt "gerne" zum Einsatz. Schon gleich gar nicht auf die Autobahn, wo auch der Anblick von Schwerverletzten drohen kann. Doch jeder, der sich - ehren- oder hauptamtlich - meldet, dessen Pflicht ist es, zu helfen. Das wissen alle, die eine Feuerwehruniform im Schrank hängen haben. Alarmierungspläne waren schon immer Zündstoff. Hier geht es aber nicht um "Einsatzgeilheit" oder um lokalpatriotische Konkurrenz. Es geht darum, dass eine Feuerwehr in einem Ort nur Sinn macht, wenn diese auch alarmiert wird, wenn in direkter Umgebung Hilfe benötigt wird. Denn auf Dauer wird es für ehrenamtliche Wehren auf den Dörfern sicher nicht einfacher, Freiwillige zu finden. Welchen Sinn würden Übungen, Schulungen und teure Technik machen, wenn Einsätze zwar da sind, aber quasi per Gesetz ausbleiben? Heßdorf ist ein Spezialfall. Der Ort grenzt ans Erlanger Gebiet. Dass man die A 3 zwischen den Wehren aufgeteilt hat, ist verständlich. Arbeitsteilung ist schließlich das A und O, vor allem bei der Rettung.

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