Herzogenaurach
Neubau

Viel Leben im Kinderhaus auf der Herzo Base

Das Kinderhaus St. Franziskus auf der Herzo Base ist bezogen worden. Noch sind auch die Handwerker zugegen. Die Weihe ist am 12. Oktober. In Haundorf ging nach 21 Jahren eine Ära zu Ende.
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Ivonne Roth verbringt die Eingewöhnungszeit mit ihrer Tochter Annelie im neuen Kindergarten auf der Herzo Base.  Fotos: Bernhard Panzer
Ivonne Roth verbringt die Eingewöhnungszeit mit ihrer Tochter Annelie im neuen Kindergarten auf der Herzo Base. Fotos: Bernhard Panzer
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Noch wirkt alles etwas ungeordnet. Draußen vor dem Fenster hämmern die Baumaschinen, drinnen im Gebäude wuseln die Handwerker und droben in den Gruppenräumen spielen bereits die Kinder. "Spielen mit der Baustelle" könnte man die Situation umschreiben, die sich Betrachtern im neuen Kinderhaus St. Franziskus auf der Herzo Base bietet.

Den Kleinen macht das offenbar nichts aus. "Die sind ausgeglichen", sagt Bianka Seuberth, die stellvertretende Leiterin des Kindergartens. Und ihre Chefin Claudia Seeberger berichtet: "Der erste wollte schon gar nicht mehr nach Hause". "Stört der Krach da draußen?", wollen wir wissen. "Nö, das ist egal", kommt prompt als Antwort. Spielende Kinder mögen solche Abenteuer.

Für Gaby Klaus, kaufmännische Leiterin der katholischen Kirche der drei Pfarreien von Herzogenaurach, bedeutet das noch für längere Zeit viel Arbeit. Sie betreut acht Kindereinrichtungen. In St.
Josef Niederndorf ist der Neubau des Kinderhauses abgeschlossen, während sich die Fertigstellung des Gebäudes im Stadtteil Herzo Base noch hinzieht. Der lange kalte Winter habe den Zeitplan durcheinander gewirbelt, sagt die 43-Jährige. Und im Krippenbereich kämen die Lieferanten nicht mit den Möbeln hinterher.

Den Kindern und Erzieherinnen scheint das alles nichts auszumachen. Im Erdgeschoss des Kindergartens fehlen zwar noch die Türen, aber das sieht Claudia Seeberger mit einem Lächeln. "Die brauch ich schon nicht aufzumachen". Und Gaby Klaus bescheinigt dem Personal: " Das Team ist so super flexibel. Die machen das Beste draus".

Mit dem Bezug des neuen Kinderhauses St. Franziskus geht eine Ära zu Ende. 21 Jahre lang gab es im Ortsteil Haundorf einen Kindergarten, seit dem ersten Tag an war Leiterin Claudia Seeberger schon dabei. Natürlich scheide man auch mit ein bisschen Wehmut, gibt die 46-Jährige zu. Schließlich liegt das frühere Schulhaus mitten im Dorf und man hatte in St.Marien eine sehr familiäre Atmosphäre. Deshalb hat man auf ein Abschiedsfest verzichtet, damit's nicht allzu traurig wird.

Jetzt, da die Kinder das neue Domizil gesehen haben, sei das alles Vergangenheit. Hier haben die Kleinen laut Seeberger die besseren Möglichkeiten sich zu entfalten. Und haben das Haus schon neugierig in Besitz genommen. Bald werden sie es den Handwerkern endgültig entrissen haben.

Vier Gruppen sind im Kinderhaus St. Franziskus untergebracht. Die beiden Gruppen Sonnenkinder und Blumenkinder des Kindergartens beherbergen 50 Kinder. Eine Anbaumöglichkeit für eine etwaige dritte Gruppe ist bereits vorgesehen. Die käme dann in den Außenspielbereich, der schon mit drei Wänden umgeben und überdacht ist. Gegenüber dem Kindergarten liegt die Krippe mit 26 Kindern in ebenfalls zwei Gruppen. Dieser Gebäudeteil könnte bei Bedarf aufgestockt und damit erweitert werden.

Die räumliche Aufteilung hat laut Seeberger den Vorteil, dass sich die vielen Kinder nur beim Spielen im verbindenden Innenhof treffen, das große Gewühl morgens aber ausbleibe. Allerdings bedeutet das auch lange Wege, wie Gaby Klaus im Gespräch mit der Leiterin feststellt. Dreimal täglich für den Geschirrwagen zum Beispiel. Claudia Seeberger sieht das entspannt: "Da ist man immer in Bewegung".

"Time Out" liefert das Essen

Die 46-jährige Kindergarten-Leiterin wird von zwölf Betreuerinnen unterstützt: Im Kindergarten wird ein halboffenes Konzept angeboten. Das bedeutet, dass die Kinder nach der Begrüßung und dem Frühstück ihre Gruppen verlassen und sich den Spielbereich selber aussuchen dürfen. Dabei gibt es sowohl geplante als auch frei gestaltete Angebote. Und diese richten sich dann sowohl nach dem Alter als auch nach den Interessen der Kinder, erläutert Claudia Seeberger. Zum Abschluss des Tages findet man sich dann in den Gruppen wieder. Und mittags gibt's Verpflegung.

Das Catering übernimmt ab Oktober der Herzogenauracher Stelios Ziogas mit seinem "Time Out". Er ist schon Partner bei Montessori. Die Kinderkrippe wird von der WAB Kosbach mit Essen beliefert.

Jetzt, in den ersten Tagen, herrscht viel Betrieb in der neuen Einrichtung. Neben den Kindern, Erzieherinnen und Handwerkern sind auch noch Mütter vor Ort, die ihre Kleinen die erste Zeit begleiten. So wie Ivonne Roth aus Niederndorf. Ihre dreijährige Tochter Annelie war gestern erst den zweiten Tag überhaupt in einer Kindertagesstätte. Für die Krippe habe sie keinen Platz bekommen, sagt die berufstätige Frau. So habe sie bisher eine Tagesmutter in Anspruch genommen. Dafür aber musste sie nach Puschendorf, weil sie in Herzogenaurach keine gefunden hatte. Dass die junge Frau ihr Kind jetzt auf der Herzo Base angemeldet hat, begründet sie mit den längeren Öffnungszeiten gegenüber der Einrichtung in Niederndorf. Der Träger ist der gleiche.

Dem Ehepaar Roth fordern diese ersten Tage ein gewisses Improvisationstalent ab. Sie begleite die Tochter vormittags und arbeite dann Schicht, sagt Ivonne. Und am Nachmittag sei dann ihr Mann zur Stelle. Jetzt hofft sie, dass sich das Töchterlein schnell eingewöhnt.

Auch Luna braucht ihre Mama noch. Die kleine Chinesin bekam gestern zudem Besuch von Oma und Opa. Hili Lin und ihr Mann stammen aus Shanghai und weilen derzeit bei der Familie der Tochter auf der Herzo Base. Die Enkelin heißt übrigens Xinyue Cao, was kein Kind und vermutlich auch nicht die Erzieherinnen problemlos aussprechen können, meint Claudia Seeberger. "Wir nennen sie Luna", sagt sie schmunzelnd. Im neuen Kinderhaus ist übrigens eine Handvoll verschiedener Nationalitäten vertreten.

Wenn die Bauarbeiten in und am Kinderhaus St. Franziskus beendet sind, dann hat die Bauchefin der Kirche, Gaby Klaus, trotzdem nur wenig Zeit zum Verschnaufen. Denn die nächsten Großprojekte stehen an. In einem Jahr soll die Generalsanierung von St.Martin beginnen. Und an der Carl-Platz-Schule sowie bei St. Josef stehen Hort-Neubauten an. Diese werden zwar von der Stadt durchgeführt, doch die katholische Kirche hat die Betriebsträgerschaft.

Insgesamt fallen acht Einrichtungen in den Zuständigkeitsbereich von Gaby Klaus. Betreut werden darin rund 600 Kinder in Kindergartengruppen, 140 in Krippen und 160 im Hort. Die evangelische Kirchengemeinde hat weitere vier Einrichtungen.
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