Reinersdorf
Landwirtschaft

Viel Arbeit mit der scharfen Wurzel

Wenn es bei Familie Schmidt in Weisendorf an die Ernte von Meerrettich geht, muss die ganze Familie mitanpacken. Einen Teil verarbeiten sie auch selbst.
Artikel drucken Artikel einbetten
Familie Schmidt bei der Ernte der KrenstangenManfred  Welker
Familie Schmidt bei der Ernte der KrenstangenManfred Welker
+4 Bilder

Bei frischem Wind wird Mitte November auf einem Acker zwischen Reuth und Reinersdorf Kren geerntet. Der trockenen Sommer lässt die Ernte eher unter Durchschnitt ausfallen, wie Andreas Schmidt feststellen muß.

Obwohl der Kren, wie andere Ackerfrüchte auch, stark vom Wetter abhängig ist, gibt es im Aischgrund noch Felder, auf denen die scharfe Wurzel angebaut wird. Meerrettich (cochlearia armoracis rusticana) wird auch als "Bauernsenf" oder als "Penicillin aus dem Garten" tituliert.

Ein alter Spruch

Wer Meerrettich anbauen will, der braucht ein biegsames Kreuz. Denn ein Spruch lautet: "Ein Acker mit Kren, will seinen Herrn jeden Tag seh'n!" Aus diesem Grund wird nur noch von einigen Landwirten die scharfe Wurzel angebaut.

Wenn es an die Ernte geht, dann muss die ganze Familie mit anpacken. Andreas Schmidt wird dabei von seinem Vater Gerhard Schmidt unterstützt. Außerdem sind Erntehelfer aus Südosteuropa zur Hilfe nach Biengarten gekommen.

Andreas Schmidt fährt zuerst mit einem Traktor über die Beete und entfernt die Blätter von den Pflanzen, die auf dem Feld verbleiben und als Gründüngung später eingepflügt werden. Im nächsten Arbeitsgang werden mit einem Traktor, der einen Roder antreibt, die Krenwurzeln aus dem Boden geholt.

Zwei Beete gleichzeitig

Bereits im Jahr 2000 wurde vom Amt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung von Mittelfranken dieser neuartige Roder vorgestellt. Mit seiner Hilfe kann gleichzeitig aus zwei Beeten der Kren geerntet werden, wie Gerhard Schmidt aus Biengarten damals von ersten Versuchen berichtete. Zum Betrieb benötigt das Gerät einen Ackerschlepper mit 100 PS und einem Kriechgang-Getriebe.

Dieser von Landwirten gemeinschaftlich gekaufte Roder hat sich in der Praxis bewährt. Von den freigelegten Pflanzen werden mit einem geübten Griff noch verbliebene Blätter abgedreht und die Wurzeln auf einen Wagen geschichtet und zum heimischen Anwesen in Biengarten gefahren.

Sowohl die Krenstangen, die verarbeitet werden, als auch die kleinen Fechser müssen komplett aus dem Acker entfernt werden, damit auf dem Feld nicht im nächsten Jahr Krenpflanzen auf dem Acker wachsen, auf dem eine andere Frucht angebaut wird. Auch die schwarzen Kunststoffmanschetten, die im Kopfbereich der Pflanze verhindern, dass sich ungewollte Seitentriebe bilden, müssen aufgesammelt werden.

Es regnet zu wenig

Anschließend gilt es, in Biengarten den Kren zu putzen und zum Verkauf vorzubereiten. Außerdem müssen die geeigneten Fechser für den Anbau im kommenden Jahr aussortiert und gebündelt und aufrecht stehend in die Miete eingelegt werden.

Für das Wachstum ist wie bei allen Feldfrüchten das Wetter ausschlaggebend. Auch im Jahr 2019 fehlte das Wasser in Form von Niederschlägen,so dass der Kren etwas kleiner ausfiel. Allerdings nicht so extrem wie im Jahr 2018.

Die meisten Anbauer liefern ihren Kren nach Baiersdorf. Einen eigenen Weg schlägt in Biengarten die Familie Schmidt ein. Dort wird ein Teil des Meerrettichs selber verarbeitet. Nach dem Reiben und der Haltbarmachung von Margas Kren mit Branntweinessig und Zucker können Interessenten Meerrettich direkt vom Bauernhof kaufen. Der Meerrettich wird von den Schmidts auch an zahlreiche Direktvermarkter versandt. Außerdem sind sie alljährlich auf der Consumenta in Nürnberg mit einem Stand vertreten.

Ohne Konservierungsmittel

Die Schmidts verzichten bewusst auf chemische Konservierungsmittel. Tafelmeerrettich ist daher vier bis fünf Monate, Gemüsemeerrettich rund zwei Monate haltbar. Bei einer Betriebsführung erklärt Gerhard Schmidt die Verarbeitung der arbeitsintensiven Wurzel. Gekostet werden kann auch ein Meerrettichschnaps.

Ruhezeit für einen Krenanbauern gibt es eigentlich nur im Dezember und im Januar. Ende Februar müssen die Fechser aus der Miete herausgenommen, auf Länge geschnitten und zum Antreiben eingelagert werden. Und im März heißt es dann schon wieder, das Feld vorzubereiten und zu pflügen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren