Vestenbergsgreuth
Bürgerversammlung

Vestenbergsgreuths Kampf gegen den Einwohnerschwund

Eine neue Veranstaltungshalle, ein Mehrgenerationenprojekt, neue Baugebiete - die Gemeinde Vestenbergsgreuth tut viel, um als Wohnort attraktiv zu sein.
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Helmut Lottes stellte den Marktplatz der Generationen vor.    Foto: Evi Seeger
Helmut Lottes stellte den Marktplatz der Generationen vor. Foto: Evi Seeger
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Helmut Lottes (CSU/UB) will es den Statistikern beweisen: Gegen deren Prognose, die Bevölkerung der Marktgemeinde werde in Zukunft zahlenmäßig schrumpfen, will Vestenbergsgreuths Bürgermeister alle Kraft aufwenden. Tatsächlich scheint der Chef der westlichsten Gemeinde im Landkreis Recht zu behalten. "Der Trend nach oben hält an", verkündete Lottes in der Bürgerversammlung.

Schon beim Vorspann seiner Präsentation fielen die vielen Brautpaare auf. 13 Hochzeiten in den vergangenen Monaten und ebenso viele Geburten waren eine stattliche Zahl für die nur 1581 Einwohner zählende Gemeinde. "Strengt euch an", appellierte Lottes an die jungen unter den etwa 25 Bürgern im Gasthof "Zum Schwalbenberg".

Jedenfalls tut die Gemeinde alles, um einem Einwohnerschwund entgegenzuwirken. Neue Baugebiete zählen ebenso dazu wie der Neubau einer Veranstaltungshalle. 2019 soll zudem mit dem Umbau der Schule zu einem Mehrgenerationenhaus begonnen werden. 1,5 Millionen Euro habe die Gemeinde in den nächsten zwei Jahren dafür vorgesehen. "Trotz unserer guten Finanzkraft hätte wir das ohne Mittel aus der Städtebauförderung nicht schultern können", so Lottes.

Für den "Marktplatz der Generationen", der sich im Außenbereich an das "Haus der Begegnung" anschließt, gibt es bereits die Planung. In diesem Mehrgenerationenprojekt sollen Alt und Jung zusammenfinden. Deshalb muss nach Lottes' Worten auch die Schule "so lange wie möglich erhalten bleiben".

In den Attraktionen sieht Lottes ein Angebot für die gesamte Region. Ganz nach der Zielvorgabe des Förderprogramms Isek (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept), für das sich Vestenbergsgreuth mit seinen Nachbargemeinden zusammengeschlossen hat. "Man muss über Landkreisgrenzen hinwegdenken und sich Besucher immer wieder neu erobern, sonst läuft sich das tot", betonte Lottes mit Blick auf die Freizeitanlage. Aus dieser Perspektive sei auch der "Schaukelweg" zu sehen. "Wir sind halt nicht mehr die Bauerndörfer der Vergangenheit." Mit dem Wandel würden sich Ansprüche und Lebensgewohnheiten verändern.

Auch zur Kita müssen sich die Gemeindeväter "etwas einfallen lassen", denn in der Einrichtung werde es ab dem neuen Kita-Jahr ziemlich eng. Nun, finanzielle Probleme hat die Gemeinde wohl nicht. 3,5 Millionen Euro an Rücklagen auf der hohen Kante, wie VG-Kämmerer Tobias Weiß berichtete. Auch die alljährlich mit zwei Millionen Euro angesetzte Gewerbesteuer dürfte ein Garant für solide Finanzen sein. Mit einer Verschuldung von 370 Euro pro Kopf der Bevölkerung liegt Vestenbergsgreuth weit unter dem Landesdurchschnitt.

Begehrte Bauplätze

Das Baugebiet "Kühnplatte" sei "ausverkauft" und die noch nicht fertige "Weiherleite" in Unterwinterbach sei durch Bauwerber bereits überzeichnet. In Frimmersdorf und Kleinweisach habe man nach Bauland "schon die Fühler ausgestreckt". Es sei aber nicht leicht zu realisieren. Das Breitbandnetz sei in der ersten Phase ausgebaut, jetzt werde der nächste Schritt eingeleitet: In einzelnen Bereichen könnten dann Datengeschwindigkeiten bis zu 100 MB erreicht werden.

Bei allen guten Nachrichten gibt es laut Lottes aber auch eine "Never ending story". Die Sanierung der Kläranlage, mit der die Kommune seit Jahren beschäftigt ist. Jetzt habe man sich auf eine technische Anlage geeinigt. "Wir wollten 3500 Einwohnerwerte", so Lottes. Doch auch das scheint mit dem Wasserwirtschaftsamt noch nicht ausgegoren. Immerhin hat er jetzt die Hoffnung, dass die Anlage im nächsten Jahr gebaut werden kann. Wenn alles klappt, könnte sie im Mai 2020 ihren Betrieb aufnehmen.

Die Diskussion im Anschluss machte deutlich, dass die Bürger keine großen Probleme haben. Eine Ruhebank in Dietersdorf - "kein Anschaffungsproblem, sofern sich jemand im Ort darum kümmert" - forderte eine Bürgerin. Die weitere Diskussion drehte sich um das neue Baugebiet "Schmidsleiten II", speziell um die verkehrsmäßige Erschließung und die Entwässerung des Baugebiets. Die Redner sorgten sich darum, dass die tiefer liegenden Ansiedlungen bei extremen Wetterlagen "nicht absaufen". Lottes erläuterte die Erschließungsplanung, die auch Regenrückhaltevorrichtungen beinhaltet.

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