Herzogenaurach
Rathausabbruch

Verzögerung beim Spezialtiefbau: Keiner will die Grube graben

Der Abbruch geht hurtig voran, ein Bagger hat am Donnerstag den Sitzungssaal heruntergebissen. Doch es gibt auch eine Sorge. .
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Am Donnerstag machte der Bagger Ernst.    Stück für Stück wurde der Sitzungssaal "abgebissen".  Bis Ende Juni, so lautet der Zeitplan, soll der oberirdische Abbruch  des Rathauses vollendet sein.   Bernhard Panzer
Am Donnerstag machte der Bagger Ernst. Stück für Stück wurde der Sitzungssaal "abgebissen". Bis Ende Juni, so lautet der Zeitplan, soll der oberirdische Abbruch des Rathauses vollendet sein. Bernhard Panzer
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Es geht hurtig voran, mit dem Abbruch des Rathauses. Kaum sind die Arbeiten im Inneren des Gebäudes erledigt, das vollkommen entkernt worden ist, schon sind die die Bagger angerückt, um dem Betonbau aus den 60-er Jahren den Garaus zu machen.

Zum Wochenbeginn sind schon große Löcher in die Fassade gerissen worden, bevor der Bagger am Donnerstag richtig Heißhunger zeigte. Mit entsprechendem Greifwerkzeug wurde begonnen, zunächst den Sitzungssaal herunterzubrechen. Stück für Stück hat der Bagger zugebissen und große Teile Beton aus der Wand gerissen.

Schon mit wenig Phantasie kann sich ein faszinierter Betrachter an Urzeitmonster erinnert fühlen: Es ist, als ob ein Saurier den Kopf schräg stellt, um gezielt zubeißen zu können. Viel sehen können die Passanten davon allerdings nichts, es sei denn man hat als Anwohner einen Logenplatz. Denn rund um die Baustelle ist ein großer hölzerner Bauzaun aufgestellt worden.

Doch geht es beim Abbruch des Rathauses auch so hurtig weiter, wie es begonnen hat? Ein klares Ja kann da nicht gegeben werden. Denn Bürgermeister German Hacker und Bauamtsleiterin Silke Stadter mussten jetzt eine negative Nachricht wegstecken. Bei einem großen Gewerbe, nämlich den Spezialtiefbauarbeiten, hat bei der Ausschreibung keine einzige Firma ein Angebot eingereicht. Keiner wollte bislang die Baugrube herstellen. Deshalb soll nun erneut ausgeschrieben werden, wenn auch in veränderter Form.

Drei Monate Verzögerung wären damit verbunden, wenn man die Arbeiten ruhen ließe, bis nach einer erneuten Ausschreibung ein Angebot vorliegt. Das sagte Silke Stadter in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwochabend. Dabei wäre es keinesfalls sicher, dass dieses Angebot dann auch wirklich kommt. Also will man die Ausschreibung auf mehrere einzelne Bereiche aufsplitten. Davon verspreche man sich, dass das klappt. Stadter: "Wir gehen davon aus, dass sich Firmen finden."

Aber auch die dreimonatige Verzögerung will die Stadt nicht einfach so hinnehmen. "Wir wollen das überbrücken", sagte sie. Sofort nach dem Bekanntwerden der Nachricht habe man alle Hebel in Bewegung gesetzt, um auf der Baustelle bestimmte Arbeitsabläufe zu ändern, informierte die Bauamtsleiterin. Das sei auch gelungen, so dass die Verzögerungen letztlich viel kürzer sein sollten.

Vorgezogen wird jetzt ein großer Teil der archäologischen Untersuchungen. Auch könne schon der Abbruch der Kellerdecke und eines Teils der Wand durchgeführt werden. Ganz könne der Keller nicht angepackt werden, denn das würde die Statik des Schlosses gefährden. Dazu braucht man den Spezialtiefbau, also die Baugrube mit den Bohrpfählen.

Der Archäologe hat bereits signalisiert, die Arbeiten vorziehen zu können. Jetzt fehlt noch die Zusage des Landesamts für Denkmalpflege. Dann könnten bestimmte Bereiche aufgrund der Ergebnisse der Suchschürfen bereits vor der Herstellung der Baugrube vollflächig archäologisch untersucht werden, berichtet Stadter. Die erforderlichen Erdarbeiten übernimmt das Abbruchunternehmen. Die Firma hat vom Hauptausschuss per Beschluss vom Mittwoch den Auftrag erteilt bekommen. Zusätzliche Kosten entstehen nicht. Wichtig sei, dass man jetzt Zeit spart: "Jeder Tag, der irgendwie möglich ist, sollte kompensiert werden", sagte die Bauamtsleiterin. Mit dem jetzigen Vorgehen werde sich der entstandene Zeitverlust erheblich reduzieren.

In der Debatte sprach CSU-Fraktionsvorsitzender Bernhard Schwab von einer ärgerlichen Geschichte. Vor Monaten schon habe man nachgefragt, ob nicht schneller ausgeschrieben werden könne. Denn die Firmen "stehen nicht Schlange und warten bloß auf uns". Schwab äußerte die Befürchtung, mit folgenden Ausschreibungen könnte es genauso passieren, dass sich niemand findet. Bürgermeister German Hacker (SPD) entgegnete, Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen könnten "immer wieder und dauernd auftreten". Walter Drebinger (CSU) vermisste einen richtigen Terminplan, "den man auch lesen kann". Dass man das nicht bekommen habe, sei ein Unding.

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