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Feste

Versuchter Totschlag: Was geschah auf der Aischer Kerwa?

Was war los in Aisch, dass manche in Mühlhausen nun über ein Sicherheitskonzept für ihre Kerwa nachdenken?
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Foto: erge/Pixabay
Foto: erge/Pixabay

Die Aischer Kerwa fand vom Donnerstag, 2. August, bis Montag, 6. August, statt. Die Polizei berichtete von drei Körperverletzungsdelikten.

Am Samstag war es zu einer Auseinandersetzung zwischen einem 32-Jährigen und einem 18-Jährigen gekommen. Der Mann war mit Frau und Kind auf dem Heimweg, als er sah, wie Jugendliche auf einen Zigarettenautomaten einschlugen. Er sprach sie an, woraufhin ihn der 18-Jährige wegschubste. Der Mann holte sich zwei blutende Finger. Der betrunkene Täter war geständig und wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung angezeigt.

In der Nacht von Sonntag auf Montag war ein 18-Jähriger im Gesicht verletzt worden. Der Schläger war zu diesem Zeitpunkt unbekannt. Laut Polizei war der Geschädigte selbst aggressiv gegenüber Festbesuchern aufgetreten und wurde daher seinen Eltern übergeben.

Mit Glasscherben ins Gesicht

Den größten Schock löste der Fall vom Freitag aus. "Es ging alles ganz schnell", sagt auf Nachfrage des FT der 37-Jährige, der Opfer der Attacke wurde. Gegen 1.30 Uhr sei es gewesen. Er wollte bald mit seinen Freunden heim. Er habe noch ein Stück Pizza gegessen und sei alleine an einer Bierbank gestanden. Da sei plötzlich und unerwartet der Angriff gekommen. "Ich war total im Schock. Das ganze hat nur zehn Sekunden gedauert." Er habe nur noch Erinnerungsfetzen.

Der andere, laut Polizei ein 19-Jähriger Asylbewerber aus Syrien in Begleitung zweier anderer Männer, habe eine zerbrochene Glasflasche genommen und ihm drei Mal ins Gesicht und ein Mal auf den Kopf gestochen. Der Notarzt habe drei Stunden genäht. Die Backe sei durchstochen worden, der Kiefermuskel durchtrennt, das Jochbein sichtbar, eine Arterie verletzt gewesen.

Es seien keine Pöbeleien oder Provokationen von ihm ausgegangen. So ein Typ sei er definitiv nicht, versichert der zweifache Familienvater.Warum der andere zugestochen hat, könne er sich nicht erklären: "Warum, das klärt jetzt die Kripo."

20 Zeugen werden vernommen

"Wir haben um die 20 Zeugen zu vernehmen", sagt Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke. Es werde gegen den 19-Jährigen wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Er wurde damals vorläufig festgenommen, vom Ermittlungsrichter dann aber wegen fehlender Fluchtgefahr unter Meldeauflagen auf freien Fuß gesetzt.

Zum möglichen Motiv hält sich die Staatsanwältin bedeckt. Die laufende Ermittlung habe Hinweise ergeben, weshalb nun auch gegen den verletzten 37-Jährigen wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung ermittelt werde, so die Staatsanwältin, die jedoch betont: Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gerüchte um die drei Fälle machten schnell die Runde. Vor allem, dass es sich um eine bestimmte Gruppe von Flüchtlingen handle, die immer wieder auf Festen auftauche, um Stunk zu machen.

Die Polizei habe darauf keine Hinweise. Das betont Höchstadts Polizeichefin Christiane Lederer. Die beiden Taten (Samstag und Sonntag) stünden zudem "definitiv nicht in Zusammenhang" mit Asylbewerbern.

Bestürzung in Adelsdorf

Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) ist genauso bestürzt über die Fälle wie viele Adelsdorfer. Dennoch betont er die Friedlichkeit der absoluten Mehrheit. Mit den Kerwasburschen werde er sich zusammensetzen, um zu besprechen: "Was läuft auf der Kerwa und was kann man noch besser machen." Er empfiehlt: "Wenn man merkt, dass was losköchelt, schneller auch präventiv die Polizei rufen."

Frühzeitig Polizei einschalten

Die Gemeinde hat 2016 eine Allgemeinverfügung für Kirchweihen aufgestellt. Sie regelt, dass mitgebrachter Alkohol untersagt ist und pöbelnde Gäste des Platzes verwiesen werden dürfen. Die Polizei habe so bessere Handhabe, sagt Fischkal.

Höchstadts Polizeichefin Lederer betont: "Wenn ein Problem entsteht, sollte man sich frühzeitig an uns wenden." Die Polizei nehme die Sicherheitslage auf Kirchweihfesten natürlich ernst.

Kommentar zum Thema von Christian Bauriedel

Vandalismus, Trunkenheit im Verkehr und Schlägereien: Die Polizeiberichte sind - gerade nach Kirchweihwochenenden - voll davon. Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Die allergrößte Zahl der Feiernden ist absolut friedlich. Dass es jedoch auch andere Zeitgenossen gibt, muss ein Kirchweihveranstalter im Blick haben. Niemand will einen folkloristischen Hochsicherheitstrakt mit Muskelmännern am Einlass und Plastikbechern statt Krügen. Aber sich als Veranstalter vorab Gedankenmachen, mit der Polizei sprechen, sensibilisiert sein, ist absolut sinnvoll. Nein, die Kerwa in Aisch wurde nicht etwa von Gewalt "überschattet". Auch hier haben 99 Prozent friedlich gefeiert. Es gibt keinen Grund, an der Organisation zu zweifeln. Dass einer dem anderen mit einer Glasscherbe mehrfach ins Gesicht sticht:Wer geht von so etwas aus? Das geht weit über jedes volkstümlich verklärte "Kerwagerangel" hinaus. Dass der mutmaßliche Täter ein eigentlich schutzsuchender Asylbewerber ist, macht fassungslos. Doch was wäre anders, hätte ein Einheimischer zugestochen? Dass er sofort wieder frei kam (wenn auch unter Meldeauflagen), wirft jedoch die Frage auf, ob die Justiz für den Normalbürger noch nachvollziehbar bewertet. Allen Festen, die anstehen, wünscht man, dass die übliche Formel der Anzapfenden "Auf eine friedliche Kerwa" wahr wird. Auch wenn es draußen dunkel wird, auch wenn das Bier fließt. Man kann etwas tun: Hinschauen, Hilfe holen, schon beim Verdacht, dass es gleich "rundgeht" die 110 wählen. Lieber einmal zu viel.



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