Höchstadt a. d. Aisch
Das sagt die Statistik

Verkehr auf der A3 bei Höchstadt: Das Chaos nimmt zu, oder?

Immer wieder kracht es auf der A3 im Raum Höchstadt. Die Lage wird immer schlimmer, könnte man meinen. Doch stimmt das? Was sagen die Zahlen?
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Auf der Autobahn  bei Höchstadt kommt es oft zu schweren Unfällen. Betroffenheit löste am Sonntag der Tod eines viermonatigen Säuglings auf der A3  nahe Schlüsselfeld aus. Foto: News5/Archiv
Auf der Autobahn bei Höchstadt kommt es oft zu schweren Unfällen. Betroffenheit löste am Sonntag der Tod eines viermonatigen Säuglings auf der A3 nahe Schlüsselfeld aus. Foto: News5/Archiv
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Man könnte meinen, die A3 steht kurz vorm Infarkt. Kein Tag vergeht ohne Stau. Immer wieder Unfälle, teils mit Schwerverletzten.

Eine schreckliche Nachricht gab es am Sonntag. Ein Autofahrer hat laut Polizei bei Schlüsselfeld ein Stauende übersehen. Sieben Menschen verletzten sich. Ein vier Monate alter Säugling starb im Krankenhaus.

Kürzlich fuhr ein Motorradfahrer im stockenden Verkehr zwischen Höchstadt und Schlüsselfeld ungebremst in ein Auto und verletzte sich schwer. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Es wird immer schlimmer mit dem Verkehr. Es kracht immer häufiger. So ist zumindest die subjektive Wahrnehmung. Doch stimmt das überhaupt?

Was feststeht: Der Verkehr hat über die Jahre enorm zugenommen. Die Kurven der offiziellen Verkehrszählungen für den Streckenabschnitt Höchstadt-Ost bis Erlangen-West zeigen nach oben. Täglich rauschen mehr als 70.000 Fahrzeuge über den Asphalt. Vor allem die Zahl der Lkw nimmt zu. Waren es 2010 noch rund 11.000 Lkw täglich sind es jetzt schon über 15.000.

Bei den Unfallzahlen liegt die A3 zwischen Erlangen und Biebelried statistisch nicht signifikant über dem Schnitt anderer Autobahnen in Bayern und Deutschland. Steigende Unfallzahlen sind in diesem Bereich in den vergangenen zehn Jahre nicht abzulesen. Das ergibt sich aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Autobahndirektion Nordbayern.

Mehr Unfälle, weniger Verletzte

Dass die Unfälle im Raum Höchstadt vor allem vergangenes Jahr zunahmen, zeigen Zahlen, die der Fränkische Tag bei der Verkehrspolizei Erlangen abgefragt hat. Im Bereich der Verkehrspolizei (Nürnberg-Mögeldorf bis Rastanlage Steigerwald-Süd) pendeln sich in den vergangenen drei Jahren die Unfallzahlen bei um die 1000 ein. Unfälle mit Personenschaden sind in diesen Jahren sogar rückläufig. Was zugenommen hat, ist die Häufigkeit von sogenannten Kurzaufnahmeverfahren, also kleineren Fällen, bei denen lediglich ein Verwarnungsgeld verhängt wurde.

Bisher unfallreiches Jahr

2019 scheint, was die bisherigen Zahlen der Verkehrspolizei Erlangen angeht, jedoch ein unfallreicheres Jahr zu sein. Demnach ist heuer die Zahl der Unfälle im Vergleich zum Halbjahr 2018 um 20 Prozent gestiegen. Es gab bis 30. Juni dieses Jahres dabei auch mehr Verletzte als im Vorjahreszeitraum.

Das liegt vor allem an einer Großbaustelle. "Was uns auf den Nägeln brennt, ist die Baustelle am Kreuz A3/A73", sagt Rüdiger Thiem von der Verkehrspolizei Erlangen. Hier gebe es eine deutliche Unfallgefahr. "Wir erhoffen uns einen Rückgang der Unfallzahlen durch den sechsspurigen Ausbau der A3", sagt Thiem. Vor allem im Berufsverkehr morgens und abends sowie in der momentanen Hauptreisezeit sei die vierspurige  A3 oft heillos überlastet.

Ausbau der A 3 verzögert sich

Doch der Ausbau der Autobahn, der Entlastung bringen soll, lässt weiter auf sich warten. Der Baubeginn, eigentlich für das Frühjahr dieses Jahres geplant, wurde um ein Jahr verschoben. Der Grund: Der Vergabeprozess musste gestoppt werden. Die A3 soll in einem relativ neuen Modell ausgebaut werden. Nicht der Staat baut und betreibt die Autobahn, sondern ein Konsortium. Man nennt dies ÖPP-Modell, Öffentlich-Private Partnerschaft. Das Bundesverkehrsministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) hatte dieses Verfahren bevorzugt.

Zwei Angebote wurden eingereicht. Aber man habe festgestellt, so die Autobahndirektion, "dass beide Angebote Mängel aufwiesen, die aus Sicht der Vergabestelle zwingende Ausschlussgründe darstellen." Als neuer Baubeginn wird das Frühjahr 2020 anvisiert. Draußen bei den Einsatzkräften hört man, dass dringend etwas passieren müsse. "Wenn sich der Ausbau weiter verzögert, dann verschärft sich das weiter", sagt Stefan Brunner, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands ERH. Er rechnet damit, dass während des Ausbaus mehr Unfälle geschehen werden. Baustellen seien Hotspots für Unfälle. Einige Feuerwehren an der A3 würden mehr Autobahneinsätze verzeichnen. Die Heroldsberger Wehr müsse im Schnitt drei bis vier Mal auf die A3, wo man früher vielleicht alle zehn Tage raus musste, schätzt Brunner.

Feuerwehr alle 14 Tage auf der A 3

Bei der Feuerwehr Höchstadt ist es noch nicht so schlimm. Durchschnittlich 23 Mal im Jahr fahren die Höchstadter auf die A 3 für eine "Technische Hilfeleistung Kfz", so der Fachterminus . Ein Anstieg ist seit 2012 nicht zu erkennen. Erstaunlich ist das Jahr 2017. Hier gab es eine Verdopplung der Autobahneinsätze. In 2018 lag man aber wieder unterm Schnitt. 2019 schätzt die Feuerwehr Höchstadt bisher als "normales" Jahr ein, was die Fahrten auf die A 3 angeht.

"Die Strecke bei Höchstadt ist schon ein geplagter Abschnitt. Helfen würde der sechsspurige Ausbau", sagt Thomas Heideloff, BRK-Rettungsdienstleiter in Erlangen. Probleme gebe es häufig mit Sprintern und Kleinspediteuren, vor allem aus Osteuropa. Der Zeitdruck lasse sie unaufmerksam fahren.

Auch Wolfgang Lieberth vom ADAC nennt Unaufmerksamkeit als Problem. Gerade bei starkem Verkehr gelte: Abstand halten und vorausschauend fahren. Um Staus und Unfälle zu vermeiden, solle man nicht ständig die Spur wechseln und ruckhaft bremsen. "Das zieht sich wie eine Ziehharmonika nach hinten." Und dann, dann stehen mal wieder alle.

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