Herzogenaurach
Archäologie

Verborgene Schätze im einstigen Stadtgraben

Als wahre Goldgrube aus archäologischer Sicht präsentiert sich ein früherer Stadtgraben. Bauarbeiten haben dort zentnerweise Scherben zutage gefördert.
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Ein Teil der Stadtmauer von 1450 wurde freigelegt. Fotos: Birgit Srock, Bernhard Panzer, Jürgen Bauer
Ein Teil der Stadtmauer von 1450 wurde freigelegt. Fotos: Birgit Srock, Bernhard Panzer, Jürgen Bauer
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Im Grunde ist es einem kaputten Kanal zu verdanken, dass in der Innenstadt ein altes Gemäuer aufgetaucht ist. Hätten in den Anwesen zwischen Schütt und Hauptstraße nicht Abwasserrohre erneuert werden müssen, wäre der Bagger auch nicht auf einen besonderen Fund gestoßen. So aber hat sich die Schaufel durch einen Teil der Herzogenauracher Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert gegraben. Und so ganz nebenbei zentnerweise alte Scherben ans Tageslicht gefördert. Funde, die teilweise bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.

Jürgen Bauer ist einer der Eigentümer, die den Kanal dort erneuern ließen. Er erschließt auf dem Weg zwischen Schütt und Türmersturm auch noch ein paar Nachbaranwesen. Bei Michael Welker ist zudem das Mauerwerk eines bislang unbekannten Gebäudes aufgetaucht.

Schutthalde des Spätmittelalters

Dort, wo der Kanal erneuert werden musste, ist einst der Stadtgraben verlaufen, wie Bauer im FT-Gespräch erläutert. Und genau das hat dafür gesorgt, dass massenweise Schutt aus dem Mittelalter geborgen wurde. Da lagerten zerbrochene Töpfe ebenso wie Teller, man fand Ofenkacheln, aber auch Glas und Reste anderer Gefäße. Das sagte Archäologin Birgit Srock, die die Ausgrabung leitete. "Jede Baggerschaufel hat zehn Kilo Scherben herausgeholt", sagt sie.

Die Kanalarbeiten wurden gestoppt, als der Bagger auf große Sandsteinbrocken und Holzbalken stieß. Bekannt ist auf alten Katasterplänen, dass dort die alte Stadtmauer aus der Zeit um 1300 verlief, aber auch die neuere, die gegen 1450 errichtet wurde und den Innenstadtbereich vergrößerte. Auf die Unterkante dieser Mauer ist man gestoßen.

Und nicht nur das. Auch haben die Grabungen Uferbefestigungen des Stadtgrabens ans Licht befördert. Es wurden Holzpfähle gesichert, und vermoderte Reste eines Flechtwerks. Die haben das Ufer damals abgegrenzt. Der zehn Meter breite Stadtgraben stand, wie Birgit Srock erläutert, zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert unter Wasser. Danach, als die "neue" Stadtmauer gebaut war, hatte er keine Funktion mehr, weil das Gelände dann ja innerhalb der Stadtbefestigung lag. Also wurde der Graben dafür genutzt, um allerlei ausgediente Gegenstände dort zu entsorgen. Diese Schutthalde des Spätmittelalters entpuppt sich jetzt als Segen für die Geschichtsforscher.

Die gefundenen Holzpfähle sind teils gut erhalten, weil sie im Wasser waren. Sie werden jetzt untersucht, um das genaue Alter zu ermitteln, das Flechtwerk aber war völlig zerstört.

"Ich hätte nicht gedacht, dass da noch was da ist", sagte Jürgen Bauer. Er sei davon ausgegangen, dass etwaige Funde schon bei früheren Arbeiten beseitigt worden sind. Aber die Schätze schlummerten etwas tiefer in der Erde. In der darüber liegenden Schicht habe sich tatsächlich nur Bauschutt neuerer Zeiten gefunden.

Rätsel gibt noch das Mauerwerk auf, das im Nachbaranwesen Welker entdeckt wurde. "Keines der Gebäude aus dem alten Kataster passt", sagt die Archäologin. Es stand außerhalb des Stadtgrabens, aber innerhalb der neuen Stadtmauer, berichtet sie weiter. Es muss also aus der Zeit nach 1500 stammen. Der legendäre Königshof kann es also nicht sein, schmunzelte Bauer. Das Haus ist wohl gegen 1700 abgerissen worden.

Ruß vom Herdfeuer

Unter den vielen Scherben, die der Bagger gehoben hat, sind auch "wunderschöne Sachen", schwärmt Archäologin Srock. Ein großer Kochtopf zum Beispiel, an dessen Rand noch Ruß vom Herdfeuer klebt. Oder die Scherbe eines kunstvoll bemalten Tellers, wohl aus dem 15. Jahrhundert, oder Napfkacheln, die typisch für das 14. Jahrhundert sind. Oder Fayence-Gefäße auch aus der neueren Zeit um 1800, die dem Porzellan nachempfunden sowie glasiert und bemalt waren und das sich auch die weniger betuchten Menschen leisten konnten - Porzellan für Arme sozusagen. Oder auch schmucke Ofenkacheln.

So hat sich der einstige Stadtgraben zu einer wahren Schatztruhe entwickelt. "Die Leute warfen alles da rein", sagt Birgit Srock. Nein, alles nicht. Denn zur Goldgrube im sprichwörtlichen Sinn wurde er nicht. Wertvollen Schmuck hat in einem solchen modrigen Graben wohl niemand versteckt.



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