Höchstadt a. d. Aisch
Ausbildung

Unternehmen werben um Azubis

Beim Berufsinformationstag der Mittelschule präsentierten über 40 Aussteller sich und ihre Lehrberufe.
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Lisa Winter (hinten) erklärt Interessierten die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Firma Soldan.    Foto: Yannick Hupfer
Lisa Winter (hinten) erklärt Interessierten die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Firma Soldan. Foto: Yannick Hupfer
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Fast 572 000 Berufsausbildungsstellen sind bei der Bundesagentur für Arbeit im September 2019 gemeldet. Doch nur 512 000 Bewerber gab es im Berichtsjahr 2018/2019 überhaupt. Zahlen, die den Ausbildungsfirmen durchaus Kummer bereiten - und so müssen sie immer mehr um ihre Azubis buhlen. Am Samstag präsentierten sich viele Betriebe aus Erlangen-Höchstadt beim Berufsorientierungstag in der Mittelschule Höchstadt.

"Alle handwerklichen Berufe suchen händeringend Auszubildende", stellt Schulleiter Michael Ulbrich fest. Und sein Kollege aus Mühlhausen, Christian Schartig, steigt mit ein. Demnach seien Büro-Berufe weiterhin sehr beliebt. Auch Kfz-Mechatroniker sei noch ein begehrter Beruf. Bäcker, Metzger oder Koch möchten hingegen nur noch die wenigsten Jugendlichen werden - schon der Arbeitszeiten wegen.

Das Interesse der Schüler war allerdings groß an den insgesamt über 40 Ausstellern. "Ziel ist es, breit aufgestellt zu sein", sagt Ulbrich. Die Vielfalt an Ausbildungsberufen sei mittlerweile groß und viele Betriebe zeigten sich am Samstag. "Wir nehmen jeden Ausbildungsbetrieb", erklärt der Schulleiter das Projekt, das zuletzt 2017 an der Höchstadter Mittelschule stattfand. Die Hauptorganisation hatte der Elternbeirat der Schule übernommen.

Auf viel Interesse stießen am Samstag nicht nur die Büro-Berufe, sondern auch eine Ausbildungsstelle, die süß zu sein scheint: Süßwarentechnologe. Bei der Firma Soldan aus Adelsdorf kann man sich dazu ausbilden lassen und produziert Bonbons. Ausbildungsleiterin Lisa Winter nennt den Beruf auch den "Bonbon-Macher". "Bei uns ist nach wie vor der Industriekaufmann sehr gefragt", sagt Winter. Auszubildende zum Informatikkaufmann finde man hingegen schwer. Die öffentliche Verkehrsanbindung an Adelsdorf sei recht schlecht. Menschen, die Interesse an dem Job hätten und aus der Stadt kommen, bleiben laut Winter folglich auch in der Stadt und fahren nicht bis nach Adelsdorf. Aktuell gebe es in dem 220 Mitarbeiter starken Unternehmen neun Auszubildende.

Deutlich mehr sind es bei Schaeffler in Höchstadt. Unter den rund 1650 Mitarbeitern am Standort Höchstadt befinden sich 89 aktuell in Ausbildung. Doch auch Tina Paulus, zuständig für das Personal in Höchstadt, sagt: "Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger." Man habe zwar alle Ausbildungsstellen besetzt, doch die Anzahl der Bewerbungen geht zurück. Zuletzt machte das Unternehmen mit Kurzarbeit Schlagzeilen. Das habe allerdings laut Paulus keine Auswirkungen auf die Azubis. Es seien nur bestimmte Sparten betroffen gewesen - doch ohnehin müsse man bei den Ausbildungsplätzen langfristig denken. Deshalb stelle Schaeffler konstant viele Auszubildende ein, die im Normalfall anschließend übernommen würden.

Firmen müssen sich anstrengen

Auch bei der Firma Imo aus Gremsdorf gibt es zahlreiche Berufe, in denen man sich ausbilden lassen kann. Und es werden immer mehr. "Wir haben klein angefangen, aber es kommen jedes Jahr neue Berufe hinzu", sagt Ausbildungsleiterin Fatmire Kelmendi.

Man habe den Bedarf für bestimmte Berufsfelder festgestellt, auf dem Arbeitsmarkt aber niemand passenden gefunden. Deshalb inkludiert Imo immer wieder neue Ausbildungsstellen. Im kommenden Jahr kommt die Fachkraft für Metalltechnik mit dem Schwerpunkt Montagetechnik hinzu. Was Kelmendi feststellt: "Viele sagen: Mir ist es zu anstrengend." Deshalb müsse das Unternehmen viel dafür tun, genügend Auszubildende zu bekommen. Aktuell sind das 32.

Für die beiden Schüler Anton und Patrick, die beide in der Klasse M10a und damit kurz vor dem Abschluss sind, war der Tag ein voller Erfolg. "Man lernt einige Firmen kennen, die man vorher noch nicht kannte", stellte Anton fest. Zwar hat er seine Ausbildung als Bankkaufmann schon sicher, doch neue Unternehmen kennenzulernen, ist wahrlich kein Schaden. Denn Kontakte schaden ja bekanntlich nur dem, der keine hat. Und die konnten die Schüler am Samstag haufenweise knüpfen.

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