Herzogenaurach
Abwasser

Unter der Erde ruht die Technik

Zahlreiche unterirdische Bauwerke garantieren, dass das Regenwasser in Herzogenaurach geordnet abfließen kann. Jetzt geht das elfte Pumpwerk in Betrieb.
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Stefan Gumbrecht (links) von der Firma GBI im Gespräch mit Bürgermeister German Hacker und dem technischen Leiter Christian Bendler  Foto: Bernhard Panzer
Stefan Gumbrecht (links) von der Firma GBI im Gespräch mit Bürgermeister German Hacker und dem technischen Leiter Christian Bendler Foto: Bernhard Panzer
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Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein verborgenes Thema: das Abwasser. Denn das, was die Stadt unterirdisch an technischen Anlagen ruhen hat, bekommt der Bürger für gewöhnlich nicht zu sehen. Man kennt die Kläranlage und die großen Abwasserrohre - vor allem dann, wenn gerade die Straße vor der Haustür aufgegraben und zur Kanalbaustelle wird. Die Technik in den Regenüberlaufbecken und Pumpwerken schlummert jedoch verborgen in der Tiefe. Dabei sind es dort teils Bauwerke in Hallengröße, die da geschaffen wurden.

Die Stadt ist jetzt soweit, dass die Vorgaben des Generalentwässerungsplans aus den 90er Jahren erfüllt sind. Seither sind zahlreiche Bauwerke geschaffen worden, außerhalb der Kläranlage müssen mit allen Regenüberläufen und Regenrückhaltebecken 51 Anlagen unterhalten werden. Das sagte Bürgermeister German Hacker bei einem Ortstermin an einem neuen Pumpwerk in Niederndorf.

180 Kilometer Kanäle

Der technische Leiter für die Stadtentwässerung (SEH), Christian Bendler, hatte noch weitere beeindruckende Zahlen zusammengestellt. Das für die Kläranlage relevante Einzugsgebiet im Stadtgebiet beträgt demnach 640 Hektar. Das Kanalnetz in der Stadt umfasst 180 Kilometer. Es gibt allein elf Pumpwerke, acht Stauraumkanäle und neun Regenüberlaufbecken. Die Kläranlage ist für eine Größe von 65 000 Einwohnergleichwerten ausgebaut. Das Team der Kläranlage hat 13 Mitarbeiter.

Die neusten Maßnahmen und damit der Lückenschluss unter den geforderten Bauwerken sind der Stauraumkanal und das Pumpwerk in der Vacher Straße in Niederndorf. Gut zweieinhalb Millionen Euro kosten die beiden Maßnahmen. Das Einzugsgebiet, das über diese Stelle gefasst wird, beträgt 27 Hektar und umfasst damit große Teile des Niederndorfer Ortskerns, wie Bürgermeister Hacker feststellte. 600 Kubikmeter Volumen hat das Kanalnetz an dieser Stelle. Insgesamt sind 350 Meter Kanalrohre verbaut worden.

Der Stauraumkanal hat die gleiche Funktion wie ein Regenüberlaufbecken. Er muss in der Lage sein, Starkregen zurückzuhalten. Denn in der neuen Pumpanlage dürfen nur 22 Liter pro Sekunde weitergeleitet werden, um die Kapazität der Kläranlage nicht zu gefährden. Das Pumpwerk ruht in sechseinhalb Metern Tiefe.

Seine Errichtung wurde auch deshalb erforderlich, weil das alte Bauwerk veraltet war und abgebrochen werden musste. 70 Kubikmeter Stahlbeton verschwanden. Das neue Bauwerk besteht im Rohbau aus 250 Kubikmetern Stahlbeton und 30 Tonnen Bewehrungsstahl. Es sind zwei neue Pumpen mit einer Leistung von jeweils 5,5 Kilowatt verbaut.

Um den Komfort und vor allem die Sicherheit zu verbessern, ist ein kleines Haus gebaut worden. Das erlaubt den Mitarbeitern, über eine Treppe zur Anlage hinabzusteigen. Zeiten, in denen man in einen Schacht klettern musste, sind damit vorbei. Ein ordentlicher Zugang sei wichtig, sagt Hacker.

Knochenjob unter Tage

Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung verrichten ohnehin einen Knochenjob unter Tage. Bei den Kontrollen der Anlagen treten auch mal eigenartige Fundstücke auf. Da wurden auch schon mal Schlachtabfälle entsorgt, merkt Hacker kopfschüttelnd an. Und Bendler fügt einen wichtigen Hinweis hinzu;: Bitte keine Feuchttücher in die Toilette werfen! "Das macht uns überall Probleme und gehört überhaupt nicht in die Kläranlage", sagt er. Selbst Pumpen könnten beschädigt werden, wenn sich die zähe Masse um sie herumwickelt.

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