Adelsdorf
Brauchtum

"Uns wurde ein Kraut gegen den Tod geschenkt"

Vor Mariä Himmelfahrt binden die Frauen der Pfarrei St. Stephanus Wurzbüschel. Pfarrer Jaroslaw Nowaszczuk erläutert den christlichen Hintergrund.
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Pfarrer Jaroslaw  Nowaszczuk und die Frauen der Adelsdorfer Pfarrei St. Stephanus beim Binden der WurzbüschelJohanna Blum
Pfarrer Jaroslaw  Nowaszczuk und die Frauen der Adelsdorfer Pfarrei St. Stephanus beim Binden der WurzbüschelJohanna Blum
Viele fleißige Frauen der Pfarrei St. Stephanus in Adelsdorf bereiteten wie jedes Jahr am Vortag des Festes Mariä Himmelfahrt die Wurzbüschel vor, die im Festgottesdienst geweiht werden.
Wie in den katholischen Gemeinden ringsum, so wird auch in Adelsdorf und Aisch am Hochfest Mariä Himmelfahrt der alte Brauch der Kräuterweihe gepflegt.

Bereits am vergangenen Samstag hatten die Frauen mit dem Sammeln begonnen und sie fanden die Kräuter auf unbebauten Flächen rings um Adelsdorf. "Diesmal war es schon schwierig wegen der Trockenheit", meinte eine der Frauen. Allen Kräutern zu Ehren - egal ob bekannt oder unbekannt - werden die Sträuße gebunden. Sie weisen hin auf die Schönheit und Heilkraft der Natur, auf die Nähe des Schöpfers und sie sind Bitte um Heil und Heilung. "Uns wurde in Maria ein Kraut gegen den Tod geschenkt, von dem man normalerweise sagt, dass gegen ihn kein Kraut gewachsen ist", so Lina Papp.

Pfarrer Jaroslaw Nowaszczuk aus Stettin, der Urlaubsvertreter von Pfarrer Thomas Ringer, schaute sich bei den Frauen um und er erzählte ein bisschen vom Brauchtum in seiner Heimat und dem Hintergrund des Feiertags.


"Einer der wichtigsten Feiertage"

"Bei uns binden die Rosenkranzfrauen die Büschel und Mariä Himmelfahrt ist einer der wichtigsten Feiertage. Wir feiern, kommen zusammen und grillen an diesem Tag", erzählt er. "Die Verbindung Maria mit Blumen ist schon seit über1000 Jahren lebendig. Als die Apostel damals zum Grab Mariens kamen, fanden sie statt des Leichnams nur Blumen und Kräuter. Maria ist schon immer mit Wundern und Heilungen mit Blumen und Kräutern in Zusammenhang gebracht worden. Bei uns in Polen finden an diesem Tag sogar Prozessionen mit Blumen statt."

Die Verbindung mit Ostern betonte er besonders: "Maria ist der erste Mensch, der mit Leib und Seele in den Himmel aufgefahren ist. Das stand bereits im 7. Jahrhundert fest. Das Dogma von Papst Pius XII. im Jahr 1952 bekräftigte einfach diese Tatsache, da sie nicht von allen Theologen anerkannt wurde. Maria zeigt uns unser Ziel und wir freuen uns, dass wir diese Zukunft haben: Unser Leib gehört wie die Seele in den Himmel!"


Spenden erwünscht

Wer kein eigenes Wurzbüschel für den Gottesdienst dabei hat, kann vorher die fertig gebundenen Kräutersträuße von den Frauen gegen eine Spende bekommen. Von den 130 gebundenen Büscheln bleiben bestimmt wie immer fast keine übrig. Pfarrer Jaroslaw weiht diese während der heiligen Messe und Davide Pusterla, der Ferienorganist aus Uggiate-Trevano, sorgt für die Besucher wieder für den besonderen musikalischen Genuss.

In Aisch bietet das Blumenschmuckteam der Pfarrei St. Laurentius die Wurzbüschel ebenfalls vor Beginn der Messe um 8.30 Uhr an.

Den Strauß hängen die Gottesdienstbesucher zu Hause zum Trocknen auf. Die Reste der Kräuter werden traditionell ins Osterfeuer gegeben. Der Erlös der Spenden ist für den Blumenschmuck der Kirche und für die Putzmittel gedacht.


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