Erlangen
Antisemitische Inhalte

Uni Erlangen: Lehramtsstudenten teilen Hitler-Bilder in WhatsApp-Gruppe - Kripo ermittelt

In einer Chatgruppe von Lehramtsstudierenden der Universität Erlangen-Nürnberg sind offenbar antisemitische Inhalte gepostet worden. Die Kriminalpolizei hat in dem Fall Ermittlungen aufgenommen.
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In einer Chatgruppe Erlanger Studenten sind mutmaßlich antisemitische Inhalte gepostet worden. Die Kripo hat in dem Fall Ermittlungen aufgenommen. Symbolfoto: Sara Michilin / Adobe Stock
In einer Chatgruppe Erlanger Studenten sind mutmaßlich antisemitische Inhalte gepostet worden. Die Kripo hat in dem Fall Ermittlungen aufgenommen. Symbolfoto: Sara Michilin / Adobe Stock

Lehramtsstudenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben in einer WhatsApp-Gruppe offenbar antisemitische Inhalte gepostet. Als Profilbild wurde das Universitätslogo zusammen mit dem Konterfei von Adolf Hitler verwendet, der den Hitler-Gruß zeigend von Judensternen umrandet wird. In der Gruppe sollen rund 200 Gymnasiallehramtsstudenten vernetzt sein. Eine Nutzerin veröffentlichte entsprechende Screenshots aus dem Verlauf der Chatgruppe auf Twitter. In dem Fall ermittelt nun die Kriminalpolizei.

Universität Erlangen: Studenten posten Hitlerbilder in Gruppenchat

Der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist die Angelegenheit bekannt. Die Uni wurde von der Twitter-Nutzerin, die auf die WhatsApp-Gruppe aufmerksam gemacht hat, über den Vorfall informiert. Wie die FAU-Pressestelle inFranken.de mitteilte, handelt es sich bei der Gruppe um einen privaten Chat, der unberechtigterweise das Logo der Universität benutzt.

"Die Identitäten der Chat-Teilnehmenden sind für uns daher nicht nachvollziehbar. Die Universität ist weder mit der Logo-Nutzung noch mit dem Inhalt des Chats in irgendeiner Weise einverstanden und hat bereits die zuständigen Behörden informiert" heißt es in einer schriftlichen Erklärung, die inFranken.de vorliegt.

Die FAU habe Weltoffenheit und Toleranz in ihrem Leitbild verankert und dulde auch keine verfassungsfeindlichen Äußerungen. "Dies haben wir auch in diesem Zusammenhang öffentlich so kommuniziert." Die Uni stehe in Kontakt mit der Twitter-Nutzerin und gehe der Angelegenheit intern nach. Aus Datenschutzgründen könne die Universität jedoch keinerlei Angaben zu der genannten Nutzerin machen.

Antisemitismusvorwurf: Studenten bitten um Gespräch

Zugleich verschickte die für das Lehramtsstudium verantwortliche Vizepräsidentin Education, Bärbel Kopp, eine mahnende Mail an die potenzielle Adressatengruppe des Chats. Laut Universität meldeten sich daraufhin die betreffenden Personen und baten um ein Treffen.

Bei diesem habe Kopp mit den Studierenden über mögliche Konsequenzen gesprochen und deutlich gemacht, dass ein solches Verhalten mit den Grundsätzen einer Demokratie nicht zu vereinbaren sei - insbesondere nicht bei angehenden Lehrkräften. In dem Gespräch habe der Antisemitismusvorwurf jedoch glaubhaft ausgeräumt werden können.

Mögliche Straftat: Polizeiermittlungen gehen weiter

Die behördlichen Untersuchungen in dem Fall halten indes an. Im Gespräch mit inFranken.de bestätigte Michael Petzold, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, am Freitag (6. Dezember 2019), dass es Ermittlungen in dem Fall gibt. "Fakt ist, dass uns ein Screenshot zugeleitet worden ist, aus dem sich der Anfangsverdacht einer möglichen Straftat ergeben hat", so Petzold.

Konkret werde derzeit geprüft, inwieweit Verstöße gegen den Paragrafen 86a des Strafgesetzbuches vorlägen, indem Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet worden seien. Wir prüfen, ob die mögliche WhatsApp-Gruppe existiert und wer deren Gründer sind."

Judensterne und Hitler-Bilder in Chatgruppe- Polizei und Uni im Austausch

Das Fachkommissariat der Erlanger Kriminalpolizei hat in dem Fall die Ermittlungen aufgenommen. Aufgrund der laufenden Ermittlungen könne die Polizei derzeit nicht bestätigen, dass es sich bei der mutmaßlichen Chatgruppe um eine Gruppe von Lehramtsstudenten handele. "Polizeilich ist das auch sekundär", betonte Petzold, "es ist egal, ob das Studenten oder Bauarbeiter waren. Letztendlich geht es um die Aufklärung der Straftat."

Gleichwohl bestätigte der Polizeisprecher, dass auf dem vorliegenden Screenshot Fotos zu sehen seien, die "Judensterne, wie sie in der Mitte des letzten Jahrhunderts gebräuchlich waren" sowie Adolf Hitler beim Hitlergruß zeigten. Im Zuge ihrer Ermittlungen stehe die Polizei im Austausch mit der FAU, denn nur so lasse sich der Sachverhalt aufklären.

Antisemitismusbeauftragter: "Anonymität dient als Brandbeschleuniger"

Laut Deutscher Presse-Agentur nannte der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle, das Vorgehen der Studenten "symptomatisch". Das Internet und die sozialen Medien dienten wegen ihrer vermeintlichen Anonymität und Abgeschlossenheit der Gruppe als "Brandbeschleuniger", um den Holocaust zu verherrlichen.

In der Lehrerausbildung in Bayern müssten auch Informationen über Antisemitismus und Präventionsmaßnahmen gegen Antisemitismus vermittelt werden. Nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuchs ist das Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen strafbar.

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