Herzogenaurach
Einsatz

Lkw verliert Hunderte Liter Schlamm: Zähe Masse kilometerweit auf A3 verteilt

Am Freitagmorgen ist es zu einem großen Feuerwehreinsatz auf der A3 in Mittelfranken gekommen: Hunderte Liter Klärschlamm mussten von der Fahrbahn beseitigt werden. Ein arbeits- und geruchsintensiver Job.
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Der Klärschlamm bedeckte die Fahrbahn auf mehr als einen guten Kilometer. Foto: Michael Busch
Der Klärschlamm bedeckte die Fahrbahn auf mehr als einen guten Kilometer. Foto: Michael Busch
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"Oh, Scheiße" - das geht Einsatzkräften immer mal wieder durch den Kopf, wenn sie nach einer Alarmierung an der Einsatzstelle eintreffen. Am Freitagmorgen (9. August 2019), gegen fünf Uhr, war dieser Ausruf allerdings eine tatsächliche Zustandsbeschreibung. Auf gut 1,6 Kilometer befand sich Klärschlamm auf der Fahrbahn.

Diesen hatte nach ersten Angaben der Verkehrspolizei Erlangen wohl ein Laster verloren, der auf der Einfahrt Heßdorf/Erlangen-West in Richtung Höchstadt auf der A 3 unterwegs war. Nach ersten Angaben geschah das wohl gegen 02.30 Uhr in der Nacht, da in der Folge vermehrt Notrufe bei der Polizei eingingen. Die Anrufer teilten mit, dass sie auf der rechten Spur mit ihren Fahrzeugen auf einer schmierigen Masse ins Rutschen geraten seien. Die Polizei stellte vor Ort fest, dass auf der Zufahrt und dann auf dem rechten Fahrstreifen etwa eineinhalb Kilometer Schlamm auf der Fahrbahn lag.

Schlamm auf der A3: Übler Geruch am Einsatzort

Zunächst versuchten Mitarbeiter der Autobahnmeisterei diesen schmierigen Teppich zu beseitigen, was aber aufgrund der Zähigkeit der Masse nicht wirklich gelang. Kurz vor fünf Uhr wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Heßdorf und Dechsendorf alarmiert, um mit ihren Fahrzeugen mit Wassertanks, entsprechend die Reinigung zu unterstützen. Kein leichtes Unterfangen, da der Schlamm sich nur schwer entfernen ließ. "Wir haben vor der Kehrmaschine versucht, den Schlamm auf die Seite zu spülen. Gleichzeitig sollte die Kehrmaschine den dann gelockerten Schmutz aufnehmen", erklärte der Kommandant aus Dechsendorf, Thomas Schneider.

Er gab zu, dass der "üble Geruch den Einsatz nicht wirklich einfach gestaltete". Der Klärschlamm war allerdings auch nicht einfach zu entsorgen. Mit dem Wasserstrahl konnte der Deckenbelag der Autobahn zwar gereinigt werden, das aber mit hohem Wasseraufwand. Durch das leichte Gefälle der Autobahn in Richtung Mittelstreifen drohte die abgeschwemmte Masse aber auch auf die Mittelspur zu laufen. Dort setzte der Berufsverkehr ein.

Zäher Klärschlamm auf A3 bei Erlangen: Spezialfirma angefordert

Die Verbreitung der schmierigen Masse auf dieser Fahrbahnseite hätte eventuell zur Schließung dieser Spur führen können. Daher entschlossen sich die Verantwortlichen der Meisterei und der Polizei, dass eine Spezialfirma zum Einsatz kommen sollte. Diese wurde aus Forchheim angefordert.

Der Klärschlamm selber ist ein Abfall aus der abgeschlossenen Behandlung von Abwasser in Kläranlagen, der aus Wasser sowie aus organischen und mineralischen Stoffen besteht, die wiederum in gelöster und in fester Form vorliegen. Klärschlamm ist im Ausgangszustand dünnflüssig und dunkel gefärbt. Durch Schwerkrafteindickung werden Feststoffgehalte von etwa zwei bis fünf Prozent erreicht.

Risikogruppe 2

Unproblematisch war der Einsatz nicht, da laut der Biostoffverordnung Klärschlamm in die minder schwere "Risikogruppe 2" (von 4 Gruppen) fällt. Der Schlamm kann Mikroorganismen enthalten, die beim Menschen Infektionskrankheiten hervorrufen. Eine Verbreitung solcher Infektionskrankheiten in der Bevölkerung durch Klärschlamm ist aber unwahrscheinlich. Die Aufnahme von Klärschlamm (zum Beispiel durch Verschlucken, über offene Wunden, Ekzeme oder durch Einatmen) ist zu vermeiden. In Deutschland darf Klärschlamm seit 1992 nicht auf Obst- und Gemüseanbauflächen ausgebracht werden.

Für die eingesetzten Kräfte hieß dies, dass nach dem Aufenthalt auf der Autobahn die Einsatzkleidung komplett ausgetauscht und das Auto entsprechend gesäubert werden musste. Schneider erklärte: "Der Einsatz hat bis etwa sieben Uhr gedauert, die Herstellung der Einsatzfähigkeit nochmals eine gute Stunde." Und er fügt grinsend hinzu: "Dafür glänzt unser Hilfslöschfahrzeug (HLF) wieder wie neu!"

Die Kräfte waren sich in einem Punkt einig: "Das war mal ein richtiger Scheißeinsatz!"

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