Herzogenaurach
Versuchte Vergewaltigung

Überfall auf Frau in Herzogenaurach: Darum kam der mutmaßliche Täter nicht in U-Haft

Samstagnacht wurde in Herzogenaurach eine Frau auf offener Straße fast vergewaltigt. Das sind die Gründe der Justiz, warum der Mann nicht in U-Haft kam.
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Foto: Symbolbild
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Es gebe keinen Grund, den mutmaßlichen Täter in Untersuchungshaft zu nehmen. So bewertete die zuständige Ermittlungsrichterin den Fall der versuchten Vergewaltigung am vergangenen Wochenende in Herzogenaurach.

In der Nacht zum Sonntag, gegen 2.30 Uhr, hatte nach Angaben der Polizei ein 18-Jähriger in der Straße Am Hirtengraben eine Frau, die zu Fuß unterwegs war, verfolgt und dann überfallen. Laut Mitteilung der Polizei hielt er sie fest und versuchte sie zu vergewaltigen. Als sie sich wehrte und um Hilfe rief, stieß er sie zu Boden, wobei sich das Opfer schwer verletzte.

Anwohner kamen zu Hilfe und hielten den Mann fest, bis die Polizei eintraf. Wie das Polizeipräsidium Mittelfranken auf Nachfrage mitteilt, handelt es sich bei dem Mann um einen Deutschen, der zugleich die US-amerikanische Staatsangehörigkeit hat.

Über den Herkunftsort wollte Polizeisprecherin Alexandra Federl nichts sagen. Er stamme aber aus der Region. Die Ermittlungen gegen den Mann laufen derzeit noch. Details zum Tathergang könnten daher nicht gegeben werden.

Dass der 18-Jährige wieder auf freien Fuß gesetzt und nicht in Untersuchungshaft genommen wurde, stieß bei vielen Lesern der Polizeimeldung im Internet auf Unverständnis. Auf Nachfrage des Fränkischen Tags erklärt Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist.

Keine schwerwiegenden Gründe

Zunächst habe der Bereitschaftsstaatsanwalt zwar noch Antrag gestellt, den 18-Jährigen in Untersuchungshaft zu nehmen. Die zuständige Ermittlungsrichterin habe jedoch zu erkennen gegeben, dass sie keinen Anlass sehe, der eine U-Haft rechtfertigen würde und den Antrag wohl ablehnen würde. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft ihren Antrag auf U-Haft wieder zurückgezogen. Die Richterin habe mehrere Gründe genannt, die gegen eine U-Haft sprechen, sagt die Oberstaatsanwältin.

Der mutmaßliche Täter sei gerade erst 18 Jahre alt geworden, weshalb er strafrechtlich als Heranwachsender zu behandeln sei. Da es sich um einen Deutschen mit festem Wohnsitz handle, bestehe keine Fluchtgefahr. Zudem sei er noch nicht "strafrechtlich gewichtig" in Erscheinung getreten, so Gabriels-Gorsolke. Ein weiterer Punkt sei gewesen, dass sich der 18-Jährige "kooperativ gezeigt" habe, als die Polizei eintraf.

Die Oberstaatsanwältin verteidigt die Entscheidung der Ermittlungsrichterin, die im juristischen Sinne nachvollziehbar sei. Für eine U-Haft müssten schwerwiegende Gründe vorliegen. Da es keine einschlägigen Vorstrafen gebe, sei nicht damit zu rechnen, dass es sich um einen Wiederholungstäter handeln könnte. Zudem gebe es "keine konkrete Gefahr, dass er sich des Verfahrens entzieht."

"Opferschutz ist kein Haftgrund"

Und wie sieht es mit dem Opfer aus? Die Frau musste nach Angaben der Polizei in eine Klinik gebracht werden und wurde stationär behandelt. Der mutmaßliche Täter befindet sich in Freiheit. "Opferschutz ist kein Haftgrund", erklärt die Oberstaatsanwältin. Die Regeln, wann eine Untersuchungshaft angemessen ist, seien aus gutem Grund sehr eng gefasst.

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