Erlangen
Gericht

Trotz Reue zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt

Ein 19-Jähriger aus München musste sich in Erlangen vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Bei der Bergkirchweih im vergangenen Jahr hatte er einen jungen Mann mit einem Maßkrug schwer verletzt.
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Durch den Schlag mit dem Maßkrug  erlitt der Geschädigten  erheblichen Verletzungen  mit Langzeitfolgen. Symbolfoto: Christopher Schulz
Durch den Schlag mit dem Maßkrug erlitt der Geschädigten erheblichen Verletzungen mit Langzeitfolgen. Symbolfoto: Christopher Schulz

Eigentlich sollte es für den Angeklagten aus München ein lustiger Abend auf der Bergkirchweih in Erlangen werden. Stattdessen musste er sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten. Im vergangenen Jahr soll der 19-Jährige bei dem Fest einem 27-Jährigen einen Maßkrug auf den Kopf geschlagen haben, der sich dabei zwei Platzwunden am Kopf sowie schwere Verletzungen an der Hand zuzog.

Erinnerung mit Lücken

"Ich habe bereits ein Bier getrunken, bevor wir auf das Fest gegangen sind. Dort hab ich dann noch zwei Maß getrunken", übersetzt die Dolmetscherin für den jungen Mann aus dem Iran. Normal trinke er keinen Alkohol, da er Moslem sei. An den Tathergang könne er sich nicht mehr genau erinnern.

Erinnerungslücken waren bei dieser Verhandlung allgemein ein Problem: Sowohl der Münchener, sein Freund, den er in Erlangen besuchte, als auch der Geschädigte und dessen Freund waren an dem Tag im Mai alkoholisiert. "Ich war bei dem Fest nicht, um zu streiten. Ich war dort mit Freunden und wollte Spaß haben."

Auch der 27-jährige Geschädigte aus Erlangen wollte keine Probleme. "Ich wartete auf meine Freundin, die mit einem der Fahrgeschäfte fuhr. Da hab ich dann den Angeklagten schon total laut rumschreien gehört." Es kam zur verbalen Auseinandersetzung, als der Iraner sehr nah an ihm vorbeiging, ihn "blöd" von der Seite anredete und ansah. "Ich wollte dann wissen, ob er ein Problem mit mir hat", erklärt er.

Die zwei Freunde der Rivalen versuchten den Streit noch zu schlichten und die Gemüter zu beruhigen. "Ich habe mich dann bei dem deutschen Jungen entschuldigt und ihm erklärt, dass mein Freund einfach zu viel getrunken hat", übersetzt die Dolmetscherin für den Zeugen.

Ihm zufolge seien es jedoch auch beim Angeklagten statt drei Flaschen Bier, sieben bis acht gewesen sein. Das erklärt den hohen Alkoholwert von 1,93 Promille, der beim Angeklagten festgestellt wurde. Die Situation eskalierte und der Iraner schlug dem Geschädigten mit dem Bierkrug auf den Kopf.

Umschulung nötig

Durch den Schlag mit dem Maßkrug erlitt der 27-jährige Geschädigte schwere Verletzungen. Noch in derselben Nacht musste er notoperiert werden. Seit Mai konnte er deshalb nicht mehr arbeiten. "Ich spüre meinen kleinen Finger nicht mehr. Als Anlagenmechaniker kann ich jetzt nicht mehr arbeiten und muss eine Umschulung machen."

Die Begleiterin des Angeklagten aus seinem Wohnheim konnte sich dessen Ausraster auch nicht erklären. "Er ist nie irgendwie negativ oder gar aggressiv aufgefallen. Er war eher derjenige, der versucht hat Konflikte zu schlichten." Die einmonatige Untersuchungshaft scheint beim Angeklagten wohl ihre Wirkung zu zeigen. "Einfach alles war schlimm", erzählte er weinend.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte aufgrund der "Brutalität der Tat" und den schwerwiegenden Folgen für den Geschädigten eine Jugendstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, gemeinnützige Arbeit sowie Schmerzensgeld für den 27-Jährigen.

Verteidiger Nils Junge hingegen schlug vier Wochen Dauerarrest vor, da sich sein Mandant zuvor nichts zu Schulden kommen hatte lassen.

Richter Wolfgang Pelzl verurteilte den 19-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten mit einer Bewährungszeit von drei Jahren, 50 Stunden gemeinnützige Arbeit, sowie einem monatlichen Schmerzensgeld über diese Zeit an den Geschädigten. Ein Bewährungshelfer soll den jungen Mann zusätzlich unterstützen.

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