Herzogenaurach
Gemütlichkeit

Treff im Herzogenauracher Backofenkeller: Kartler und Kleeblatt

Im Backofenkeller von Rudi "Butzn" Schürr in Herzogenaurach trifft sich gern eine illustre Gesellschaft zum Muggen und zum Fachsimpeln über Fußball.
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Aus diesem Blatt lässt sich was machen: Carmen Maier war die einzige Frau beim Muggerturnier. Neben ihr von links: Franz Schumack, "El Chico", der Spanier, Hans-Heinrich Weber, Ludwig Spieß und Heiner Kaltenhäuser. Fotos: Bernhard Panzer
Aus diesem Blatt lässt sich was machen: Carmen Maier war die einzige Frau beim Muggerturnier. Neben ihr von links: Franz Schumack, "El Chico", der Spanier, Hans-Heinrich Weber, Ludwig Spieß und Heiner Kaltenhäuser. Fotos: Bernhard Panzer
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Rudi Schürr ist ein genügsamer Mensch. Oft genügt es ihm schon, wenn er die Menschen um sich hat, die er mag. Und deshalb lädt der "Butzn", wie seine Freunde ihn nennen, diese Leute alle paar Monate zu sich in den Keller ein. Dann wird gekartelt und aus dem hauseigenen Backofen gibt's Pizza oder Braten.

Dieses Jahr war es schon dreimal so weit, dass sich die Kartlerrunde dort traf. 16 Leute dürfen kommen, denn mehr passen nicht rein, wie "der Stift", einer der Gäste, weiß. Hermann heißt er, aber seinen vollen Namen mag er nicht sagen. Namen sind Schall und Rauch, und bekannt sind sie ja sowieso, wenigstens unter den älteren Herrschaften Herzogenaurachs.

Die Belegschaft wechselt schon mal, doch der Stamm bleibt der gleiche. Darauf legt der "Butzn" Wert, denn ein paar besondere Freunde will er da schon um sich haben.
Den "Kees" zum Beispiel, der bei kaum einer Kartelrunde wegzudenken ist, und wenn es die Kirchweihkartler am Martinimontag im Vereinshaus sind. Der "Kees" hat auch einen richtigen Namen, und den nennt er auch, auch wenn ihn jeder weiß: Hans-Heinrich Weber, die lebende Hausmeister-Legende der Realschule.

Und dann ist da noch ein Heiner. Der Kaltenhäuser nämlich. Der ist auch eine Hausmeister-Legende, war viele Jahre der heimliche Chef im Rathaus. Da gab's dann in einer langen Stadtratssitzung auch schon mal ein Heller Pils für die meist recht einsamen, geduldig ausharrenden Polit-Interessierten im Publikum. Der Heiner hat auch einen Spitznamen, aber den darf nicht ein Jeder sagen. "Ich darf das", sagt der "Butzn" und freut sich, dass der "Baggers" an diesem Nachmittag eben auch gekommen ist.

Und dann stimmen sie alle in das Lied ein, das die meisten der illustren Runde vereint, das Lied der Fürther Kleeblättler: "Dass wir vom Ronhof sind, das weiß ein jedes Kind, wir reißen Bäume aus, wo keine sind". Draußen über der Haustür hängt das Schild noch, das von der Meisterfeier und vom Aufstieg kündet. "Das bleibt hängen", sagt Martin Kollmer, ein überzeugter Fan des Kleeblatts. Nicht nur weil die Enkelin Tina es gemacht hat, sondern weil man es ja bald wieder braucht. Damit mag er Recht behalten, nach vier Spieltagen steht Greuther Fürth mit vier Siegen an der Tabellenspitze der neuen Saison: "Dass wir vom Ronhof sind, halli hallo..."
Es ist ungefähr zehn Jahre her, da reifte bei Rudi Schürr und Andreas Kaltenhäuser, der mit seiner Familie im gleichen Haus lebt, die Idee, einen Backofen zu bauen. Der Kellerraum war dafür ideal, und so informierte sich der Andy bei einem Ofenbauer in Effeltrich, holte sich dessen Rat und Tat ein und dann wurde er gebaut, der Ofen. Mit Schamottsteinen wie es sich gehört. Schäuferle gab's da, und ein Wildschwein vom Jäger hat man auch mal gebraten. Zum Karteln gab's jetzt Pizza.

Die aber holte man keineswegs aus dem Supermarkt. Da wird alles selber gemacht, für den Teig sind Gerlinde und Betty Kaltenhäuser zuständig, die Ehefrauen vom Andy und dessen Vater Heiner. Währenddessen heizt Andreas den Backofen an, und an den Tischen rauchen die Köpfe beim Muggerturnier. Dreimal 20 Spiele werden da absolviert, die Punkte werden addiert und aufgeschrieben. Diesmal hat der "Chermy" - auch einer, der seinen Namen nicht nennen mag - die Nase vorn, Armin Pschierer wird Zweiter und Lothar Göbel landet auf Platz drei. Einen Ehrenplatz gewinnt Carmen Maier. Die junge Frau hat sich diesmal unter die Männerrunde gemischt und muggt eifrig mit.

"Internationale" Runde

Und dann wird gefeiert und gelacht. Mitten drin der Manni vom ASV und der Meggy aus'm Heller, der "Spießn Schluck" aus Niederndorf und der Chico, ein echter Spanier. Damit wird die Runde "international", denn mit dem "Bademeister" zählt auch ein Sachse zum festen Stamm der Kartelfreunde. Kurzum: "Es sind Leit, die ich einfach mooch", sagt der "Butzn". Und alle stimmen gemeinsam ein in das Lied, das ihnen so leicht über die Lippen geht: "Dass wir vom Ronhof sind..." Wer weiß, vielleicht steht ja bald wieder eine (Herbst-)Meisterfeier im Backofenkeller an.

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