Niederndorf
Pädagogik

Tierischer Besuch im Kinderhaus St. Josef

Durch Hündin Stella lernten die Kleinen von St. Josef Niederndorf in den vergangenen neun Wochen Respekt und Achtung vor allen Lebewesen.
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Zum Abschied gab es für Stella Leckerli und Streicheleinheiten. Foto: Richard Sänger
Zum Abschied gab es für Stella Leckerli und Streicheleinheiten. Foto: Richard Sänger
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Tiere in der Kita können eine Bereicherung sein und einen wichtigen Beitrag zur Entfaltung der Gesamtpersönlichkeit der Kinder leisten, davon ist auch die Leiterin des Kinderhauses St. Josef in Niederndorf, Katrin Lengenfelder, überzeugt. Mit einer Preisverleihung und der Urkundenübergabe an 22 Kinder verschiedener Altersstufen endete im Kinderhaus ein zwölfwöchiges Experiment, bei dem die neunjährige Hündin Stella die Hauptrolle spielte. Ein Hund in der Kita, geht das überhaupt? Auf jeden Fall, findet Katrin Lengenfelder ebenso wie Hundebesitzer Klaus Pause, der das Experiment ehrenamtlich begleitete.

Tiere seien Impulsgeber für viele Lernprozesse. Sie regen laut Pause die menschlichen Sinne an. In vielen Ländern sind Tiere in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Einrichtungen bereits seit vielen Jahren gängige Praxis. Wie Katrin Lengenfelder erzählte, sind auch im Kinderhaus St. Josef bereits Tiere beheimatet. In einem Terrarium sind Ameisen untergebracht, in einem anderen tummeln sich Springmäuse und in einem Aquarium fühlen sich Fische wohl. "Die Kinder betreuen die Tiere, lernen ihre Verhaltenswiesen kennen, können sich aber nicht mit ihnen unterhalten, mit ihnen kuscheln oder sie streicheln", erzählte die Leiterin. Deswegen wurde nach einem Elternabend das Experiment mit Klaus Pause und seiner Hündin Stella gestartet, aber es ging eben nur mit maximal 22 Kindern, obwohl am liebsten alle mitgemacht hätten.

"Die Kinder lernen so den richtigen und respektvollen Umgang mit Tieren. Ängstlichen Kindern kann die Angst genommen werden, indem man sie Schritt für Schritt an das Tier gewöhnt. Wenn sie merken, dass der Hund kein Feind ist, lernen sie vielleicht, in Zukunft etwas Positives mit dem Hund zu verbinden", erläutert Pause das Experiment. Zu Beginn wurde kindgerecht vieles über Hunde vermittelt und es wurden Dinge gegenübergestellt, die ein Mensch braucht und ein Hund braucht. Schließlich wurde Stella vorgestellt und die Kinder erfuhren die Lebensgeschichte der von einer Tierschutzorganisation stammenden Hündin. "Stella liebt (fast) alle Menschen, egal welches Alter", erzählt Pause.


Kinder werden selbstsicher

In den vergangenen Wochen wurde den Kindern im spielerischen Umgang mit dem Tier Respekt und Achtung vor allen Lebewesen vermittelt. Zudem lernten die Kinder im geschützten Bereich Signale des Hundes zu deuten und einen selbstsicheren Umgang mit dem Tier.

"Die Kinder müssen lernen, dass sie mit Hunden nicht umgehen können wie mit einem menschlichen Spielkameraden oder einem Spielzeug", erklärt Klaus Pause. Ängstliche und unsichere Kinder erhielten die Chance, herauszufinden, ob sie Hunde mögen oder nicht und konnten so eigene Vorurteile und Bedenken überwinden.

Die Kinder konnten mit Stella spazieren gehen und die Hündin machte auf Befehl Sitz und Platz oder gab die Pfote. Am letzten Tag wurde Stella nach der Siegerehrung eines Malwettbewerbs verabschiedet und nochmal mit Leckerli und Streicheleinheiten verwöhnt. Bei der Preisübergabe war Stella zum ersten Mal in der Turnhalle, sonst waren die Übungseinheiten und Begegnungen immer im Garten des Kinderhauses.

"Das war ein spannendes Experiment und hat unsere Erwartung mehr als erfüllt. Die Kinder haben ihr Verhalten geändert und von Stella gelernt", erzählt Katrin Lengenfelder. Deswegen soll in Abstimmung mit den Eltern das Vorhaben weitergeführt werden. Und Klaus Pause wird auch mit der ausgebildeten Stella wiederkommen, braucht aber Verstärkung, weil immer nur eine gewisse Anzahl der Kinder teilnehmen kann, um den Hund nicht zu überfordern. Allerdings soll der Hund einen erfolgreichen Wissenstest oder eine vergleichbare Prüfung absolviert haben und über ein tierärztliches Attest verfügen.


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