Herzogenaurach
Rathaus-Neubau

Teppich oder Parkett im Sitzungssaal?

Die ersten Vergaben fürs Innere des neuen Rathauses sorgten im Stadtrat für Diskussionen. Der Bodenbelag muss erneut auf die Tagesordnung. Aufgehoben wurde ein Beschluss von 2018 über den Sonnenschutz. Eine Textillösung wurde verworfen.
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Die Webcam am Schloss zeigt den Baufortschritt. Die archäologischen Ausgrabungen sind zwischenzeitlich verfüllt.  Foto: Stadt
Die Webcam am Schloss zeigt den Baufortschritt. Die archäologischen Ausgrabungen sind zwischenzeitlich verfüllt. Foto: Stadt

Nur beim Teppichboden reichte es nicht für eine Mehrheit, dieses Thema muss erneut auf den Tisch. Sonst aber gab's in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend mehrheitlich grünes Licht. Zweimal ging es da um den Neubau des Rathauses und bereits um eine künftige Ausstattung des neuen Domizils der Stadtverwaltung.

Das geschieht zu einem Zeitpunkt, da noch nicht einmal der Rohbau des neuen Rathaus beauftragt wurde und jetzt zunächst die Baugrube noch Schwerpunkt der Arbeiten ist. Denn am 11. November beginnt der Spezialtiefbau. Also es werden die Betonpfähle gebohrt, um die Baugrube zu sichern und das Schloss beim folgenden Tiefbau zu schützen.

Doch schon jetzt wurde über die Gestaltung des Sitzungssaals abgestimmt und der Sonnenschutz für die Fenster festgelegt. Letzteres müsse so bald passieren, da das auch Bestandteil des Rohbaus ist, erläuterte Bürgermeister German Hacker (SPD). Warum aber muss über den Sitzungssaal schon jetzt beschlossen werden, fragte sich CSU-Stadtrat Konrad Körner. Das Haus sei doch frühestens erst in drei Jahren gebaut. Und sein Fraktionskollege Frank Gäbelein stellte gar den Antrag, den Punkt Sitzungssaal von der Tagesordnung abzusetzen.

Seiner Meinung nach bräuchte es eine genaue Kostengegenüberstellung. Schließlich seien die Vorschläge nochmal abgeändert worden. Gäbelein wolle nicht einfach abnicken, sondern "auf den Preis gucken". Das mache jeder private Hausbauer schließlich auch. Christoph Schmidt vom Architekturbüro BSS aus Nürnberg beschwichtigte: Das Budget werde durch die neue Variante nicht erhöht.

Demnach sollte der Stadtrat, nach der Vorberatung im Planungsausschuss, über zwei Teilpunkte beschließen. So sollte der Bodenbelag als Teppichboden ausgeführt werden. Und bei der Gestaltung generell wollte man heller werden. Das obere Drittel der Wand wird demnach nicht mit Holz verkleidet, sondern wird als weiße Oberfläche in Trockenbauweise ausgeführt. Die Decke bekommt ebenfalls keine Holzverschalung, sondern auch diese Ausführung.

Mit einer Stimmengleichheit von 14 zu 14 wurde der Teppichboden jedoch abgelehnt. Retta Müller-Schimmel von den Grünen hatte zuvor eine getrennte Abstimmung beider Teile beantragt und eine deutliche Mehrheit hierfür bekommen. Sie hätte lieber einen Parkettboden, aus ökologischen Gründen. Jetzt muss über den Bodenbelag erneut beschlossen werden.

Gegen den Punkt Sitzungssaal stimmten CSU und Freie Wähler. Erstere, weil ihr Antrag auf Absetzung abgelehnt wurde. Und die beiden Freien Wähler lehnen generell einen Rathausneubau an dem Standort ab. Dennoch war die Zustimmung im gesamten Stadtrat mit 18:10 Stimmen komfortabel.

Sonnenschutz

Und dann war da noch der Sonnenschutz. Hier gab es eine Zustimmung von ebenfalls 18 gegen zehn Stimmen. Bereits der Planungsausschuss hatte eine Aufhebung des ursprünglichen Beschlusses vom März 2018 beschlossen. So kommt nun statt eines textilen Sonnenschutzes ein so genannter Raffstore in Alu zur Ausführung. Schlechte Erfahrungen mit Textil hatten die Stadt bewogen, sich umzuentscheiden.

Bemerkenswert daran ist, dass Bürgermeister German Hacker, der von Anfang an gegen Textil war, in seiner Haltung nun bestätigt wurde. Dem CSU-Stadtrat Walter Drebinger wollte das nicht gefallen. Der Stadtrat hatte damals mit 19 gegen sechs für Textil gestimmt, auch weil das von den Architekten groß angepriesen und als besser bezeichnet worden sei. Das sollte man jetzt auch beibehalten, auch gegen Hackers Meinung. "Aber die rot-grüne Mehrheit folgt jetzt brav dem Bürgermeister", sagte er. SPD-Fraktionsvorsitzender Curd Blank versuchte, Drebinger zu überzeugen. Immerhin habe man jetzt Erfahrungen aus der Praxis und man sollte daraus lernen können.

Schon die ersten Vergaben fürs Innere des neuen Rathauses entwickelten sich also spannend. Zehn Gegenstimmen gegen die Gestaltung des Sitzungssaals, ein Patt bei dessen Bodenbelag und gar eine Ablehnung bei der Pförtnerloge im vorbereitenden Planungsausschuss. Die beiden letzteren müssen erneut auf den Tisch. Und es stehen noch viele weitere Vergaben an.

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