Nach intensiven Gesprächen zwischen Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) und dem Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums, Professor Heinrich Iro, hat das Uni-Klinikum zugestimmt, keinen Antrag für den kompletten Abriss der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt (Hupfla) an der Schwabachanlage zu stellen. Damit könnte ein Teil der ehemaligen Patienteneinrichtung als Gedenkort erhalten werden, teilt die Stadtverwaltung mit. Um auf dem Gebiet des nördlichen Hupfla-Kopfbaus Spitzenforschungseinrichtungen des Uni-Klinikums und der Max-Planck-Gesellschaft einzurichten, wird in etwa die Hälfte des bestehenden Gebäudes abgebrochen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die 1846 eingeweihte und 1977 zu großen Teilen abgebrochene Hupfla in Erlangen ein Ort der Euthanasie. 908 Patienten von hier wurden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion in Tötungsanstalten ermordet. Zwischen 1940 und 1945 starben darüber hinaus rund 1850 Patienten, davon etwa 1500 an den direkten oder indirekten Folgen mangelhafter Ernährung.

Beirat gegründet

Auf einen fraktionsübergreifenden Antrag zurückgehend wurde 2017 ein Beirat gegründet, der die "Schaffung eines ,Ortes der Erinnerung‘ an die Ermordung von Menschen mit psychischer Erkrankung der Heil- und Pflegeanstalt" vorantreiben soll. Aufgabe ist die Entwicklung eines Konzeptes für einen Ort des Erinnerns und darüber hinausgehende Formen des Gedenkens. Die konkreten Planungen für die Umsetzung eines Erinnerungsortes befinden sich laut Pressemitteilung derzeit in der Anfangsphase.

Zudem wurde ein Forschungsprojekt initiiert, bei dem in Kooperation von Lehrstuhl für Geschichte der Medizin und Stadtarchiv die Ereignisse in der Heil- und Pflegeanstalt zwischen 1933 und 1945 aufgearbeitet werden sollen. Ziel ist nicht nur eine allgemeinverständliche Publikation zur Geschichte der Anstalt, sondern auch ein Gedenkbuch für die Opfer und deren Angehörige.

Das Areal der ehemaligen Hupfla nimmt zugleich eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Universitätsklinikums ein. In den kommenden Jahren soll auf dem nördlichen Teil des Geländes ein Forschungszentrum von weltweit herausragender wissenschaftlicher Bedeutung angesiedelt werden. Es handelt sich dabei um das "Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin" (MPZ-PM), mit dem die Max-Planck-Gesellschaft, die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) und das Universitätsklinikum das Ziel verfolgen, modernste physikalische und mathematische Forschung auf patientenrelevante Fragestellungen in der Medizin anzuwenden.

Bereits heute befinden sich auf dem Gelände verschiedene forschungsbezogene Einrichtungen des Universitätsklinikums, darunter das Translational Research Center 1 (TRC 1). Im TRC forschen ursprünglich getrennt voneinander agierende Bereiche in einem hochmodernen Umfeld an der Diagnostik und der Therapie von Erkrankungen. Eine intensive Zusammenarbeit zwischen Physikern, Ingenieuren und Medizinern und eine Infrastruktur, die diese Zusammenarbeit fördert, sind dabei erforderlich. In den kommenden Jahren soll das TRC 1 um die Bauteile TRC 2 und TRC 3 erweitert werden.

Räumliche Nähe erforderlich

Im Zusammenspiel beider Entwicklungen handelt es sich um eine weltweit einmalige Forschungszusammenarbeit im Bereich der Medizin. Die einzelnen Bestandteile erfordern engste räumliche und funktionale Nähe zueinander, so die Stadtverwaltung.

Oberbürgermeister Janik zeigte sich erfreut, dass durch die Einigung mit dem Universitätsklinikum auch ein Teil des nördlichen Kopfbaus in die Gedenkkonzeption einbezogen werden kann. "Es ist gut, dass in der Diskussion die Zukunftschancen für die Spitzenforschung in Erlangen und die Erinnerung an die Verbrechen in unserer Stadt nicht mehr gegeneinanderstehen", sagte Janik. Die gemeinsam mit dem Universitätsklinikum angestoßene Diskussion um das künftige Gedenken an die Euthanasie-Opfer in der Hupfla habe deutlich gemacht, dass auch dieser Gebäudekomplex in der Erarbeitung eines Gedenkkonzeptes berücksichtigt werden müsse. Nun könne die Diskussion in ganzer Breite geführt werden, sagte Janik.

Wichtige Rahmenbedingungen und Möglichkeiten zur Gestaltung des Gedenkens seien jetzt klar. Die Ausarbeitung eines Gedenkkonzepts brauche nun aber ebenso wie die Klärung der finanziellen Ausgestaltung Zeit. Zugleich werde mit dem nun gefundenen Kompromiss das Universitätsklinikum die Sicherheit erhalten, dass es die Hälfte des bestehenden Gebäudes abreißen könne. "Gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft sind wir froh, dass es endlich Planungssicherheit für das Spitzenforschungszentrum am Universitätsklinikum Er-langen gibt", sagte Iro.