Herzogenaurach
Mindestlohn

Taxifahren wird wohl auch in Höchstadt teurer

Wenn die Taxi-Unternehmer ihren Fahrern ab Januar mehr zahlen müssen, werden sich auch die Tarife erhöhen. Einen entsprechenden Vorschlag prüft derzeit das Landratsamt.
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Carola Marek fährt seit 19 Jahren Taxi in der Region rund um Höchstadt. Foto: Peter Groscurth
Carola Marek fährt seit 19 Jahren Taxi in der Region rund um Höchstadt. Foto: Peter Groscurth
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Wer im Landkreis das Taxi nutzt, wird wohl schon bald tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Grund für die drohende Preiserhöhung ist die Einführung des Mindestlohns ab Jahresbeginn 2015. Im Landratsamt liegt derzeit die Liste mit den Tarif-Vorschlägen der 19 Taxi-Unternehmer. Die Behörde prüft diese und entscheidet dann über die Genehmigung.

Derzeit liegt der Grundpreis bei drei Euro, laut Taxi-Unternehmern soll er um 20 Cent auf 3,20 Euro steigen. Der gefahrene Kilometer kostet aktuell 1,60 Euro und könnte bald schon 1,90 Euro kosten.

Hannah Reuter, Pressesprecherin des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt, erklärt gegenüber dieser Zeitung: "Auch Nürnberg und Erlangen werden ihre Taxi-Tarife bald anheben. An diesen Steigerungen werden wir uns auch orientieren." Wohl Ende November wird der Nürnberger Stadtrat das Thema diskutieren.
Im Gespräch sind 3,40 Euro Grundpreis (derzeit drei Euro) und 1,75 Euro für den gefahrenen zweiten bis fünften Kilometer (anstatt 1,50 Euro).

Noch ist allerdings unklar, wann genau die Tariferhöhung im Kreis Erlangen-Höchstadt kommen wird. Fakt ist: die Unternehmer und Taxi-Betreiber sind vorbereitet. Wie etwa Veronika Stütz-Zwingel - sie hat in ihrem Fahrdienst unter anderem auch zwei Taxen.

Ist der Mindestlohn für die Unternehmerin ein Problem? "Eher weniger. Meine Aushilfsfahrer bekommen von jeder Fahrt, die sie machen, eine 40 prozentige Provision ausbezahlt", erklärt Stütz-Zwingel. Teure Standzeiten kennt die Geschäftsfrau für ihre Taxen nicht, ihre Fahrer warten meist zuhause auf Aufträge und fahren dann die Kunden direkt an.

Verträge bereits angepasst

Hauptgeschäft des Betriebs von Stütz-Zwingel sind Schulfahrten und der sogenannte Schüler-Spezialverkehr, bei dem behinderte Kinder und Jugendliche gefahren werden. "Die Arbeitsverträge meiner Angestellten und Aushilfsfahrer sind bereits für den Mindestlohn angepasst. Nun muss ich mit meinen Auftraggebern für die Schulfahrten verhandeln, ob ich hier meine Tarife erhöhen kann", so Stütz-Zwingel.

Ganz anders ist dagegen die Lage in Forchheim: Joachim Schertel von der dortigen Taxi-Vereinigung sagt: "Derzeit verdienen Fahrer etwa 6,50 Euro in der Stunde. Mit dem Mindestlohn wird wohl die Zahl der Aushilfsfahrer abnehmen."

Höhere Fahrtarife für die Kunden soll es zunächst erstmal nicht geben. Schertel erklärt: "Wir sehen uns zunächst an, wie sich der Mindestlohn für uns auswirkt." Im ersten Halbjahr 2015 wollen die Forchheimer Unternehmer dann entscheiden, ob sie die Gebühren für Taxifahrten erhöhen werden und dies beim Landratsamt beantragen. Zurzeit kostet der Kilometer im Kreis Forchheim 1,50 Euro und die Grundgebühr liegt bei 2,70 Euro.

Bundesweit stehen dem Taxi-Gewerbe wohl harte Einschnitte bevor. Bis zu 70000 Fahrer könnten infolge des Mindestlohns ihren Job verlieren, weil die Unternehmen die höheren Lohnkosten nicht tragen können. Das wäre etwa ein Drittel aller Mitarbeiter in Deutschland.

Der Staat ist allerdings auch kein Musterschüler als Vorreiter beim Mindestlohn, weiß Stütz-Zwingel. "Manche unserer Busfahrer brauchen eine Begleitperson. Die bekommt über das Kultusministerium einen Lohn von 7,65 Euro in der Stunde. Doch ob hier die Zahlung auch steigen wird, ist noch nicht einmal geklärt. Die Regierung von Mittelfranken klärt diese Frage gerade mit dem Kultusministerium in München."


Der Mindestlohn in Deutschland

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