Röttenbach

Fränkischer Swingerclub: Anwohner wollen Sex-Treff nicht dulden

Die Nachricht hat sich in Röttenbach wie ein Lauffeuer verbreitet. Ein Swingerclub direkt an der Hauptstraße? Es formiert sich Widerstand.
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Im  Erdgeschoss-Vorbau  des Hauses in Röttenbach  sind die Scheiben bereits verdunkelt. Wenn es nach dem Betreiber geht, finden hier bald Swinger-Treffen statt.  Foto: Christian Bauriedel
Im Erdgeschoss-Vorbau des Hauses in Röttenbach sind die Scheiben bereits verdunkelt. Wenn es nach dem Betreiber geht, finden hier bald Swinger-Treffen statt. Foto: Christian Bauriedel
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Zunächst waren es Gerüchte, dass in die ehemalige Videothek ein Sex-Treff einziehen will. Dann wurde daraus Gewissheit. Im Internet wird für eine Eröffnung am 4. Januar geworben.

"Wir wollen hier keine Swingerorgien", sagt ein Bewohner der Mehrparteienhauses. "Das können die Leute irgendwo im Industriegebiet machen. Hier wohnen kleine Kinder. Der Jugendclub Area 51 ist gleich um die Ecke." Für den jungen Mann ist die Ansiedlung eines solchen Etablissements an dieser Stelle ein Unding. Wer wolle schon mit seiner Familie über einem Refugium für Gruppensex wohnen?

Sex-Treff in Röttenbach: Fenster kippen, ohne "Sachen" zu hören

"Wir möchten im Sommer noch unsere Fenster kippen können, ohne irgendwelche Sachen hören zu müssen." Dazu komme, dass die Eigentumswohnung durch einen Sex-Club darunter wohl nicht gerade im Wert steigen werde. Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet.

Das Gebäude am Forstacker liegt an der südlichen Ortseinfahrt unweit der Hauptstraße. Oben gibt es Eigentumswohnungen, unten ein Versicherungsbüro, im Nachbarhaus eine Boutique. Davor einige Parkplätze, die von der Hauptstraße gut einsehbar sind. Eine intim-diskrete Lage sieht anders aus.

Plan kommt zufällig ans Licht

Bei der Gemeinde sei man aus allen Wolken gefallen, sagt Bürgermeister Ludwig Wahl (FW). "Wir haben von nichts gewusst." Über mehrere Ecken sei es am Montag zum Bauamt vorgedrungen. "Wir haben das durch Zufall erfahren", sagt Wahl. Er sei empört. Nicht nur über das Vorhaben, sondern auch über das Vorgehen des Betreibers. Der normale Weg wäre gewesen, bei der Gemeinde eine Nutzungsänderung zu beantragen. Dann hätte man im Gemeinderat entschieden. "Aber wir haben bis heute nichts auf dem Tisch liegen", sagt Wahl. "So geht es einfach nicht."

Nachdem die Sache im Ort bekannt wurde, seien bei der Gemeinde "die Telefone gar nicht mehr stillgestanden". Das Bauamt habe sich vom Eigentümer der Gewerbefläche bestätigen lassen, dass er diese an einen Swinger-Club-Betreiber vermietet hat. Dass die Räume vorbereitet werden, darauf weisen erste Renovierungen hin.

Wie ein Anwohner berichtet, seien Teppiche entfernt und die Innenwände lila gestrichen worden. Die Fensterscheiben wurden verdunkelt. Die Gemeinde schaltete das Landratsamt als Bauordnungsbehörde ein, das ebenfalls nichts von den Plänen wusste. Bisher sei kein Antrag eingegangen, sagt Hannah Reuter, Sprecherin des Landratsamtes. Es gebe bald einen Termin mit dem Betreiber.

"Gang Bang" und "FKK-Special"

Dieser heißt Goran Balic und führt mit dem "Relaxxx e.V. Swingerclub" bereits in Lauf an der Pegnitz ein solches Etablissement. Laut Webseite gibt es dort in zehn Räumen auf 750 Quadratmetern eine "Spielwiese" für 200 Personen. Im Angebot: "FKK Gang Bang Special", "Sexy Nikolaus Party" oder eine "Sexy Christmas Party".

Am Telefon gibt sich Balic zugeknöpfter. Er verweist auf den Termin mit dem Bauamt des Landratsamts. Mehr gebe es nicht zu sagen. "Einen schönen Tag noch" - und legt auf. Trotz des Widerstands in Röttenbach: Im Internet bewirbt der Verein noch immer das "Grand Opening" im Januar. "Es wird klein aber fein", heißt es. "Über zwei Ebenen" werde man die Gäste "verzaubern". Zugang gebe es nur nach Anmeldung, "keine anonymen und keine Laufkundschaft". Neun Personen haben sich angemeldet, 32 den Termin vorgemerkt. Darunter stehen Preise und Rabatte: Männer ab 80 Euro, Damen ab 20 Euro.

Der Bürgermeister ist sich sicher, dass die Eröffnung nichts wird: "Wir werden alles versuchen, es zu verhindern." Ein Swingerclub passe nicht nach Röttenbach. Vom Landratsamt hört man, es prüfe, ob der Verein die Räume überhaupt als "Versammlungsstätte" nutzen darf.

Eine Röttenbacherin, die bis vor kurzem in dem Haus gewohnt hat, ist diplomatisch: "Wegen mir sollen die Leute doch sowas machen. Aber sicher nicht dort. Das passt besser ins Gewerbegebiet."

Auch in Höchstadt hat man Erfahrungen. Kürzlich wurde ein Erotik-Shop in der ehemaligen Disko im Kieferndorfer Weg abgelehnt, 2018 wurde ein Swingerclub nicht zugelassen.

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