Röttenbach
Sex-Treff

Swingerclub im Röttenbacher Mischgebiet? Behörden zeigen dem Betreiber Grenzen auf

So leicht ist es offenbar nicht, einen Swingerclub zu eröffnen. Das musste der Betreiber lernen, der in Röttenbach dementsprechende Pläne hat.
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In dieses Haus in Röttenbach soll ein Swingerclub einziehen. Anwohner und Gemeinde wehren sich dagegen. Foto: Christian Bauriedel
In dieses Haus in Röttenbach soll ein Swingerclub einziehen. Anwohner und Gemeinde wehren sich dagegen. Foto: Christian Bauriedel

Die Gemüter in Röttenbach erhitzen sich, seitdem bekannt wurde, dass im Erdgeschoss und im Keller eines Mehrparteienhauses nahe der Hauptstraße ein Swingerclub einziehen möchte.

Der Fall hat mittlerweile größeres Medieninteresse bekommen. Nicht nur die Lokalpresse berichtete, auch das Bayerische Fernsehen sendete in der Frankenschau einen Beitrag. Bayern 1 brachte es im Radio.

Nun wurde ein weiteres Kapitel in dem Fall aufgeschlagen. Wie Hannah Reuter-Özer, Pressesprecherin des Landratsamtes dem Fränkischen Tag mitteilt, hat am Donnerstagvormittag ein Gespräch mit dem Betreiber stattgefunden. Der Termin wurde kurz nach Bekanntwerden der Pläne vergangene Woche angesetzt.

Mit dabei gewesen sei gestern nicht nur der Swingerclub-Chef sondern auch der Eigentümer der Ladeneinheit, in der sich früher eine Videothek befand. Sie tauschten sich mit Vertretern des Kreisbauamts aus. "Es war ein sehr sachliches Gespräch", sagt Reuter-Özer. Es habe eher Informationscharakter gehabt.

Fachleute erläutern das Baurecht

Der (Noch-nicht-)Betreiber, der in Lauf an der Pegnitz bereits einen solchen Sex-Treff leitet, habe darüber informiert, was er in Röttenbach vor hat. Die Fachleute vom Kreisbauamt hätten wiederum baurechtliche und immissionsschutzrechtliche Bestimmungen erläutert.

Das wenig überraschende Fazit: Alles muss seinen ordentlichen Weg gehen. Das bedeutet, dass der Club nicht einfach so eröffnen könne, sondern der Betreiber, der das ganze Swingervergnügen als Verein organisiert, einen Antrag auf Nutzungsänderung bei der Gemeinde stellen muss.

Diesem Antrag müsse eine detaillierte Betriebsbeschreibung beiliegen, sagt die Sprecherin des Landratsamts. Die Gemeinde berät dann darüber. Das Ergebnis leitet sie dann an das Landratsamt weiter, das den Fall daraufhin prüfen werde, sagt Reuter-Özer.

Dabei gehe es zum Beispiel auch um Fragen, ob etwa ein dauerhaftes "Verweilen" auf der Gewerbefläche zulässig ist, und, ob eventuell eine Schanklizenz erteilt werden müsste.

"Das ist der normale Weg", sagt Ludwig Wahl, Bürgermeister von Röttenbach (FW), auf Anfrage des Fränkischen Tags. Er gibt sich ganz gelassen: "Wir warten auf den Antrag. Das geht an die Bauverwaltung der Gemeinde. Und dann wird sich unser Bauausschuss damit befassen."

Nein, ein Januartermin des Bauausschusses sei noch nicht angesetzt, sagt Wahl in einem Ton, der eine gewisse Süffisanz nicht verbirgt. Soll wohl heißen: Keine Eile. Am 4. Januar werde es mit dem "Grand Opening" des Clubs sicher nichts. Und wenn es nach dem Bürgermeister und dem Gemeinderat geht auch danach nicht. Man werde alle rechtlichen Register ziehen. Es stünden viele Fragen an. Wahl erwähnt etwa den Brandschutz.

Werbung steht noch online

Zu Redaktionsschluss am Donnerstag stand die Werbung für die Swingerparty in Röttenbach noch online. Der Betreiber war telefonisch nicht zu erreichen.

Dass die Sache so hochkochte lag vor allem daran, dass die Bevölkerung nur über Umwege - ein Werbebanner im Internet - von der Sache Wind bekommen hatte. Weder Gemeinde noch Landratsamt wussten von den Plänen. Anwohner sind verärgert und starteten eine Online-Petition (siehe unten).

Stand der Laden vorm Verkauf?

Hört man sich um, erfährt man von Gerüchten, kürzlich habe es einen Interessenten aus dem Bereich Pharmazie gegeben, der die alte Videothek kaufen wollte. Der Eigentümer aus Erlangen habe nicht verkauft. Ein paar Monate darauf sei ans Licht gekommen, ein neuer Mieter ziehe ein - der Swingerclub.

Vor allem Mieter und Wohnungseigentümer in dem Haus mit zwölf Parteien sind auf der Palme. "Wir sind nicht prüde", sagt einer. Das Etablissement passe nicht zum Umfeld, in dem Menschen wohnen. Es geht auch um Wertminderung der eigenen Wohnung. Eine Einheit soll gerade verkauft werden, es gebe einen Interessenten, der nun einen Rückzieher machen könnte. Zu schlecht sei das Image, das ein Treff für Gruppensex im selben Objekt hinterlässt.

Onlinepetition gegen den Swingerclub in Röttenbach

Gegen einen Swingerclub gibt es eine Petition von Bürgern auf www.openpetition.de mit derzeit 154 Unterstützern, 78 aus Röttenbach. 195 müssen es werden, damit Open-Petition den Gemeinderat um eine Stellungnahme bittet. Es hat also eher symbolischen Charakter. In Kommentaren drücken Röttenbacher ihren Unwillen aus: "Passt nicht zentral ins Dorf", "Ein Swingerclub gehört für mich nicht in ein Gebiet, in dem Familien mit Kindern leben. Hierfür gibt es sich besser geeignete Orte", "Diese Einrichtung wird das Gesamtbild der Immobilie massiv verschlechtern."

Die Anti-Spießer - ein Kommentar von Autor Christian Bauriedel:

Es ist einfach, den Aufruhr in Röttenbach zu belächeln. Wenn das Fernsehen berichtet, liegt es nahe, das ganze als Lokalposse abzutun. Haha, schau nur wieder an, die Prüderie auf dem Lande. Einfach machen es sich damit die, die nicht dort wohnen. Die Anti-Spießer aus der Ferne quasi.

Wer in einem Einfamilienhaus in der schmucken, ruhigen Siedlung mit ebenso ruhigen Nachbarn wohnt, hat leicht spotten. Mancher kann sich vielleicht nicht ganz ausmalen, wie es ist (mit Kindern) in einem Zwölfparteienhaus zu leben. Den Wert des Eigenheims schmälert so ein Etablissement auf jeden Fall. Wer den Immobilienmarkt kennt, weiß, es gilt: Lage, Lage, Lage.

Ist ein Swingerclub etwas schmuddeliges? Ja. Etwas unmoralisches? Nein. Soll jeder treiben, was er möchte. Die Aussage, "das passt einfach nicht zum Ort" ist daher pauschal und falsch. Als sei der Röttenbacher an sich ein keusches, triebloses Wesen. Wer weiß: Vielleicht hätte sich ja im Gewerbegebiet ein Plätzchen gefunden, wenn der Betreiber nur mit der nötigen Offenheit mit seinen Plänen umgegangen wäre. Offenheit, die mancher nun von den spießigen Anwohnern einfordert.

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