Wüstenbuch
Untersuchung

Sturm knickt Windrad-Flügel nahe Schlüsselfeld

Jetzt wird nach der Ursache dieses äußerst seltenen Ereignisses beim Schlüsselfelder Ortsteil Wüstenbuch geforscht.
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Einfach abgebrochen ist dieser Flügel eines Windrads bei Wüstenbuch.   Fotos: privat
Einfach abgebrochen ist dieser Flügel eines Windrads bei Wüstenbuch. Fotos: privat
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Es wird von Fachleuten als "extrem selten" eingestuft, was am Sonntagabend auf einem Acker nahe dem Schlüsselfelder Ortsteil Wüstenbuch passierte. Während des Sturms brach von einem 56 Meter langen Flügel eines Windrads die Spitze ab und krachte zu Boden.

Im Dezember 2016 waren die beiden Windräder aufgestellt worden. Schon zwei Jahre vorher begannen heftige Proteste gegen dieses Projekt. Die Gegner konnten den Bau letztlich aber nicht verhindern. Die Windräder stehen auf einer Vorrangfläche für Windkraft - da nützte auch ein ablehnender Beschluss des Schlüsselfelder Stadtrats nichts.

Eine Bürgerin aus Wüstenbuch, die die Windräder von ihrer Terrasse aus sieht, hörte am Morgen nach dem Sturm ein krachendes Geräusch. Ein anderer Wüstenbucher setzte sich auf seinen Traktor, fuhr hoch zu den Anlagen und entdeckte auf dem Acker die rund zehn Meter lange Spitze eines Flügels. Das Teil war einfach abgebrochen.

Wie es dazu kommen konnte, wird jetzt bei der Firma "Technische Werke Schussental" eruiert. Der Ökostromanbieter aus Ravensburg betreibt den kleinen Windpark im Steigerwald. Helmut Hertle, technischer Geschäftsführer des Unternehmens, erklärte auf Anfrage des FT, dass man derzeit noch keine realistische Aussage darüber treffen könne, wie es zu dem Abbruch der Flügelspitze kam.

Ein solcher Vorfall sei äußerst ungewöhnlich und komme sehr selten vor. Fest stehe bisher nur, "dass die Anlage beim Bruch bereits gestanden hat". Bei einer Windgeschwindigkeit von etwa hundert Stundenkilometer werden die Anlagen aus dem Wind genommen und die Flügel so gedreht, dass sie keinen Widerstand mehr bieten. Beim Sturm am Sonntagabend seien 150 Stundenkilometer gemessen worden, was den Anlagen mit einer Nabenhöhe von 140 Metern normalerweise aber auch nichts ausmacht.

Als Ursache vorstellbar sind für Hertel verschiedene Szenarien: kurzzeitig extrem hohe Windgeschwindigkeiten, eventuell in Kombination mit einem Blitzschlag, oder trotz aller Qualitätsprüfungen eine Macke an dem Blatt. Bis Dienstag soll die Ursache geklärt werden. Dann wird ein komplett neuer Flügel montiert. Weil das in 140 Metern Höhe passiert, muss erst wieder ein spezieller Kran aufgebaut werden, der das knapp zwölf Tonnen schwere Rotorblatt in die Höhe zieht.



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