Medbach
Geruchsemission

Streit um die Kompostanlage in Medbach

Um Gestank zu vermeiden, will der Landkreis den Biomüll am liebsten in einer Halle zu Kompost verwerten lassen. Doch so einfach scheint das nicht zu sein. Im Umweltausschuss wurde leidenschaftlich diskutiert.
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Im Moment gibt es auf der Medbacher Kompostanlage nur eine Überdachung. Gerüche minimieren könnte eine geschlossene Halle. C. Bauriedel
Im Moment gibt es auf der Medbacher Kompostanlage nur eine Überdachung. Gerüche minimieren könnte eine geschlossene Halle. C. Bauriedel

Dass die Geruchsbelastung in Medbach durch die nahe Kompostanlage teils stark ist und dass Handlungsbedarf besteht, da war man sich am Freitag einig. Doch im Weg, wie man dem Geruchsproblem zu Leibe rücken könnte, da endete die Eintracht unter den Kreisräten im Umweltausschuss.

Wie der Fränkische Tag am Donnerstag berichtete, wird die Bioabfall- und Grüngutverwertung des Landkreises neu ausgeschrieben. Eigentlich ein Standardverfahren alle acht bis zehn Jahre. Diesmal jedoch hakte es bei der Beschlussfassung etwas.

Denn der Landkreis will erstmals eine eingehauste Kompostierung des Biomülls zum Kriterium machen, welcher Betrieb den Zuschlag bekommt. Jedoch soll dies bei der Ausschreibung nur eine nachrangige Rolle spielen. Hauptkriterium bleibt der Preis des Angebots. Bei einer Ausschreibung werden Punkte vergeben. In diesem Fall: 90 Punkte für den Preis, den das Unternehmen macht, 10 Punkte fürs "Kriterium Einhausung".

Bleibt alles beim Alten?

Das heißt: Wenn eine Firma keine eingehauste Kompostierung hat, aber die günstigste ist, bekommt sie trotzdem den Zuschlag. In Medbach könnte das bedeuten: Es bleibt alles beim Alten. Die Freien Wähler hatten eine Einhausung ins Spiel gebracht. Diese sei wegen der Belastung der Anwohner "zwingend". Die Hoffnung: Der Betreiber rüstet die Medbacher Anlage nach. Geruch weg.

Halle ist keine Pflicht

Doch so einfach ist das wohl nicht. Das stellte gestern Landrat Alexander Tritthart (CSU) dar. Als Gast hatte man sich Sabine Kögl von einer Beratungsfirma eingeladen, eine Expertin in Sachen Ausschreibungen. Eine Einhausung könne nicht zum verpflichtenden 100-Prozent-Kriterium einer europaweiten Ausschreibung gemacht werden, so Kögl.

Einerseits, weil man sonst Gefahr laufe, dass sich keine Privatfirma in der Gegend findet, die das leisten kann. Andererseits, weil dann der bisherige Betreiber einen Wettbewerbsnachteil geltend machen könne. Beziehungsweise, so ihre Einschätzung, der bisherige Betreiber kein Angebot abgeben kann, weil er den Bau einer Halle eventuell nicht stemmen könne. Daraus resultiere: Eine Halle kann man nicht vorschreiben.

Vor allem bei FW und Grünen regte sich Widerspruch. "Es gibt beträchtliche Kritik der Anwohner", sagte Martin Oberle (FW). Axel Rogner (FW) pochte ebenfalls auf eine Minimierung der Geruchsbelastung: "Ich möchte hier eine Lanze für die Medbacher brechen. Die Geruchsbelästigung in manchen Zeiten ist unerträglich."

Kolbet redet sich in Rage

Christiane Kolbet (Grüne) forderte, dass eine Einhausung in der Ausschreibung stärker berücksichtigt werden müsse. "Diese Anlage in Medbach stinkt. Und zwar gotterbärmlich. Es wundert mich, dass die Medbacher noch nicht auf den Barrikaden sind. Gerade in dem heißen Sommer war es unerträglich."

Rogner forderte, dass zumindest maximal hoch bewertet werden soll, dass nur eine Firma mit Halle den Auftrag bekommt. Mehr als die zehn Prozent seien schwierig, so die Expertin. Vielleicht 15.

Landrat Alexander Tritthart (CSU) versuchte die Debatte immer wieder auf das eigentliche Thema zu lenken - die Ausschreibung. Man sei hierbei zur Neutralität verpflichtet.

Den Vorwurf von Kolbet, für den jetzigen Betreiber (CSU-Gemeinderat in Aurachtal) Partei zu ergreifen, wehrte er als "Unverfrorenheit" zurück. Aufgabe sei, eine rechtlich einwandfreie Ausschreibung zu machen, nicht irgendwelche Kriterien auf einen unterstellten Lieblingskandidaten zuzuschneidern. "Es geht heute nicht um die Medbacher Anlage", erinnerte auch Hans Lang (CSU).

Der Landrat hob hervor, dass man nun zum ersten Mal eine Einhausung zum Teilkriterium mache, wenn auch nicht zum verpflichtenden. Zudem müsse man alle Landkreisbürger im Blick haben. Jede Verteuerung der Entsorgung müsste auf die Gebühren umgelegt werden.

Die Anlage in Medbach sei emissionsschutzrechtlich genehmigt. Und wenn dort nicht der Biomüll aus ERH verwertet wird, dann sucht sich der Betreiber eben anderen Bioabfall. Darauf verwiesen auch Gabriele Klaußner (CSU) und Günter Schulz (SPD). "Die Frage ist: Wie können wir den Medbacher Bürgern helfen? Aber das geht nicht auf die Schnelle", so Schulz.

Der Landrat, der Medbach das Geruchsproblem auch attestierte, kündigte an, die Anlage noch einmal emissionsrechtlich ganz generell prüfen zu lassen. Mit der Ausschreibung habe das allerdings rein gar nichts zu tun.

Was sagt der Betreiber dazu?

Der Inhalt der Biotonnen wird in Medbach angeliefert und von der Kompostier-Betriebs GmbH mit Sitz in Münchaurach verarbeitet. Geschäftsführer ist Konrad Kreß.

Er warte ab, was die Ausschreibung ergibt. Ihn interessieren die Details. Also was eine Einhausung genau sein soll. Hier schaffte auch die Sitzung des Umweltausschusses gestern keine Klarheit.

"Mit ein paar Seitenwänden ist es nicht getan", sagt Kreß mit Blick auf seine vorhandene Überdachung.

Ob eine Halle an diesem Standort wirtschaftlich sinnvoll wäre, bezweifelt er. Würde er freiwillig dem Landkreis mit einer Einhausung entgegenkommen? "Eine Nachrüstung will ich theoretisch nicht ausschließen." Hierzu bräuchte es aber "entsprechenden Vorlauf". Er wolle abwarten, welche Vorgaben es eventuell gibt.

Eine Frage der Ökologie

Würde er die Anlage weiter betreiben, wenn er den Zuschlag vom Landkreis nicht bekommen sollte? "Selbstverständlich", sagt der Münchauracher. Ob es besonders ökologisch sei, den hiesigen Biomüll 100 Kilometer in eine Halle zu karren, während er Abfall aus 100 Kilometern Entfernung aufnimmt, sei mehr als fraglich .



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