Erlangen
Sicherheit

Vor der Bergkirchweih: Streit um Bäume auf dem Erlanger Berg

Die Stadt Erlangen sah sich gezwungen, noch vor der Kirchweih Bäume zu fällen. Nun haben Unbekannte die Baumfällungen am Erlanger Berg kritisiert.
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Unbekannte zeigten sich mit den Baumfällungen auf dem Kirchweihgelände nicht einverstanden. Foto: Christian Bauriedel
Unbekannte zeigten sich mit den Baumfällungen auf dem Kirchweihgelände nicht einverstanden. Foto: Christian Bauriedel

Aus Sicherheitsgründen müssen kurzfristig 25 Bäume im Bereich des Entla's-Kellers sowie an der Berg- und der Rathsberger Straße, am Erichkeller und am Schützenweg gefällt werden. Auch drei Fällungen im Alteichen-Hainbestand an der Ebrardstraße sind notwendig, teilt die Erlanger Stadtverwaltung mit.

Die Fällungen sind aus Sicherheitsgründen noch vor Beginn der Bergkirchweih notwendig. Sogenannte Zugversuche haben ergeben, dass die Haltefähigkeit der Wurzeln stark nachgelassen hat. Die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben, bei einem Unwetter könnten die Bäume umstürzen. "Wir haben ein Gutachten vorliegen, das die Stadt in die Pflicht nimmt, zu handeln, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort", macht Christoph Kintopp, Leiter der Abteilung Stadtgrün, die Dringlichkeit deutlich. Der derzeit beginnende Laubaustritt erhöhe die Windlast extrem und damit auch das Risiko, dass die Bäume nicht mehr standhalten.

"Zudem beginnen in Kürze die Aufbauarbeiten zur diesjährigen Kirchweih, dann können wir nicht mehr an den Bäumen arbeiten", so Kintopp weiter. Daher sei auch ein Stopp der Baumfällarbeiten bis zur nächsten Sitzung des Bauausschusses am 7. Mai, wie ihn der CSU-Fraktionssprecher Jörg Volleth gefordert hatte, nicht möglich.

Martin Holzinger, Leiter des Bürgeramtes (Öffentliche Sicherheit und Ordnung), fügt hinzu: "Die Stadt hat für ihre im öffentlichen Raum stehenden Bäume eine Verkehrssicherungspflicht. Wenn sie erkennt, dass von diesen Bäumen eine Gefahr ausgeht, ist sie verpflichtet zu handeln. Sollte jemand durch einen umstürzenden Baum oder herunterfallenden Ast zu Schaden kommen, kommt unter Umständen sogar eine persönliche Haftung der Verantwortlichen in Betracht." Die Stadt werde im Herbst, wo immer es der Standort zulässt, Ersatzpflanzungen vornehmen. Ziel sei es, ein ausgeglichenes Verhältnis von Jung- und Altbäumen auf dem Gelände zu erreichen.

Erlanger Berg: Standfestigkeit der Bäume mehrfach überprüft

Seit 2009 lässt die Stadtverwaltung regelmäßig Gutachten zum Zustand der Bäume auf dem Bergkirchweihgelände durchführen. Ziel der Gutachten ist es, Schäden an Bäumen frühzeitig zu erkennen, diese durch die Baumpflege und eine Verbesserung der Baumstandorte zu verringern oder zu beheben, aber auch die Verkehrssicherheit des Geländes zu prüfen. Vor den Zugversuchen, die Schäden im Wurzelbereich feststellen und somit die Standfestigkeit der Bäume prüfen, wurden in Erlangen drei andere unabhängige Gutachten durchgeführt.

In einem Gutachten zur Baumsicherheit am Bergkirchweihgelände aus 2016 wurde festgestellt, dass bis zum Jahr 2036 rund 50 kranke Großbäume gefällt werden müssen. Zugleich wurden für 2018 Nachuntersuchungen festgelegt. Die nun durchgeführten Zugversuche gehen auf die Ergebnisse des Gutachtens aus dem Herbst 2018 zurück. Zugversuche können nur in der Vegetationszeit durchgeführt werden, also zwischen Frühjahr und Herbst, und wurden heuer zum frühestmöglichen Zeitpunkt durchgeführt.

Bei einem Zugversuch werden Seile um die Bäume gelegt und mit einer bestimmten Kraft gezogen, um zu sehen, welchen Kräften die Baumwurzeln standhalten. Die Kraft simuliert dabei die Einwirkungen, die bei einem Sturm auftreten können. Zugversuche finden im Rahmen der Elastizität eines Baumes statt. Das heißt: Ziel des Versuchs ist es nicht, den Baum umzustürzen. Vielmehr wird aus den Ergebnissen berechnet, welche Kraft und damit welche Windstärke wirken müsste, um den Baum zum Umstürzen zu bringen. Wie die Ergebnisse zeigen, würden bei den untersuchten Bäumen bereits vergleichbar geringe Windstärken genügen (Windstärke 6).

Maßnahmen ausgeschöpft

Ziel der Stadt ist es, möglichst viele Bäume auf dem "Berg" zu erhalten und den Zustand vor weitreichenden Maßnahmen gründlich zu prüfen. Vor der Fällung wurden drei unabhängige Gutachten durchgeführt. Bei den jüngsten Zugversuchen wurden 48 Bäume geprüft, 20 davon können stehen bleiben, da dort andere Maßnahmen möglich sind. Bei den Bäumen, die gefällt werden müssen, handelt es sich größtenteils um Exemplare, bei denen man sich bereits bemüht hatte, durch einen Rückschnitt der Kronen die Windlast zu verringern. Diese Maßnahmen lassen sich jedoch nur in begrenztem Umfang durchführen. Da diese Maßnahmen ausgeschöpft sind, bleibt zur Wahrung der Verkehrssicherheit keine Alternative zur Fällung.

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