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Erlangen
Interview

Stefan Müller: Merkel kann auch entspannt, charmant und witzig sein

Seit 100 Tagen ist Stefan Müller Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium. Die Kontrolle über seinen Terminkalender hat er seitdem verloren. Und ohne Fahrer geht es gar nicht mehr. Ein Gespräch.
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Entspannt und gut gelaunt: Stefan Müller in seinem Büro im Ludwig-Erhard-Haus in Erlangen.  Fotos: Ronald Rinklef
Entspannt und gut gelaunt: Stefan Müller in seinem Büro im Ludwig-Erhard-Haus in Erlangen. Fotos: Ronald Rinklef
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Von wem haben Sie erfahren, dass Sie Parlamentarischer Staatssekretär werden?
Stefan Müller: Von Horst Seehofer. Er hat mich am 14. Dezember, zwischen zwei Weihnachtsfeiern, angerufen. Er hat mir mitgeteilt, dass ich Parlamentarischer Staatssekretär werden soll und er mich der Bundeskanzlerin vorgeschlagen hat.

Haben Sie damit gerechnet?
Eigentlich nicht. Ich hätte mir durchaus auch vorstellen können, weiter das zu tun, was ich vorher gemacht habe. Ich habe jedenfalls nicht aktiv auf Herrn Seehofer eingewirkt, dass ich ein Regierungsamt bekomme.

Wie viele Mitarbeiter sind Ihnen persönlich unterstellt?
Unmittelbar bei mir sind es drei: ein persönlicher Referent und zwei Verwaltungsangestellte. Sie arbeiten ausschließlich für mich.
Außerdem habe ich Zugriff auf alle Mitarbeiter im Ministerium, wenn ich zum Beispiel irgendeine Fachinformation brauche.

Und Sie haben auch Ihren eigenen Dienstwagen, oder?
Ja, ohne Fahrer würde es auch nicht gehen. Das Pensum, das erwartet wird, wäre nicht zu schaffen, wenn man selbst fahren müsste. Gerade in den letzten Wochen habe ich viele Universitäten und Hochschulen besucht, deshalb verbrachte ich relativ viel Zeit im Auto. Vieles lässt sich von unterwegs erledigen.

Wird es Ihnen da nicht schlecht, wenn Sie während der Fahrt lesen?
(lacht) Nein, zum Glück nicht.

Sagen Sie, was macht man eigentlich genau als Parlamentarischer Staatssekretär?
Im Grunde ist man eine Art stellvertretender Minister, also Teil der Leitung des Ministeriums. In anderen Ländern ist dieser Begriff üblich. Ich vertrete Bundesbildungsministerin Johanna Wanka im Bundestag und Bundesrat sowie in der Öffentlichkeit und bin damit so etwas wie ein Bindeglied zwischen Parlament und Bundesregierung.

Inhaltlich mischen Sie richtig mit?
Genau. Es laufen im Ministerium den ganzen Tag so viele Verwaltungsvorgänge zusammen, da kann und muss man weitgehend selbst entscheiden, wo man sich einbringt und wo nicht.

Wo sind Ihre Schwerpunkte?
Ich kümmere mich im weitesten Sinn um die Themen Forschung und Technologie. Dazu gehört unter anderem Energie- und Klimaforschung. Hinzu kommt der wichtige Bereich Berufliche Bildung.

Wo liegt der Unterschied zu dem Job, den Sie bisher gemacht haben?
Bisher war ich in der Spitze der CSU-Landesgruppe, jetzt bin ich Teil der Bundesregierung. Meine bisherige Aufgabe war eine stark nach innen gerichtete Arbeit, die viel mit Koordination und Organisation zu tun hatte. Jetzt habe ich eine fachliche Zuständigkeit.

Ist die neue Aufgabe belastender?
Würde ich nicht sagen. Der Grad der Fremdbestimmung hat aber zugenommen. In den letzten vier Jahren habe ich mir meine Zeit weitgehend selbst einteilen können und war freier in der Termingestaltung. Das ist jetzt anders. Die Kontrolle über meinen Terminkalender habe ich jedenfalls verloren. (schmunzelt)

Wie oft begegnen Sie Bundeskanzlerin Angela Merkel?
Mindestens zwei- bis dreimal pro Woche.

Geht man da auch mal zusammen einen Kaffee trinken?
Ja, das kommt schon vor. Auch mal unter vier Augen. Aber nicht regelmäßig, das ist dann schon immer anlassbezogen.

Wie ist Frau Merkel so?
Entspannt, charmant, kann auch witzig sein.

Sind Sie per Du?
Ist eine Mischung aus beidem. Mal so, mal so. Grundsätzlich ist man bei uns in der Fraktion erstmal beim "Sie", in der CSU-Landesgruppe duzen wir uns aber alle.

Wie kann man sich einen typischen Arbeitsalltag bei Ihnen vorstellen?
Ich bin Frühaufsteher. Um 5.30 Uhr stehe ich auf, checke meine E-Mails und gehe joggen. Wenn ich in Berlin bin meistens im Tiergarten. Im Ministerium beginnt der Tag in der Regel um 8 Uhr mit einer Besprechung, denn das Meiste wird in Besprechungen geregelt. Der andere Bereich ist umfangreiches Aktenstudium.

Was macht mehr Spaß?
Kommt drauf an. Nicht alle Vorgänge sind gleich spannend. Genauso gibt es aber auch Sitzungen, die interessanter sein könnten. Viele dauern für meinen Geschmack ohnehin zu lang. Es muss ja nicht immer jeder zu allem was sagen.

Und wann gehen Sie ins Bett?
Ich versuche vor Mitternacht.

Wie oft sind Sie zuhause?
Meine Präsenz in Berlin ist nicht mehr geworden. In Sitzungswochen bin ich unter der Woche komplett in Berlin, in sitzungsfreien Wochen zwei bis drei Tage. Das war auch in den letzten vier Jahren so. Freitagabend komme ich spätestens nach Hause zu meiner Familie.

Und zurück geht es am Sonntag?
Nein, das habe ich gleich abgeschafft. Die Erwartungshaltung war tatsächlich, dass ich schon Sonntagabend anreise, damit am Montagfrüh um 9 Uhr die erste Besprechung stattfindet. Es macht aber keinen großen Unterschied, ob sie um 9 Uhr oder um 11 Uhr stattfindet. Aber für den Beginn um 11 Uhr reicht es, wenn ich um 8.30 Uhr den Flieger in Nürnberg nehme - der Flug selbst dauert eine dreiviertel Stunde.

Nutzen Sie für diese Strecke immer das Flugzeug?
Gelegentlich fahre ich auch Zug, das ist auch prinzipiell entspannter und man kann mehr erledigen. Meistens fliege ich aber, weil es einfach schneller geht.

Sie sind mittlerweile seit zwölf Jahren in Berlin. Fühlen sich schon als halber Berliner?
Nein, fühle ich mich nicht. Ich bin am Montag, wenn ich nach Berlin komme, schon erleichtert, zu wissen, dass ich am Freitag wieder zurück kann. Berlin ist zwar eine spannende Stadt, aber ich habe nicht viel davon. Mein Lebensmittelpunkt ist Großenseebach.

Seit 2002 sind Sie auch im Kreistag. Wenn man die große Politik immer vor Augen hat, kommen Ihnen die Probleme im Landkreis wie Peanuts vor?
Im Gegenteil. Das, was kommunalpolitische Führungskräfte machen, ist nicht weniger anspruchsvoll als das, was ich mache.Die Befindlichkeiten sind in der Kommunalpolitik manchmal größer als in der Bundespolitik. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in Berlin von der in Erlangen-Höchstadt?
In Berlin habe ich ein festes Thema: Das ist die Bildungs- und Forschungspolitik. Wenn ich im Wahlkreis bin, bin ich der Bundestagsabgeordnete, der für alle Themen zuständig ist. Der Wahlkreisbürger macht da keinen Unterschied. Wenn er eine Frage zur Ukraine hat, dann stellt er mir die auch.

Gibt es auch Tage, an denen Sie einfach mal gar nichts tun, was mit Politik zu tun hat?
Nicht so häufig. Das ist für mich aber kein Problem. Jeder, der Politik als Beruf macht, weiß, worauf er sich einlässt. Auch während der Wahlperiode sollte man sich regelmäßig in seinem Wahlkreis umschauen. Veranstaltungen wie Vereinsfeste und Kirchweihbesuche gehören da deshalb für mich dazu.

Und wann ist Zeit für die Familie?
Die Familie ist das Wichtigste. Die freie Zeit am Wochenende ist für sie reserviert. Ich habe mir abgewöhnt, wenn ich abends nach Hause komme, nochmal den Computer anzumachen. Oder statt dem Tatort meine Unterlagen anzuschauen. Dann stehe ich lieber am nächsten Tag eine Stunde früher auf.

Sehen Sie Ihren jetzigen Posten als Sprungbrett?
Ich habe gelernt, dass man eine politische Karriere nicht planen kann, denn das hängt von vielen Dingen ab. Ich habe jetzt dieses Amt - das ist ein wichtiges Amt, das will ich gut machen. Was in der nächsten Wahlperiode passiert, lasse ich auf mich zukommen.


Daten

Stefan Müller ist 38 Jahre alt. 1996 bis 2006 war er Gemeinderat in Großenseebach. Seit 2002 ist er Kreisrat und Bundestagsabgeordneter. 2005 bis 2009 war er Obmann der CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss Arbeit und Soziales sowie stellvertretender arbeits- und sozialpolitischer Fraktionssprecher. 2009 bis 2013 war er parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

Seit Dezember 2013 ist er Parlamentarischer Staatssekretär von Bundesbildungsministerin Johanna Waka. Vor seiner politischen Karriere arbeitete er als Bankkaufmann und machte ein berufsbegleitendes Studium zum Bankfachwirt. Müller ist verheiratet und hat eine siebenjährige Tochter.
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