Herzogenaurach
Stadtgeschichte

Stand der Königshof direkt an der Aurach?

Die Ausgrabungen am Schloss haben das Turmfundament der Wasserburg freigelegt. Hinweise auf einen Königshof haben sich dort bisher nicht gefunden.
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Diese Flurkarte aus dem Jahr 1826 lässt erahnen, wie schon das mittelalterliche Herzogenaurach im Kern ausgesehen haben könnte. Verzeichnet sind das Schloss respektive die Burg (Landgericht) und etwas abseits die Pfarrkirche (rechts). Rund um die Obere Badgasse (heute Hauptstraße) dürfte sich eine erste Kernsiedlung gebildet haben, freilich nicht so angeordnet wie auf dem Kataster sechs Jahrhunderte später. Den Marktplatz gab's im Hochmittelalter eher noch nicht, wie der Archäologe Marco Gold...
Diese Flurkarte aus dem Jahr 1826 lässt erahnen, wie schon das mittelalterliche Herzogenaurach im Kern ausgesehen haben könnte. Verzeichnet sind das Schloss respektive die Burg (Landgericht) und etwas abseits die Pfarrkirche (rechts). Rund um die Obere Badgasse (heute Hauptstraße) dürfte sich eine erste Kernsiedlung gebildet haben, freilich nicht so angeordnet wie auf dem Kataster sechs Jahrhunderte später. Den Marktplatz gab's im Hochmittelalter eher noch nicht, wie der Archäologe Marco Goldhausen erläuterte. Quelle: Stadt
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Es ist Halbzeit auf der Grabungsbaustelle im ehemaligen Schlosshof. Der Bergfried mit seinen massiven Mauern ist freigelegt (Bericht folgt), jetzt geht's an die Feinarbeiten. Eine These, die den Archäologe Marco Goldhausen seit einiger Zeit herumtreibt, hat sich bei den Arbeiten verfestigt. Spuren des einstigen Königshofs, der auf die Ursprünge der Siedlung Uraha zurückgeht, dürften sich im Bereich der heutigen Altstadt demnach wohl eher nicht finden lassen.

Darauf weisen auch die Keramikfunde hin, die rund ums Schloss gemacht worden sind. Es wurden zwar zahlreiche Bruchstücke gefunden, aber diese reichen allesamt maximal in das zwölfte Jahrhundert zurück. "Sie sind also typisch für die Stauferzeit", sagte Goldhausen bei einem Ortstermin am Dienstag. Der Königshof indes ist wesentlich älter, so bezog sich die erste urkundliche Erwähnung von Herzogenaurach im Jahr 1002 auf einen solchen. "Wir haben intensiv nach Keramik aus dem elften Jahrhundert gesucht", sagte Goldhausen. "Aber nichts gefunden."

Seiner Meinung nach dürfte der Königshof nicht im Kernbereich der heutigen Stadt, also neben Burg und Kirche, errichtet worden sein. Er nennt das Beispiel anderer fränkischer Städte, wie Forchheim oder Ornbau. Goldhausen vermutet auch für Herzogenaurach, dass der Königshof im Hochflutgebiet entstand, also direkt an der Aurach.

Uraha sei als Forstgebiet beschrieben, war also dicht bewaldet. Über kurze Wege zum Fluss habe man sich aber eine schnelle Flucht offen gehalten. Goldhausen: "Die Leute hatten Angst. Angst vor dem, was da im Wald versteckt war." Für ihn ist dieses Vorgehen sogar vergleichbar mit den Eroberungen der Spanier in Südamerika. Die siedelten auch direkt am Amazonas.

Mögliche Mittelalter-Siedlung

Später dann, also zur Stauferzeit, entstand die Burg als Vorgängerin des heutigen Schlosses. Daran grenzte im Hochmittelalter wohl eine etwa zwei Hektar große Siedlung. Etwas außerhalb gelegen war die Kirche mit dem Friedhof. "Diese Ortskonstanz ist typisch für den mittelfränkischen Raum", berichtet der Archäologe. Auf einem Urkataster der Stadt von 1826 lässt sich erahnen, wie es sechs Jahrhunderte früher ausgesehen hat. Man erkennt Schloss respektive Burg und die Kirche nebst Mauer sowie eine südlich angrenzende Bebauung. Freilich habe diese im Mittelalter konkret noch anders ausgesehen. Der Marktplatz dürfte erst später hinzugekommen sein. Denn erst ab dem 13. Jahrhundert wurden die Siedlungen befestigt, es entstanden die ersten Stadtmauern.

Den Königshof aber müsse man woanders suchen, meint der Experte. Man habe keinerlei Hinweise, dass er sich hier befunden haben könnte. Stimmt also die These, dass auch der Königshof von Uraha einst direkt am Fluss gebaut worden ist? Wer weiß, vielleicht stand er ja genau dort, wo Jahrhunderte später das malerische Schießhaus war?

Kirche und Burg

Freilich gibt es auch andere Sichtweisen, die einen Königshof nicht zwingend am Fluss ansiedeln. Auch die Nähe zur Kirche ist ein Merkmal. Und die Optik einer solcher Anlage glich der einer Wasserburg.

War das heutige Schloss also nicht nur zuvor eine Wasserburg, sondern stand dort weit früher doch der Königshof von Uraha? Hinweise hierfür jedenfalls hat Goldhausen (noch) nicht ausgegraben.

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