Höchstadt a. d. Aisch

"Stärk' antrinken" auf dem Höchstadter Kellerberg - die Tradition lebt

Um Brauchtum, Geselligkeit und natürlich ums selbst gebraute Bier ging es beim Stärk' antrinken auf dem Kellerberg.
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Fotos: Britta Schnake
Fotos: Britta Schnake
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Mit dem 6. Januar enden die Raunächte und die "wilde Jagd" begibt sich wieder zur Ruhe. Nun greift der Brauch des "Stärk antrinkens", welche heuer zum zehnten Mal vom Kellerbergverein zelebriert wird.

Zuerst noch in dichten Nebel gehüllt, reißt der Himmel pünktlich zum Bieranstich auf und die ersten Sonnenstrahlen tauchen den Petersbecks Keller in ein sanftes, friedliches Licht. Die "üblichen Verdächtigen" Peter Ross, Martin Uebel, Bernd Guthruf, Andi Koitsch und Klaus Beßler haben mit dem diesjährigen Dunklen Winterbock laut Erstem Vorsitzenden Karsten Wiese "das beste Bier, dass wir jemals hatten", gebraut. Nach dreimonatiger Lagerung im Gärkeller kamen so 155 Liter zusammen, verteilt auf sieben Fässer á 20 Liter sowie eines mit 15 Litern.

Kräftiges Museumsbier

Das 15 Liter-Fass wurde bereits am Vorabend geleert. "Das war zum Probieren", so Zweiter Vorstand Alfred Badum. "Wir können ja kein schlechtes Bier anbieten." Bei einem Alkoholgehalt von etwas mehr als sechs Prozent ist das Museumsbier wahrlich kein Leichtgewicht. "Mehr Malz bedeutet mehr Alkohol", so Guthruf als Erklärung, wie der "Bumms" in das Bier kommt.

Ein Seidla für jeden Monat

Zwar galt der Rausch in der vorchristlichen Vorstellung als Gottesnähe, doch dies ist beim Stärk' antrinken nicht das erklärte Ziel. Vielmehr geht es hierbei um den rituellen Schutzcharakter, welchen es in sich trägt. So soll laut Überlieferung ein Seidla für jeden Monat getrunken werden, um den Nackenschlägen des Lebens gegenüber gewappnet zu sein. Allerdings sollte dem Rat Wieses, nicht weiter als bis zum September zu trinken, unbedingt Folge geleistet werden. Nicht dass womöglich der erste Nackenschlag bereits von der eigenen Ehefrau zu erwarten ist.

Genau zwei Schläge braucht Klaus Beßler und der Bock fließt in den Krug. "Ooogstochen is, Prost", ruft Wiese und hebt den Krug. "Das ist das erste Mal, dass so wenig Leute da sind", sagt er und hofft, dass sich das im Laufe des Tages noch ändert.

Eine lange Tradition

Martina und Wolfgang Janke aus Höchstadt sitzen am Tisch. Seit 2011 sind sie Mitglieder des Kellerbergvereins. "Das Stärk' antrinken hab ich schon zuhause gemacht, bei meinen Eltern", sagt Wolfgang Janke, der gebürtig aus Selb im Fichtelgebirge stammt. "Mit 16 zum ersten Mal". Seine Frau kommt aus Stavenhagen/Mecklenburg-Vorpommern. "Da gab's den Brauch nicht", sagt sie und ihr Mann erklärt: "Hat sie von mir gelernt." Er schafft beim Stärk' antrinken zwischen zwei und sechs Seidla. "Kommt auf die Konstitution und die Stärke des Bieres an", sagt er. "Aber heute wird es ein Bier mehr, meine Frau fährt."

Rudi Kolb, Dieter Binkowski und Wolfgang Dorsch sind ebenfalls wegen der Geselligkeit hier. "Das Handy bleibt daheim", erklären alle drei und Dorsch ergänzt: "Es geht darum, ohne Zeitplan solange zu bleiben, wie es einem gefällt."

Während Kolb letztes Jahr bis "Mai" gekommen ist, also fünf Seidla geschafft hat, kann Dorsch das nicht mehr so genau sagen: "Es hat bis 18 Uhr gedauert" sagt er, "Ich weiß nicht, wieviel ich geschafft habe."

Bernd und Nina Hartwich aus Adelsdorf stehen mit ihren beiden Kindern Helena (4) und Ronja (1) an einem der Draußen-Tische. Zu ihnen haben sich Lars und Anja Meergrün mit dem vierjährigen Paul gesellt. Meergrün hat es einmal bis Juni geschafft. "Aber meine Frau sagt, dieses Mal nur bis April".

Primär geht es den Familien ums gesellige Beisammensein. Das Brauchtum steht für Reinhold Herdegen und Johann Meyer aus Stein bei Nürnberg im Vordergrund. "Zwei bis drei Seidla wollen sie schaffen, im Anschluss daran ist eine Wanderung zusammen mit ihren Frauen geplant.

Wilfried Eckert, Gerhard Reitsperger, Werner Stahlhut, Ludwig Ziegler-Skoda und Martin Weigl stehen an der Feuertonne, selbst gebaut von Ziegler-Skoda. Auf die Feinstaubbelastung angesprochen, erklärt er grinsend: "Wir haben eine unsichtbare Greta-Thunberg-Klappe eingebaut. Aus Schweden, online bestellt." Heidi und Wolfgang Ringel aus Oberreichenbach sind zum ersten Mal dabei. "Karsten Wiese ist ein ganz lieber Freund", sagte Heidi Ringel, "Wir wollen es genießen." Mehr als zwei bis drei Bier sind aber nicht drin, "Wir gehen auch so zuversichtlich ins neue Jahr."

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