Herzogenaurach
Klingenwiesen

Stadtrat Polster sorgt sich um die Innenstadt in Herzogenaurach

Das geplante Märktezentrum auf dem ehemaligen Obi-Gelände in Herzogenaurach fand im Stadtrat auch Kritik. Christian Polster befürchtet eine Beeinträchtigung der Innenstadt. Dennoch gab's für den Bebauungsplan eine klare Mehrheit.
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Den Kern der Bebauung auf den Herzogenauracher Klingenwiesen soll ein E-Center (unser Foto zeigt einen Markt in Büchenbach) mit einer Verkaufsfläche von 2500 Quadratmeter bilden.  Foto: Richard Sänger
Den Kern der Bebauung auf den Herzogenauracher Klingenwiesen soll ein E-Center (unser Foto zeigt einen Markt in Büchenbach) mit einer Verkaufsfläche von 2500 Quadratmeter bilden. Foto: Richard Sänger
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Christian Polster ließ seinen Sorgen freien Lauf. Der CSU-Politiker und Bäckermeister kritisierte in der Stadtratssitzung am Donnerstag die Dimension, die das geplante Märktezentrum im Gewerbegebiet "Klingenwiesen" hat. Er sprach von einem Wettrüsten der Konkurrenten und befürchtete, dass "die Wirkung auf die Innenstadt eine Idee zu groß" sei.

Ein Investor will auf dem Areal des ehemaligen Obi-Marktes für ein Finanzvolumen von 20 Millionen Euro mehrere Märkte und ein Hotel ansiedeln. Im Stadtrat ging es darum, den Bebauungsplan zu billigen und die öffentliche Auslegung zu beschließen. Dass das seit Jahren brach liegende Gelände reaktiviert wird, das ist auch für Polster unstrittig und sehr zu begrüßen. Doch der CSU-Stadtrat holte zu einem engagiert vorgetragenen und lang gezogenen Aber aus.

Polster störte sich schon an dem Begriff Einzelhandel. "Das beschreibt die Dimension nicht", sagte er. Dort würden sich international agierende Firmen auf der Größe eines halben Fußballfelds ansiedeln. Die Betreiber hätten die Erwartung, "dass alles immer größer werden muss." Was vor zehn Jahren noch modern war, sei heute unattraktiv. Ihn stimme dieses "Wettrüsten" der Konkurrenten und das Diktat durch große Ketten sehr bedenklich.

Eigentlich, so Polster weiter, sei es ja das Ziel der Stadt, eine dezentrale und wohnortnahe Versorgung zu schaffen. Für ihn wären das mehrere kleine Zentren. Aber das geplante Ausmaß "ist deutlich größer als alles, was wir bisher hatten. Das wird ein Magnet werden."

Kaufkraftverlust

Auch ist für Polster ein Kaufkraftverlust in der Innenstadt zu befürchten. Laut Gutachten werde wohl auch der Drogeriemarkt in der Hauptstraße, als Magnet der Innenstadt, Verluste hinnehmen müssen. Der könne das verkraften, meinte Polster, aber die Geschäfte außen herum würden leiden, wie Wochenmarkt, Schreibwaren, Metzgereien oder die Gastronomie.

Ein Vollsortimenter setze auf die Bequemlichkeit der Kunden, sie finden alles an einem Ort. Kleine Betriebe könnten da nicht gegenhalten, sie hätten ganz andere Strukturen.

Appell an fairen Wettbewerb

Unterstützung fand der Redner durch seinen Fraktionskollegen Stephan Wirth, auch wenn der dem Plan zustimmte. Wie alle anderen Stadträte auch, ausgenommen Christian Polster. Man müsse über die Dimensionen reden, sagte Wirth. Und betonte, dass das Vorhaben sehr wohl innenstadtrelevant sei.

Der Stadtrat könne und solle das nun nicht ablehnen, weil man auf die gesamte Stadt blicken müsse. Aber man könne für faire Wettbewerbsbedingungen eintreten. Ein Beispiel: Das neue Märktezentrum habe sehr wohl viele kostenlose Parkplätze, an der Schütt aber wolle die Stadt 75 gebührenfreie Dauerstellplätze streichen. Auch CSU-Fraktionschef Bernhard Schwab hielt die "nachdenklichen Worte" seines Kollegen Polster für angebracht. Ablehnen dürfe man das Vorhaben dennoch nicht, "die Bürger wollen das." Das sah auch Georgios Halkias (Grüne) so, auch wenn er sicher sei, dass die Innenstadt ein Problem bekomme. Als Herausforderung betrachtete Kurt Zollhöfer (CSU) das Projekt. "Wir dürfen die Innenstadt nicht allein lassen", sagte er und riet, bei der Förderung die Schlagzahl zu erhöhen.

Bürgermeister "erschüttert"

Bürgermeister German Hacker (SPD) zeigte sich zuvor "mittelmäßig erschüttert über diese Schlechtrednerei" des CSU-Stadtrates Christian Polster. Man habe ja die Dezentralität und die klare Aussage getroffen, Märkte auf wenigen Grundstücken zu platzieren. Kein großer Markt dürfe auf die grüne Wiese an der Nordumgehung, sagte er. Auch habe Herzogenaurach noch problemlos Luft nach oben. Hacker betonte auch, dass man dort nur Märkte ersetze. Alles sei sorgfältig geprüft worden.
Der Bürgermeister warb auch nochmal für die Innenstadt. Man mache viele Veranstaltungen extra für die Geschäfte dort. Und auch die kostenlose halbe Stunde beim Parken sei sehr einkaufsfördernd. Das koste die Stadt fast hunderttausend Euro im Jahr. 247 000 kostenfreie Tickets habe man im vergangenen Jahr registriert. Hacker weiter: "Die Innenstadt bleibt im Fokus. Wir kümmern uns drum."

Christian Polster sagte noch, er habe keine Untergangsstimmung verbreiten, sondern nur nachdenklich stimmen wollen.

In Betrieb gehen könnte das Zentrum im Jahr 2016. Just zu dem Zeitpunkt, da die Schütt Großbaustelle ist. Auch das werde sich auswirken, mutmaßte Stephan Wirth (CSU). "Keiner fährt mehr in die Stadt."
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