Herzogenaurach
Ausstellung

Stadtmuseum zeigt Ausstellung über die Kolonialzeit

Nur wenigen ist noch bekannt, dass das Deutsche Reich vor dem Ersten Weltkrieg Kolonien in Afrika besessen hatte. Unter dem Titel "Kolonialzeit im Familienalbum - Frühe Fotos aus der Kolonie Deutsch-Ostafrika" können sich die Besucher im Stadtmuseum darüber informieren.
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Alexis Madokron
Alexis Madokron
Als Kolonialmacht kam Deutschland allerdings zu spät, der Kuchen war bereits verteilt. Erst ab 1871 wurde das Deutsche Reich unter der Regie von Otto von Bismarck geeint und konnte sich auch mit Kolonien befassen. Zuvor waren Handelsgesellschaften in Afrika aktiv gewesen, von denen Gebiete übernommen wurden. In Afrika konnten so Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Südwestafrika als Deutsche Schutzgebiete gewonnen werden.

Die Ausstellung möglich machte Herta Devers, deren Vater in Dar es Salaam, der Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, als Kaufmann in der Handelsgesellschaft Müller & Devers tätig war. 1908 holte sie ihr Vater als kleines Kind nach Afrika. Mit Anzeigen in der Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung wurde damals für das Hotel Deutscher Kaiser und die Erste Deutsch-Ostafrikanische Bierbrauerei geworben.

Nach Europa zurückgebracht hat Herta Devers zahlreiche Fotografien.
Sie stellen die Grundlage für die Ausstellung dar und erlauben einen Blick auf die Deutsche Kolonie in den Jahren von 1890 bis 1905. Die Europäer sind weiß gekleidet, die Häuser weiß getüncht, die Apartheidsgesellschaft ist zu erkennen. Die Weißen waren in der Minderheit, zum Teil wurden Schwarze gefürchtet.

Familie wurde getrennt

Die Familie Devers wurde zu Beginn des Ersten Weltkriegs getrennt. Paul von Lettow-Vorbeck, Kommandeur der deutschen Schutztruppen in Deutsch-Ostafrika, hielt sich mit seinen Truppen bis zum 25. November 1918 im Kleinkrieg gegen englische, südafrikanische und indische Truppen. Nach dem Ersten Weltkrieg fielen die Kolonien an die Siegermächte.

In seinem Buch "Heia Safari! - Deutschlands Kampf in Ostafrika", das in Leipzig im Jahr 1920 erschien, rühmt er unter anderem seine Askaris (schwarze Soldaten) für ihre Tapferkeit und Treue. Dagegen prangerte im Jahr 1966 Ralph Giordano in einem zweiteiligen Film unter dem Titel "Heia Safari""den Kolonialismus an, unter anderem auch den Herero-Aufstand.

Die Briten waren schlimmer

Dr. Aas konnte Herta Devers 1984/85 befragen, die Fotografien aus ihrem Besitz auswerten und 1992 für eine Ausstellung und ein Buch verarbeitete. Als Aas in Dar es Salaam 1985 Archivstudien betrieb, lobte im Hafen ein alter Mann im Gespräch mit ihm die Deutsche Kolonialzeit, denn es gab Schulen sowie Krankenhäuser und die Eisenbahnen fuhren pünktlich. Eine Verklärung der Realität? Aas wollte ihn 1985 aufklären und widersprach, worauf der alte Mann nur sagte: "Die Engländer waren schlimmer!" Für die Briten war Deutschland ohnehin "unfit to govern", also ungeeignet Kolonien zu verwalten - oder doch eher "auszubeuten"?

Für Bürgermeister German Hacker war es wichtig, dass im Rahmen der Kulturtage auch mehr Gewicht auf Ausstellungen gelegt werden soll, obwohl aus der Kolonialzeit keine Zeitzeugen mehr vorhanden sind. Für die musikalische Umrahmung sorgte Alexis Madokron aus dem Benin. Er klärte die Besucher dahingehend auf, dass das Lied, das von Shakira zur Fußballweltmeisterschaft publik gemacht wurde, eigentlich aus Afrika stammt.

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