Uttenreuth
Kommunen kämpfen für die StUB

Stadt-Umland-Bahn und Gräfenbergbahn: Kommt der Ost-Ast?

2015 erlitt die StUB eine krachende Niederlage bei einem Bürgerentscheid, vor allem im Landkreiswesten. Buckenhofs Bürgermeister Georg Förster erklärt im Interview, warum er mit 13 anderen Kommunen weiter dafür kämpft, dass die StUB einmal durch den Landkreis-Osten rollt.
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Symbolbild: dpa
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Georg Förster, Buckenhofs Bürgermeister (FW), sitzt in seinem Büro in der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth. Vor ihm liegt eine Neuauflage einer Broschüre zur Stadt-Umland-Bahn (StUB), ursprünglich erschienen 1996. Schon damals war eine Linie über die Gemeinden im Landkreisosten vorgesehen. Der Fränkische Tag hat den Bürgermeister um ein Interview gebeten. Denn er kämpft für eine Initiative, die diesen Ost-Ast reaktivieren will. So mancher hat Anfang des Jahres gestaunt: Der sogenannte Ost-Ast der StUB ist wieder Thema. Wie kommt es dazu, dass Sie die alte Idee wiederbelebt haben? Georg Förster: Ich war schon immer ein Befürworter, der die StUB für notwenig hält. Und das gilt heute noch mehr denn je. Warum? Ich nenne nur einmal die stetigen Zunahmen im Nahverkehr im Erlanger Osten. Die Fahrgastzahlen in den Buslinien steigen und steigen und steigen. Es ist gut, dass mit Zustimmung des Kreistags an den Linien laufend nachgebessert wurde. Aber trotzdem kommen wir hier an die Grenze. Helfen da nicht einfach noch mehr Busse? Das ganze geht doch beim Autoverkehr weiter. Von 20 Autos sitzt in 19 nur einer drin. Das müssen Sie in der Früh einfach mal sehen. Das ist unmöglich! Und in Erlangen wird alles verstopft. Wenn das Angebot besser wird, sind auch viele Leute bereit, vom Auto in die Öffentlichen umzusteigen. Sicher nicht alle. Wir brauchen das Auto - dazu stehe ich. Lieferverkehr, Handwerksverkehr, das Fahren für Behinderte und so weiter. Aber die tägliche Aktentasche zu Siemens oder zur Uni, die muss ich nicht mit dem Auto fahren, zehn Quadratmeter Parkplatz blockieren, früh im Stau stehen und Emissionen freisetzen. Eine StUB-Linie in den Osten des Landkreises ist nicht neu. Sie wurde schon einmal geprüft. 2015 haben die Landkreisbürger in einer Abstimmung gegen eine Finanzierung gestimmt. Was hat Sie bewogen, nicht locker zu lassen? Der Bürgerentscheid 2015 war leider negativ. Aber man hatte damals als Grundlage Zahlen von 2005 und 2008. Diese älteren Zahlen sind damals in die Nutzen-Kosten-Analyse eingeflossen. Aber heute haben wir 2019! Nach Herzogenaurach haben wir als aktuelle Prognose doppelte Fahrgastzahlen im Vergleich zu 2015. Wir sehen jetzt die Chance, dass wir noch einmal prüfen: Wie hat sich der Verkehr auf der Ostachse genau verstärkt? Wohlgemerkt in einer Vorstudie auf Kosten der Kommunen und des VGN - zunächst nicht zu Lasten der späteren Baulastträger. Warum kommen Sie gerade jetzt mit der Wiederbelebung des Ost-Astes? Beim "L-Netz" der StUB, also Nürnberg/Erlangen/Herzogenaurach, beginnen jetzt die formalen Planverfahren. Also Raumordnungsverfahren und Planfeststellungsverfahren, Zuschussanträge beim Bund. Der springende Punkt ist: Wenn wir jetzt nichts tun und das "L-Netz" wird angemeldet, dann hat ein Ost-Ast für immer fast keine Chance mehr. Weil dann die Gesamtbetrachtung der Wirtschaftlichkeit eines "T-Netzes" außen vor ist. Das heißt, wenn wir momentan nichts tun, verwirken wir alle Zukunftschancen für einen Ost-Ast. Selbst wenn man ihn vielleicht später einmal bauen wollte. Wenn es um die Erhaltung von Optionen in der Zukunft geht: Wann könnte ein Ost-Ast denn Realität sein? Ich habe immer gesagt, meine Vision ist 2040. Vielleicht lebe ich dann noch, dann möchte ich mitfahren. Falls dieser Ost-Ast gebaut wird: Wer finanziert das? Der Landkreis wird vermutlich ja keinen Euro dazu geben. Denn das wurde ja im Bürgerentscheid abgelehnt. Der Bürgerentscheid hat eine Bindungswirkung von einem Jahr. Aber darum geht es erst mal nicht. Wenn die interessierten Kommunen jetzt loslegen, dann gibt es erst einmal eine Vorstudie auf Basis der aktuellen Verkehrszahlen. Und darauf aufbauend dann eine neue Nutzen-Kosten-Analyse. Später wäre klar: Ohne den Landkreis wird es nicht gehen. Die Kommunen selbst können das Projekt nicht stemmen. Das klingt so, als ob Sie hoffen, dass in mehreren Jahren der Bürgerentscheid von 2015 vergessen ist und man die Sache neu angeht. Wir, die Kommunen im Osten, sind uns einig, dass wir eine Verbesserung des ÖPNV-Systems brauchen. Und für uns ist das die StUB. Wir wollen jetzt einen Beleg haben, dass es auch Sinn macht. Ein Rohrkrepierer bei der damaligen Analyse zum Ost-Ast war, dass er mitten in Uttenreuth aufgehört hat. Ich bin grundsätzlich dafür, dass man, um die StUB effektiver zu machen, weitere Gemeinden anschließen muss. Es geht hier nicht um die Missachtung des Bürgerwillens, sondern um geänderte Verkehrszahlen. Die müssen wir nun erheben und dann neu nachdenken. Es sind ja auch Kommunen aus dem Forchheimer Landkreis dabei. In der Tat. Es handelt sich um ein landkreisübergreifendes Projekt. Neunkirchen am Brand ist die zweitgrößte Kommune des Landkreises Forchheim, nach der Stadt Forchheim selbst. Neunkirchen hat ein großes Interesse an der StUB, auch weil sehr viele Bewohner sich nach Erlangen orientieren. Ihr Plan ist die Anbindung an die Gräfenbergbahn? Ja. Verknüpfungspunkt an die Gräfenbergbahn wäre Eckental. Und auch Gräfenberg, Weißenohe und Igensdorf, genauso wie Eckental und Heroldsberg haben ein starkes Interesse. In Kalchreuth ist es so, dass Bürgermeisterkollege Herbert Saft, ebenfalls FW, Kontakt hatte zu den westlichen FW-Kreisräten, insbesondere auch zu den Bürgermeistern aus Höchstadt und Röttenbach Gerald Brehm und Ludwig Wahl. Bekanntermaßen lehnten eben jene aber 2015 ja eine StUB, finanziert durch die Landkreiskommunen, ab. Aber, sie sagen jetzt wohl auch: Wir sind zwar grundsätzlich nicht für die StUB, aber wir müssen die Fakten neu prüfen. Wir haben heute eine andere Zeit und geänderte Bedingungen. Unsere Initiative will nun die Fakten ganz bewusst ohne Landkreisgeld prüfen. Die Kommunen nehmen mit insgesamt 30.000 Euro hierfür einen sehr überschaubaren Betrag in die Hand. Mir geht es darum, dass wir einen Fuß in die Tür bekommen und heute nicht die Möglichkeit für einen Ost-Ast irgendwann in der Zukunft verspielen.



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