Herzogenaurach
Abschied

Stadt Herzogenaurach verabschiedet Ruth Lohmaier

Ruth Lohmaier "managte" im Herzogenauracher Rathaus zwei Bürgermeister. German Hacker und Hans Lang würdigten eine Frau, die durch ihr freundliches und ruhiges Wesen bestach. Auch als Dolmetscherin war sie unverzichtbar.
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Hans Lang und German Hacker bedankten sich bei Ruth Lohmaier, der Frau im Vorzimmer der Bürgermeister. Foto: Bernhard Panzer
Hans Lang und German Hacker bedankten sich bei Ruth Lohmaier, der Frau im Vorzimmer der Bürgermeister. Foto: Bernhard Panzer
Fast etwas schüchtern, aber doch bestimmt antwortete Ruth Lohmaier gestern auf die Frage, ob sie denn ausnahmsweise auf dem Bürgermeisterstuhl Platz nehmen möchte. "Nein, das geht nicht", sagte sie und blieb damit ihrer Linie treu. Zurückhaltend, bescheiden, immer im Hintergrund, doch unverzichtbar und - unbezahlbar, wie es Stadtoberhaupt German Hacker ausdrückte, das war die Sekretärin des Bürgermeisters über all die Jahre hinweg. Nein, der Bürgermeisterstuhl stehe ihr nicht zu.

Die Vorgesetzten und Kollegen, die sich zur Verabschiedung der 58-Jährigen in die Altersteilzeit zusammengefunden hatten, waren voll des Lobes für die Leistungen und Qualitäten einer Frau, die vor 25 Jahren im Kulturamt begonnen und die letzten neun Jahre Im Vorzimmer des Bürgermeisters gewirkt hatte. Ihr Chef German Hacker (SPD) dankte ebenso wie sein Vorgänger Hans Lang (CSU) für Lohmaiers Leistung und Sachverstand.
Und vor allem für ihre freundliche, zuvorkommende Art.

Die gute Atmosphäre

So nannte Hans Lang, für den die Herzogenauracherin von 2003 bis 2008 arbeitete, die "gute menschliche Atmosphäre im Vorzimmer" als besonders beeindruckend. Sie lebte die Bürgernähe und kenne ihre Stadt. Lang sprach mit den Worten des früheren Bundespräsidenten Karl Carstens: "Die Kenntnis des Ortes ist die Seele des Geschäfts".

German Hacker schätzte auch die Augenblicke, in denen sie ihm vor einem Tritt in den Fettnapf bewahrte. Es sei durchaus vorgekommen, dass sie ihn "mit einem zarten Hinweis" vor unbedachten Aktionen schützte. Außerdem habe er sich auch in anderer Hinsicht auf seine Mitarbeiterin verlassen können. Die "Bürgermeister-Endkontrolle" beim Verlassen des Rathauses sei einfach perfekt gewesen. Bis hin zum weißen Fusselchen auf dem Sakko habe Ruth Lohmaier alles im Blick gehabt.

Ein Schwerpunkt in den 25 Jahren in Diensten der Stadt Herzogenaurach war für die Geehrte die Tätigkeit als Dolmetscherin. Ihre Französisch-Kenntnisse halfen beim Kontakt mit den Gästen aus zwei Partnerstädten - Sainte Luce sur Loire und Kaya. Ende der 80-er Jahre bereitete sie den Besuch einer afrikanischen Delegation vor und organisierte die Festveranstaltung zur Gründung der Städtepartnerschaft mit den Franzosen.

Grenzenlose Bewunderung

Hans Lang erinnert sich gerade an die Anfänge der Freundschaft mit Sainte Luce gern. Dass man auf eine eigene Mitarbeiterin bauen konnte, ermöglichte ein vertrauensvolles Arbeiten. "Man musste sich keinem fremdem Dolmetscher anvertrauen", sagte Lang. Außerdem kannte sich Ruth Lohmaier aus. "Wenn Bürgermeister Brasselet den Mund aufmachte", so bescheinigte Lang, "dann wusste sie schon, was er sagen wird".

Auch German Hacker weiß diese Tätigkeit zu schätzen. Schon als junger Stadtrat 1996 habe er grenzenlos bewundert, wie sie simultan dolmetschte. Er könnte das nicht, "da fehlt mir eine Hirnwindung".

Und was meint die so vielfach gelobte Frau? "Ich bin jeden Tag gern auf Arbeit gegangen", sagte sie. Und die Zusammenarbeit mit den Kollegen - "des war a Traum". Generell habe sie durch ihre Arbeit viel Einblicke in die Entwicklung der Stadt erhalten. "Ich hatte das Gefühl: Ich bin dabei".

Und welches Erlebnis aus dem letztem Vierteljahrhundert fällt ihr spontan ein? "Das war der Wechsel meines Chefs", sagt sie ohne langes Nachdenken. Als German Hacker nachbohrte, was sich denn da geändert habe, reagiert sie wieder zurückhaltend, ja schüchtern: "Ist es schlimm, wenn ich sage, nicht viel?"

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